Mitteldeutsches Lössgebiet – Übersicht

Lage des Mitteldeutschen Lössgebiets

Die Exkursionsgebiete des Mitteldeutschen Lössgebietes liegen in den Bundesländern Sachsen-Anhalt und Sachsen im östlichen norddeutschen Tiefland (Abb.1).

Lage der Exkursionsgebiete im Mitteldeutschen Trockengebiet

Abb.1 Lage der Exkursionsgebiete im Mitteldeutschen Trockengebiet (EHRHARDT ET AL., 2017)

Naturräumliche Gliederung des Exkursionsgebietes

Die Exkursionsgebiete im Raum Magdeburg, Halle und Meißen zählen zur Großregion „norddeutsches Tiefland“ und der naturräumlichen Haupteinheit Lössbörden (Meynen & Schmithüsen, 19531962) im mitteldeutschen Raum. Die Lössbörden ziehen sich nördlich der Mittelgebirgsschwelle bis zur Oberlausitz. Innerhalb der Lössbörden, wird der Raum südlich von Magdeburg zum Naturraum Magdeburger Börde, der Raum nordwestlich von Halle zum Naturraum östliches Harzvorland gezählt und beides zum mitteldeutschen Schwarzerdegebiet zusammengefasst. Das Gebiet bei Meißen gehört zum mittelsächsischen Lösshügelland (Abb. 2).

Abb. 2: Landschaftsgliederung im mitteldeutschen Raum mit den Exkursionsgebieten der Lössbörden (CC BY HOOU@UHH).

Klima im Mitteldeutschen Trockengebiet

Aufgrund der geringen Niederschläge, hervorgerufen durch die Lee-Wirkung des Harzes, wird das Gebiet im Raum Magdeburg-Halle auch als Mitteldeutsches-Trockengebiet bezeichnet (Abb. 2). Die mittleren jährlichen Niederschlagshöhen liegen zwischen 450–500 mm (Döring et al., 1995) und das Gebiet ist eine der niederschlagsärmsten Regionen Deutschlands. Die Untersuchungen der Niederschläge der letzten hundert Jahre zeigen eine jährliche Umverteilung der Niederschläge, mit einer Zunahme im Winter und Abnahme im Sommer (Fabig, 2007). Den mittleren Niederschlagswerten steht eine hohe Verdunstungsrate von ca. 500 mm zwischen 19012000 gegenüber (Müller et al., 2001), sodass sich daraus nur stark eingeschränkte Möglichkeiten der Grundwasserneubildung ergeben.

Die Jahresmitteltemperatur in Magdeburg-Halle lag zwischen 7,36,8 °C (1956-1940) sowie 11,210,9° C (2014) und einem Jahresmittel von 9,59,4 °C im Zeitraum von 19812010 (DWD, 2017). Es gilt als submaritim für den Raum Magdeburg bzw. subkontinental für den Raum Halle und Meißen (Leibnitz-Institut für Länderkunde, 2003). Daten des Helmholz-Zentrums für Umweltforschung UFZ (Bad Lauchstädt) belegten, dass die Bodentemperatur im Jahresmittel ca. 1 °C höher liegt, als die Lufttemperatur (Abb. 3). In der Soil Taxonomy (USDA, 1999) werden die Klimadaten von Halle genutzt, um ein „ustic soil moisture regime“ und ein „mesic soil temperature regime“ zu illustrieren (Jahn et al., 2017).

Abb. 3: Abgrenzung des mitteldeutschen Trockengebietes anhand des langjährigen Jahresmittelniederschlages zwischen 1970-2000 von 500 mm (Niederschlagsisohyete) aus Fabig (2007)

Abb. 4: Klimadaten von Halle (Saale) und Umgebung (Jahn et al., 2017)

Vegetation und Nutzung in Sachsen-Anhalt

Die Vegetationsgeschichte begann im Spätglazial nach dem Rückzug des Inlandeises mit den kryoklastischen Verwitterungs- und Bodenbildungsprozessen und periglazialen solifluidalen Umlagerungen. Gleichzeitig erfolgte die Einwanderung und Ansiedlung von zunächst arktischen und arktisch-alpinen Pflanzenarten sowie der Ausbildung von Pflanzengesellschaften, die im Bereich der ausgedehnten Lössgebiete im Mittelgebirgsvorland als Tundrenvegetation Bodenbildungsprozesse einleitete (Altermann & Rosche, 1995). Mit der nachfolgenden zunehmend großräumigen Erwärmung der Landschaften im mitteldeutschen Raum bei zeitweiliger Schwankung in kühlere und wärmere, auch feuchtere (Atlantikum, Subatlantikum) und trockenere Zeitabschnitte (Boreal, Subboreal) zeigte sich eine längerfristige, allmähliche Umwandlung der Vegetationszusammensetzung in den einzelnen Landschaften im Flach- und Hügelland. Frühholozäne Grassteppen mit eurosibirischen Stipa, Festuca, Koelerlia-Arten, Adonis vernalis und anderen Steppenkräutern in Nachbarschaft von Laubholz-Lockerwäldern, führten längere Zeit (vor mehr als 7000 Jahren, vgl. Laatsch, 1954) durch Humusanreicherung bei Hemmung des Humusabbaus, in Sommertrockenen- und Winterkälteperioden in den Lössgebieten im Regenschatten des Harzes, zur Schwarzerdebildung. Offene Steppen wechselten mit Eichenmischwäldern und bildeten eine parkartige Waldsteppenlandschaft, in die nach und nach die Rotbuche auf geeigneten Standorten eindrang und zur Vorherrschaft gelangte. Ein stärkerer Eingriff in das mitteldeutsche Waldland erfolgte durch den Menschen mit der Waldrodung und dem Ackerbau seit dem Neolithikum, wodurch sich erneute und verstärkte Abtragungsprozesse und Veränderungen in der Bodenbildung abzeichneten. Eine Übersicht über die zeitliche Abfolge der spät- und nacheiszeitlichen Vegetationsentwicklung zeigt Tabelle 1.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tab. 1: Vegetationsentwicklung im mitteldeutschen Raum im Holozän nach Altermann, M., Rosche, O. “Typische Böden im Mitteldeutschen Trockengebiet. Exkursionsführer der Uni Halle”. (1995)

Sachsen-Anhalt weist bedingt durch die fruchtbaren Böden im Schwarzerdegürtel der Magdeburger Börde einen hohen Anteil landwirtschaftlich genutzter Flächen auf. Sie stellen im Jahre 2015 mit 61,3 %, weit gefolgt von Waldflächen (24,8 %), die größte Flächennutzung dar (Statistische Ämter des Bundes und Länder, 2017). Lediglich in der Umgebung des Petersberges und in der Dölauer Heide kommen zusammenhängende Waldflächen vor. Auf den Hochflächen dehnen sich große Ackerschläge aus, Wiesen und Weiden sind seltener. Die z.T. stark ausgeprägten Hänge nördlich und westlich von Halle werden durch Obst- und Weinbau genutzt.

Geologie Sachsen-Anhalts

Der allgemeine geologische Aufbau des mitteldeutschen Raumes kann in folgende geologische und strukturelle Einheiten unterteilt werden:

  1. Kristallines Grundgebirge (Mitteldeutsche Kristallinzone),
  2. Übergangszone,
  3. Tafeldeckgebirge und
  4. känozoische Lockermassen (Jahn et al., 2017).

Das kristalline Grundgebirge besteht aus stark konsolidierten und gefalteten Gesteinen des Proterozoikums und Paläozoikums. Es ist Teil des variszischen Grundgebirges, welches dem herzynischen Trend folgend, generell NW-SE ausgerichtet ist. An die kristallinen paläozoischen Schiefer- und Tiefengesteine des Saxo-Thuringikums am Kyffhäuser schließt sich nordwärts die Rhenoherzynische Zone mit Grauwacken, Tonschiefern und mit Diabasen sowie Tuffen assoziierten Quarziten im Harz an. Der Harz ist das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands. Seine Entstehung begann im Devon während der variszischen Orogenese und wurde während der subherzynischen Hebungsphase in der Oberen Kreide abgeschlossen.

Die Oberfläche des kristallinen Grundgebirges bildet die Basis des Saale-Beckens. In dieses Molassebecken lagerten sich während des Permokarbons mächtige Wechselfolgen von Sand-, Schluff- und Tonsteinen ab. Zwischengeschaltet in die Sedimentpakete sind vulkanische Tuffe und vereinzelnd Kohle. Im Großraum von Halle und südöstlich des heutigen Harzes kam es während des Perms zu magmatischer Aktivität, wobei felsische und intermediäre Vulkanite oberflächennah in die umliegenden Sedimente eindrangen. Die Vorkommen der permischen Rhyolithe werden in Halle-Saale als Hallescher Porphyr bezeichnet und sind in Form von rezenten Inselbergen charakteristisches Merkmal der Landschaft des südlichen Sachsen – Anhalts.

Das variszische Übergangsstockwerk (Molasse) wird vom Tafelgebirgsstockwerk überlagert, welches aus einer ca. 1.500 m mächtigen Schichtfolge von Zechstein bis zum Muschelkalk (Perm bis Trias) besteht (Blumenstengel et al., 2006; Abb. 5). Geringmächtige Lagen von Kupferschiefer (∼ 275 Ma) bilden die Basis des Zechsteins. Sie werden von mächtigen Wechselfolgen aus Salzen, Anhydrit, Gips und Karbonaten überlagert. Die späte extensive saxonische Tektonik führte zu lateralen und horizontalen Bewegungsmustern der Schollen. In Arealen mit Salzablagerungen wurden diese Bewegungen durch Salzfluss kompensiert, in dem das Salz entlang von Störungsbahnen aufstieg und Salzstöcke formte. Die triasischen Sedimente sind z.T. von Ablagerungen des Juras und der Kreide überlagert.

Weite Teile Sachsen-Anhalts sind von känozoischen Lockergesteinen bedeckt. Im Norden und Osten dominieren Sand und Tone des Paläozäns und Miozäns (Tertiär), in denen lokal Kohlen gefunden wurden. Mächtige Braunkohlelagerstätten bildeten sich während des Eozäns bis ins Oligozäns (Alttertiär) in den Senken im südlichen Sachsen-Anhalt. Die tertiären Lockergesteine sind wiederum häufig von quartären fluviatilen und eiszeitlichen Sedimenten überlagert. Die Überprägungen durch die Elster-, Saale- und Weichsel-Eiszeiten formten das heute durch Grundmoränen, Endmoränen und Sanderflächen gekennzeichnete Landschaftsbild. Allerdings treten die Geschiebe der Weichsel – Eiszeit nur im Nordosten von Sachsen-Anhalt auf. Weiter nach Süden gehend, dominieren mächtige Lössablagerungen, deren Körnungsspektrum von West (Löss mit > 70 % Schluff) nach Ost (Sand-Löss mit < 70 % Schluff) gröber wird.

Die Löss- und Sandlösshochflächen sind eben bis schwach wellig, kuppige Lagen sind auf die Gebiete der Gesteinsdurchragungen beschränkt. Hier treten besonders die markanten Randbuckel des Porphyrs bei Landsberg und der Petersberg, der sich bis auf 250 m NN über die Hochfläche erhebt, in Erscheinung. Die Hochflächen sind im westlichen Teil durch die Saale sowie kleinere Wasserläufe wie z.B. Salza, Laweke, Würdebach usw. ausgiebig zertalt.

Abb. 5: Geologische Karte des Exkursionsraumes aus Jahn et al. (2017)

Geologie im Raum Halle und Bergbau

Die vorherrschenden geologischen Strukturen im Raum Halle/Saale sind Ergebnis des für die Gegend typischen geologischen Stockwerkbaus, der sich bis in das Proterozoikum zurückverfolgen lässt (Jahn et al., 2017). Die Stadt Halle selbst befindet sich über dem kristallinen Kern der östlichen Mitteldeutschen Kristallinzone, an die sich in Richtung Süden die lithologischen Einheiten des Saxothurinikums anschließen. Die Mitteldeutsche Kristallinzone baut sich aus Plutoniten auf, welche während der variszischen Orogenese vor etwa 330 Ma in Paragneise und Amphibolite intrudierten (Bachmann & Ehling, 2006). Das Stadtgebiet von Halle wird durch die Hallesche Störung (Hallesche Marktplatzverwerfung) unterteilt. Sie ist eine nordwest-südost streichende, nach Nordost einfallende tektonische Hauptstörung in Mitteldeutschland, die die gehobene Scholle des HalleWittenbergs-Blocks im NE und die abgesenkte Merseburger-Scholle der Nietlebener Mulde im SW trennt. Gesteine des Permokarbons, überdeckt von geringmächtigen känozoischen Sedimenten, sind die typischen lithologischen Einheiten der Halle-Wittenberg-Scholle. Der tiefere Merseburg-Block wird von Sedimenten des Perms (Zechstein) und der Trias bedeckt (Abb. 6). Entlang der Störungszone gelangten salzhaltige Wässer an die Oberfläche, die bereits seit der Bronzezeit zur Salzgewinnung genutzt wurden und der Stadt Halle ihren Namen gaben. Weitere auffällige Merkmale der Region Halle sind die aus der sonst eher flachen Morphologie herausragende Inselberge. Sie bestehen aus Rhyolithen des Perms und werden aufgrund ihrer Struktur und lokalen Verbreitung als Hallescher Porphyr bezeichnet. Durch tektonische Hebungsaktivitäten während des Übergangs von der Kreide zum Tertiär wurden die Gesteine des oberen Mesozoikums im Gebiet Halle erodiert. Es treten nur jüngere Sedimente des Eozäns und Oligozäns aus Sanden und kohlehaltigen Tonen auf. Während der Elstervereisung im Pleistozän wurden Geschiebemergel mit eingeschalteten glaziofluvialtilen Sanden abgelagert. Gebänderte Tone und mächtige Lösse wurden in der Saale- und Weichselvereisung abgelagert. Die rhyolithischen Inselberge wurden durch das Eis abgerundet.

Die folgenden Blockbilder (Abb. 6–8) aus Wagenbreth & Steiner (1990) vermitteln eindrucksvoll einen Einblick in den geologischen Aufbau des Halleschen Raumes.

Abb. 6: Schematischer Querschnitt der Geologie des östlichen und südlichen Harzvorlandes aus Wagenbreth & Steiner (1990), verändert nach Jahn et al. (2017 )

Abb. 7: Tektonik und Landschaftsform beiderseits der Halleschen Marktplatzverwerfung im Stadtgebiet von Halle aus Wagenbreth & Steiner (1982).

Abb. 8: Der Hallesche Porphyrkomplex und dessen nördliche Umrahmung aus Wagenbreth & Steiner (1982).

Weite Teile der heutigen Landschaft innerhalb und um das Stadtgebiet sind nicht natürlichen Ursprungs, sondern anthropogen verändert. Hauptgrund dafür waren die abbauwürdigen Vorkommen verschiedener Rohstoffe, die seit über 800 Jahren in intensiv betriebenem Bergbau gefördert wurden. Bis vor einigen Jahren wurde Kupfer in der Gegend um Eisleben und Sangershausen abgebaut. Die primäre Vererzung war an den Kupferschiefer (Perm) gebunden. Obwohl nur 50 cm mächtig, erwies sich der Kupferschiefer aufgrund hoher Gehalte an Kupfer, Blei, Zink, Gold, Silber und Platin als abbauwürdig. Schon vor über 1.200 Jahren begann der Abbau, sichtbar an kleinen Schürfgruben aus dem Mittelalter. Mithilfe moderner Fördermethoden wurde der Kupferschiefer bis in Tiefen von 1.000 m abgebaut. Unverkennbares Zeichen dieser Aktivitäten sind die bis zu 100 m hohen und weithin sichtbaren Kupferschieferhalden. In Bernburg und Teuschenthal wurden Steinsalze (NaCl) und K-Salze unter Tage abgebaut. Die geförderten Salze entstammen der Zechstein-Formation. Durch die unterirdische Förderung wurden ca. 12 Mio. m3 an Höhlen und Stollen geschaffen, die heute größtenteils verfüllt sind. Noch wichtiger als die Salzgewinnung war die Förderung von Braunkohle. Die Braunkohle ist tertiären Ursprungs und war oberflächennah in und bei Halle leicht zu fördern. Heute sind alle Tagebaue geschlossen. Aufgrund des warmen Klimas während des Tertiärs setzte eine starke Verwitterung der permischen Rhyolithe ein, die zur Ausbildung mächtiger Kaolinitkrusten führte. Nördlich von Halle entstanden Kaolinlagerstätten, die teilweise bis heute im Tagebaubetrieb abgebaut werden (z.B. bei Morl). Von geringerer lokaler Bedeutung war die Förderung von Steinkohle. Der Quarzporphyr wurde primär als Schotter, aber auch als Baustein zur Verkleidung von Bauwerken abgebaut. Momentan ist nur noch ein Steinbruch am Petersberg, nördlich von Halle, in Betrieb.

Geologie im Raum Meißen

Die Elbtalzone ist eine ausgeprägte geologische Störungszone, in der zahlreiche tektonische Gesteins-Verschiebungen stattfanden. Im Mittelvaristikum drangen granitische Schmelzen in diese Zone ein und bildeten das Granitvorkommen, das Teil des Meißener Massivs ist (Franke, 2017).

Als Meißener Massiv wird generell ein NW-SE orientierter, variszischer Instrusivkomplex bezeichnet, der eine annähernd elliptische Form aufweist. Dieser liegt im Zentral- und Nordwestabschnitt der Elbzone mit ca. 80 km Länge und maximal 20 km Breite, bestehend aus einer konzentrisch angeordneten Serie von zeitlich und substanziell unterschiedlichen Magmatiten (Monzonitoid-Granitoid-Formation des Meißener Intrusivkomplexes), deren Genese kontrovers diskutiert wird (Abb. 9).

Das Zentrum wird von der jüngeren Intrusion saurer Magmatite dominiert, die randlich von intermediären bis basischen Varietäten vertreten werden. In den älteren, mehr peripheren Bereichen kommt die „monozonitoide“ Serie vor (Monzoniten, Monzodiorite, Diorite, Gabbro). Hauptbestandteil sind mittelkörnige Hornblende-Monzonite (Syneodiorite); die basischsten stellen Quarzdiorite und Diorite dar. Weitere Typen sind ein mittel- bis grobkristalliner, lokal porphyrischer Hornblende-Biotit-Granodiorit (nordöstlich der Elbe) sowie ein mittelkristalliner Biotit-Monzogranit und Biotit-Granodiorit (Meißener Hauptgranit). Im Meißener Eruptivkomplex treten u.a. Rhyolite auf. Im Elbtal zwischen Meißen und Hirschstein zeugen rund 25 auflässige Steinbrüche vom regen Abbau der granitischen Gesteine z.B. im Steinbruch der Karpfenschänke im Norden von Meißen, tritt Biotitgranodiorit mit diskordanter Auflagerung von Buntsandstein auf. Wie im Raum Halle wurden die Gesteine im Raum Meißen durch subtropische Verwitterung während des Tertiärs tiefgründig chemisch verwittert und saprolitisiert (kaolinisiert) und im Pleistozän durch eiszeitliche Sedimente überdeckt.

Abb. 9: Geologie des Meißener Massivs, Darstellung ohne kanäozoischen Bildungen nach Krentz et al., 2000 aus Franke (2017).

Ausgangsgesteine für die Bodenbildung

Für die Bodenbildung von Bedeutung sind Gesteinsdurchragungen wie die Sandsteine und Konglomerate des Permo­karbon (Oberkarbons), die Porphyre des Halleschen Porphyrkomplexes des Perm, die in markanten Erhebungen auftreten, die Trias-Ablagerungen wie Muschelkalk in der Mansfelder und Querfurter Mulde und der Bundsandstein des Teutschenthaler Sattels sowie die Bildungen der Merseburger Buntsandsteinplatte, überwiegend durch Sandlösse verhüllt (Altermann & Rosche, 1995). Von den Tertiär Vorkommen beiderseits des Teutschenthaler Sattels sind nur lokale Tone und Sande z.B. in der Dölauer Heide bodenbildend. Wobei aber nur wenige präquartäre Gesteine oberflächen­nah anstehen und als Ausgangsmaterial für die Böden in Frage kommen.

Bei fehlender, erodierter Lössbedeckung sind die permischen Rotliegenden Schluff-  und Tonsteinen des Hornburger Sattels Ausgangsgesteine für lehmig-tonige Böden. Die Zechsteinbildungen haben für die Bodenbildung keine Bedeutung. Rote Schluffsteine des Unteren Buntsandsteins sind im Bereich des Teutschenthaler Sattels Ausgangs­material der Böden. Der Mittlere Buntsandstein wird überwiegend von Sandsteinen aufgebaut, die durch prätertiäre Verwitterung an der Oberfläche meist gebleicht und mehr oder weniger kaolinisiert sind. Die tonig-schluffigen und karbo­natischen Gesteinsglieder des Unteren Buntsandsteins haben lediglich unmittelbar westlich der Muschelkalk­schichtstufe für die Bodenbildung im liegenden der Lössdecke oder in Erosionspositionen Bedeutung. Muschelkalk tritt lössbedeckt und lössfrei als Bodenausgangsgestein in Er­schei­­nung. Während der Weichsel-Kaltzeit wurden die präweichselzeitlichen oberflächennahen Gesteine im wesentlichen Rotliegend- und Triassedimente durch Verwitterung und Umlagerung zu den periglazialen Deckschichten, wie Fließerden und Schutten, umgebildet und somit für die Bodenbildung entscheidend vorgeprägt. Deshalb sind die Festgesteine bis auf wenige Durchragungen bzw. steile Hangpositionen meistens durch eine Lockererde aus Schutt, Fließerde und außerdem noch durch Löss verhüllt.

Die meisten und wichtigsten Ausgangsgesteine der Böden des Exkursionsgebietes entstanden im Quartär. Die pleistozänen Sedimente Geschiebemergel der Elster- und Saaleeiszeit sowie Schmelzwassersande und Schotter sind im Untersuchungsgebiet fast ausschließlich von dem für die Bodenausbildung bedeutungsvollen weichseleiszeitlichen äolischen Decken überlagert. Von den saalezeitlichen Sedimenten sind unter Lössbedeckung Geschiebemergel z.T. als Lokalmoräne entwickelt und glazifluviatile Kiese und Sande für die Böden von Bedeu­tung. Auf den Hochflächen ist der weichselzeitliche Löss fast flächendeckend verbreitet, der jedoch in unterschiedlichen Mächtigkeiten auftritt. Meistens erreicht er etwa 2 m, größere (bis 4 m) und geringere Mächtigkeiten kommen aber auch nicht selten vor. Nach der Korngrößenzusammensetzung werden die weichselzeitlichen äolischen Decken in Lössdecken, Sandlössdecken und Flugsande differenziert. Die größten Lössmächtigkeiten treten im Westteil des Untersuchungsgebietes im Raum der Querfurter Platte und der Wettinger Hochfläche auf. Geringmächtige Lösse (0,1–1,2 m) und Lössschleier (< 0,4 m) kommen bei stärkerer Reliefenergie vor. In den stärker reliefierten Gebieten den Schichtstufen der Trias ist Löss häufig nur Lössschleiern erhalten, bzw. lediglich im Ap-Horizont der Böden sind Lössanteile nach­weisbar. Aufgrund der Durchmischung mit den liegenden Substraten sind die Lössschleier oft sandig und skeletthaltig und leiten ebenso wie die unter 1 m mächtigen sandreichen Lösse am Lössrandgebiet zu den Sandlössen über. An das Lössgebiet schließt sich ein unterschiedlich breiter Sandlössgürtel an. Sandlösse haben gegenüber den Lössen einen hohen Sandanteil (> 20 %) und erreichen im Grobschluffgehalt mindestens 20 %. Die Mächtigkeit der Decken schwankt zwischen 0,5 und 1,0 m. Auch treten unterhalb 0,4 m mächtige Sandlössschleier im Löss auf. Schluffreiche Sandlösse sind nahe am Lössgebiet, schluffarme in größerer Entfernung von diesem verbreitet. Sandlösse sind nicht nur am Lössrandgebiet, sondern auch innerhalb des Lössgürtels zu finden. So sind sie lokal in Hangenden von Schmelzwassersanden, in Kuppenlage und auf Mittleren Buntsandstein (Altermann, 1968) sowie im Übergangs­bereich Saaleaue-Hochfläche verbreitet. Den Sand haben die jeweils in unmittelbarer Nähe vorhandenen sandigen Substrate geliefert, so dass dieser nur kurzen Trans­portwegen unterlag. Den eben angeführten primär durch äolische Akkumulation von Sand und Schluff entstanden Sandlösse stehen die durch Mischung mit sandigen liegenden Materialien aus Lössschleiern hervorgegangenen sekundären Sandlösse gegenüber (Altermann, 1968). Bei den geringmächtigen Decken haben die Liegendsedimente für die Wertigkeit der Böden Bedeutung.

Neben diesen schluffreichen Decken wurden im Untersuchungsgebiet auch Flugsande (< 20% Grobschluff), so z.B. am Rand der Salleaue bei Wettin (Kunert & Altermann, 1965) sowie inselartig auch nördlich von Halle akkumuliert. Aus Flugsanden sind offenbar auch die nach dem Profilbild und der Korngrößenanalyse dem Geschiebedecksand der lössfreien Landschaft ähnlichen sandigen Decken hervorgegangen.

Die angeführten verschiedenen äolischen Bildungen sind im Vertikalprofil nicht einheitlich aufgebaut. So schwanken bei den Lössdecken die Sandanteile in unterschiedlicher Tiefe, innerhalb der Sandlössdecken kommen Löss- und Flugsandhorizonte bzw. Sand­streifigkeit vor. Horizontgrenzen hielten sich dabei häufig an vorgezeichneten Substratgrenzen (Altermann, 1968). Der horizontale Übergang der verschiedenen äolischen Deckschichten Löss – Sandlöss z.T. Flugsand wurde im Untersuchungsgebiet von Altermann (1968) und Mautschke et. al. (1971) beschrieben.

An der Basis der äolischen Decken ist meistens eine windkanterführende Steinsohle ausgebildet, wenn im Liegenden pleistozäne Materialen folgen bzw. deren Erosionsreste erhalten geblieben sind. Sie fehlt hingegen meistens, wenn triassische Gesteine im Liegenden auftreten.

Die Erosionsanfälligkeit des Lösses und die Oberflächengestalt sind die Ursache für holozäne Umlagerungen. Der von den geneigten Platten und Hängen erodierte Löss wird in Tälern und Senken als Kolluvium (Abschlämmmassen) sedimentiert und ist das Substrat der Kolluvialböden sowie der grundwasserbeeinflußten Lössböden. Es wurden bis 4 m mächtige Kolluviallösse festgestellt.

Im ehemaligen Salzigen See setzte sich im Holozän Seemergel ab, der durch die Trockenlagerung vor etwa 100 Jahren gegenwärtig noch die Oberfläche bis zur vorgesehenen Wiederflutung bildet. Auenlehme kamen großflächig in der Unstrutaue sowie in geringerem Ausmaß auch in den schmaleren Auen der Flüsschen Weida und Sülze zur Sedimentation. Durch Rohstoffabbau von Kohle, Kiesen, Bausteinen, Kalksteinen und Tonen erfolgten Umlagerungen und künstliche Aufschüttungen, überwiegend von natürlichen Substraten.

Böden des Mitteldeutschen Trockengebiets

Im Exkursionsgebiet dominieren die Lössböden (Abb. 10). Die Ausbildung der verschiedenen Lössböden ist abhängig von der Mächtigkeit der Lössdecken, von der Zusammensetzung der Substrate im Liegenden der kleiner als ein Meter mächtigen Lösse, vom Relief, von paläoklimatischen Einflüssen sowie wahrscheinlich auch von der petrographischen Zusammensetzung der Lössdecken in den verschiedenen Lössprovinzen des Exkursionsraumes. Dadurch sind u.a. möglicherweise die markanten Vegetationsgrenzen im Verlauf des Holozäns vorgezeichnet worden, die wiederum unterschiedlichen Bodenentwicklungen verursachten wie die Schwarzerde – Fahlerde – Grenze. Die Schwarzerden aus Löss sind die dominierenden Bodenformen auf den ebenen und welligen Platten des Exkursionsgebietes. Die Humushorizonte sind etwa 50–60 cm mächtig, jedoch kommen nicht selten stärker erodierte Schwarzerden mit nur 40 cm mächtigen Humushorizonten vor. Die Übergänge von erodierten Tschernosemen und Pararendzinen aus Löss sind fließend. Neben den Norm-Tschernosemen sind die Braunerde-Tschernoseme am meisten verbreitet. Durch unterschiedliche Zusammensetzung der Substrate im Liegenden der Lösse ist das Spektrum der Bodenformen stark aufgefächert.

Bei völliger Abtragung der Schwarzerde sind heute auf Löss-Pararendzinen verbreitet, die ebenfalls durch differenzierte Gesteinsunterlagerung eine breite Bodenformenpalette bieten. In Senken, Tälern und auch in den breiten Auslaugungswannen wurde das meist humose Abtragungsmaterial akkumuliert, so dass Kolluvialböden und bei Grundwasser­einfluss Gleye entstanden.

Pararendzinen und Rendzinen sind auf den Triasdurchragungen anzutreffen. Klein­flächiger Bodenwechsel ist für diese Gebiete typisch. Lössfreie Böden, Lössschleier, flach- und tiefgründige Lösse, unterschiedlich steinige und tonige Triassubstrate kennzeichnen das breite Substratspektrum dieser Pararendzinen. Durchragende Rotliegendbildungen sind dagegen kalkfrei, sodass dann Regosole und Braunerde dominieren. Letztere kommen auch auf Mittlerem Buntsandstein bei Sandlöss- bis Lösssandbedeckung vor.

Im Exkursionsraum wird Löss durch Sandlöss und schließlich in nördlicher Richtung vom Geschiebedecksand (Decksand) abgelöst. Diese gürtelartige Abfolge der äolischen Periglazialsedimente der letzten Kaltzeit bedingt auch eine Abfolge verschiedener Böden. Während nahe am Lössrand auf Sandlöss noch Schwarzerden verbreitet sind (Exkursionspunkt Zöberitz), kommen in größerer Entfernung vom Schwarzerdegebiet auf den Sandlössdecken substratabhängig auch Parabraunerden, bei Lehmunterlagerung mehr oder weniger pseudovergleyte Böden vor. Braunerden dominieren auf Geschiebedecksand über Sanden, während bei Lehmunterlagerung Parabraunerden/ Fahl­erden und pseudovergleyte Böden vorherrschen. Grundwasserbeeinflusste Böden sind auf Auen und Täler beschränkt, Kippböden auf die Rohstoffabbaugebiete. Regosole sind weit verbreitet in den ehemaligen Braunkohletagebauen nördlich und südlich von Halle-Leipzig und den damit entstandenen Aufschüttungen. Pseudovergleyte Böden sind insbesondere im Sächsischen Hügelland zu finden (Abb.10).

Abb. 10: Böden und Bodengesellschaften mit Leitbodentypen und ihren Ausgangsgesteinen (BGR, 2002), verändert nach Jahn et al. (2017)

Mitteldeutsches Trockengebiet Raum Magdeburg

Die Magdeburger Börde ist das nördlichste Landschaftsglied des Mitteldeutschen Trockengebietes. Von Bedeutung für dieses Exkursionsgebiet sind die Schwarzerden aus weichselzeitlichen Lössen. Der sog. 100er-Boden der deutschen Bodenschätzung ist in Eickendorf, südlich von Magdeburg, aufgeschlossen.

Lage der Exkursionpunkte 1 und 2

Abb. 11: Lage der Exkursionpunkte 1 und 2 im mitteldeutschen Trockengebiet Raum Magdeburg (Ehrhardt et al., 2017). UTM 32U Koordinaten von 1: E: 683808.56 N: 5758786.54, 2: E: 684788.11 N: 5759765.09.

1. Eickendorf Bodenschätzungsmuseum  – Einführung in Bodenschätzung

Zur Würdigung der Leistungen der Bodenschätzung für die Bodenbewertung wurde auf dem Hof des ehemaligen Spitzenbetriebes der Bodenschätzung in Eickendorf ein kleines Museum zur Bodenschätzung eingerichtet. Die nachfolgende Zusammenstellung der Schrifttafeln des Museums zeigt die Bedeutung der Bodenschätzung:

Grundlagen und Ziele der Bodenschätzung

Unsere Böden sind ein unersetzliches Naturgut. Die Vielfalt der Böden auf der Erde bedingen unterschiedliche Möglichkeiten für die Erzeugung von Nahrungsmitteln und darüber hinaus vielfältige Bodeneigenschaften. Die Besteuerung des Grundbesitzes und damit des land- und forstwirt-schaftlichen Vermögens nach dem Ertrag wird schon seit langem als ein legitimes Anliegen des Staates angesehen.

Zur Erhebung der Grundsteuer sind bereits im 19. Jahrhundert in den meisten deutschen Ländern sog. Grundsteuerbonitierungen entwickelt worden. Ziel war die Festlegung des Reinertrags und der Steuerbelastung durch Einteilung aller Flächen in Kulturarten (z.B. Acker. Wiese) und durch die Differenzierung dieser Kulturarten in Bonitätsklassen. Diese Besteuerungsgrundlagen waren nach dem Aufbau einer Reichsfinanzverwaltung in den zwanziger Jahren als einheitliche Bewertungsgrundlage nach dem Reichsbewertungsgesetz von 1925 nicht verwendbar, denn

  • sie basierten auf bodenkundlichen und betriebswirtschaftlichen Erkenntnissen des vorigen Jahrhunderts,
  • die Bonitierungsergebnisse veralteten aus Gründen der Änderung der natürlichen und wirtschaftlichen Ertragsbedingungen sowie der Geldwertentwicklung ohne regelmäßige Fortführung und
  • die einzelnen Landesbonitierungen waren untereinander
    nicht ohne Weiteres vergleichbar.

In dieser Situation wurde im Reichsfinanzministerium beschlossen, eine einheitliche Bodenbonitierung zur Ergänzung der bereits seit 1925 laufenden Bewertung des land- und forstwirtschaftlichen Vermögens vorzubereiten. Diese Bonitierung konnte auf den damals neuesten Erkenntnissen der Bodenkunde sowie der landwirtschaftlichen Betriebslehre aufbauen. So wurde am Ende der zwanziger und zu Beginn der dreißiger Jahre unter der Leitung von Walter Rothkegel und Heinrich Herzog das System der Bodenschätzung ausgearbeitet, das sich von den bis dahin bekannten Verfahren der Grundsteuerbonitierung in wesentlichen Punkten grundlegend unterschied. Für jede landwirtschaftlich nutzbare Bodenfläche Deutschlands sollte nach einheitlichem Schätzungsrahmen

  • eine genaue Kennzeichnung des Bodens nach seiner Beschaffenheit auf Grund bodenkundlicher Kriterien und
  • eine Bewertung der Ertragfähigkeit nach einer Reinertragsverhältniszahl erfolgen.

Damit war sichergestellt, dass die Schätzungsergebnisse im Wesentlichen für alle Zukunft brauchbar bleiben konnten und einer Überprüfung nur unterzogen werden mussten, soweit sich natürliche und wirtschaftliche Ertragsbedingungen geändert haben. Den Schöpfern der Bodenschätzung ist dank der genialen Beschränkung auf die für die Ertragfähigkeit wesentlichen Bodenmerkmale ein großer Wurf gelungen. Dazu trugen auch die Vereinfachung der wissenschaftlichen Grundlagen und die praxisnahen Durchführungsvorschriften bei. Das Bodenschätzungsgesetz trat am 16. Oktober 1934 in Kraft, das eine Reihe von Verwaltungs­vorschriften nach sich zog.

Die Durchführung der Bodenschätzung

Für die Bodenschätzung wurde ein vergleichendes Verfahren in mehreren Stufen entsprechend dem hierarchischen Aufbau der Reichsfinanz-verwaltung konzipiert:

Unter der Leitung des Reichsfinanzministeriums wurde aus 12 Persönlichkeiten der Schätzungsbeirat. Dieser Beirat schätzte vorweg in ganz Deutschland von 1934 bis 1939 ca. 7000 ausgewählte Flächen als sog. Musterstücke der Bodenschätzung. Für die Musterstücke wurden bodenkundliche und bodenphysikalische Analysen gefertigt. Sie wurden rechtswirksam bekanntgegeben und dienten als maßgebliche Schätzungsbeispiele. Das Reichsfinanzministerium leitete die weitere Bodenschätzung.

Bei den Landesfinanzämtern, den heutigen Oberfinanzdirektionen, wurden Fachbeamte, sog. Leitende Landwirte, bestellt, die die Bodenschätzung in ihrem Amtsbezirk leiteten. Gleichzeitig wurden Landesschätzungsbeiräte berufen, die das Netz der vorhandenen Musterstücke verdichten sollten.

In den Finanzamtsbezirken wurden schließlich die Schätzungsausschüsse gebildet, denen jeweils ein Fachbeamter als amtlicher Bodenschätzer vorstand. Dazu kamen ehrenamt­liche Bodenschätzer, Grabarbeiter und Vermessungstechniker. Dem Ausschuss oblag die Schätzung aller einzelner Flächen seines Bezirks unter Beachtung der Musterstücke und der von ihm in jeder Gemarkung angelegten Vergleichsstücke.

Nach kartenmäßiger Vorbereitung zur Abgrenzung der Nutzungsarten und Festlegung der Vergleichsstücke untersucht der Schätzungsausschuss die zu schätzenden Flächen durch Bohrungen mit dem Bohrstock bis zu 1 m Tiefe im Abstand von maximal 50m x 50m. Für jede Bohrung werden Klasse (Bodenklasse) und Wertzahl bestimmt und anschließend vergleichbare Werte zu einer Fläche mit einem mittleren Schätzungsergebnis, der Klassenfläche, zusammengefasst. Für die einzelnen Klassenflächen sind sog. bestimmende Grablöcher anzulegen, bei denen auch eine Beschreibung des Bodenprofils festgehalten wird. Die gesamten Ergebnisse der Schätzung werden vor Ort im Feldschätzungsbuch und in der Feldkarte festgehalten und später in die Schätzungsbücher und die Schätzungskarten übertragen. Die Bodenschätzungsergebnisse sind nach Offenlegung in das Kataster zu übernehmen. Bei diesem Vorgehen konnte ein Schätzungsausschuss täglich zwischen 20 und 100 ha Fläche schätzen, im Mittel betrug die Tagesleistung 40 – 50 ha.

  • Seit 1935 wurden die Schätzungsarbeiten mit mehreren hundert Schätzungsausschüssen mit großem Nachdruck vorangetrieben. Nach der kriegsbedingten Unterbrechung wurden die Bodenschätzungsarbeiten bereits ab 1946 in der Zuständigkeit der Landesfinanzverwaltungen wiederaufgenommen. Bis Ende der fünfziger Jahre konnte dann ein weitgehender Abschluss der Erstschätzungen in allen deutschen Ländern registriert werden.
  • Die Schätzungsergebnisse bedürfen einer dauernden Pflege, um den aktuellen Stand der Ertragsfähigkeit der landwirtschaftlich nutzbaren Böden wiederzugeben. Anlässe zu Nachschätzungen sind alle wesentlichen Änderungen der natürlichen Ertragsbedingungen. Diese kommen insbesondere bei Änderung der Nutzungsart, bei Ent- und Bewässerungsmaßnahmen, Neulandgewinnung oder Rekultivierungen in Betracht.

Mit den Ergebnissen der Bodenschätzung ist in Deutschland ein einzigartiges Datenmaterial entstanden, dessen Bedeutung weit über die steuerliche Anwendung hinausreicht. Die Bodenschätzungsdaten dienen ebenso für Beleihungszwecke im Kreditwesen, als Kauf- und Pachtpreismaßstab im Bodenverkehr, als Tauschmaßstab bei der Flurbereinigung, für Maßnahmen der Bodennutzungsplanung und unmittelbar als Grundlage für agrar- und sozialpolitische Entscheidungen.

Heute steht die Finanzverwaltung am Beginn der Einbeziehung der Datenverarbeitung in die Bodenschätzung. Erste Schritte sind die Vorarbeiten zur Digitalisierung der Altdatenbestände, der Entwurf eines neuen Feldschätzungsbuchs, ein EDV-Programm zur Auswertung der Musterstücksdaten und Überlegungen zum PC-Einsatz bei den praktischen Schätzungsarbeiten. Damit sollen zugleich die Voraussetzungen geschaffen werden, dass die Verwendung der Bodenschätzungsergebnisse insbesondere im nichtsteuerlichen Bereich, z.B. beim Aufbau von Bodeninformationssystemen, erleichtert wird.

Die Bodenschätzung in der Gemeinde Eickendorf

Die Reichsbodenschätzung wurde in der Gemeinde Eickendorf, damals Kreis Calbe, heute Kreis Schönebeck, im März/April 1935 durchgeführt. Der amtliche Bodenschätzer war Siegel, als ehrenamtliche Bodenschätzer fungierten Dr. Schulze, Stöhr, Büchner, Herold, der Vermessungstechniker hieß Hübner. Gegen die Ergebnisse der Bodenschätzung wurden damals Einsprüche geltend gemacht, wie aus den Unterlagen hervorgeht:

„Die für die Festsetzung der Klimazuschläge zugrundegelegte jährliche Nieder­schlags­menge von 483 mm ist in den letzten 10 Jahren bei weitem nicht erreicht worden. In den letzten 6 Jahren ist der Grundwasserstand wesentlich gesunken. Aus diesem Grunde erscheint es uns nicht gerechtfertigt zu sein, noch einen Klimazuschlag von 4 zu machen.“ (1. 7. 1936)

Methodik der Bodenschätzung auf dem Ackerland

Die im Bodenschätzungsgesetz vorgeschriebenen Schätzungsrahmen sind das Herzstück des Vorschriftenwerks. Der Ackerschätzungsrahmen ermöglicht eine Bodenbewertung nach Reinertragsverhältniszahlen von 7 bis 100. Diese Bodenzahlen wurden nach folgenden Kriterien ermittelt:

Neun Bodenarten:

  • S (Sand), Sl (anlehmiger Sand),
  • lS (lehmiger Sand), SL (stark sandiger Lehm),
  • sL (sandiger Lehm), L (Lehm),
  • LT (toniger Lehm), T (Ton),
  • Mo (Moor)

Die Differenzierung dieser verschiedenen Bodenarten erfolgte nach dem Gehalt an abschlämmbaren Anteilen (< 0,01 mm Korndurchmesser).

Vier Entstehungsarten (auch als geologische Herkunft oder geologisches Alter des Gesteins, aus dem sich der Boden entwickelt hat, bezeichnet):

  • Diluvium oder „Diluvialböden“ (pleistozäne = eiszeitliche Sedimente außer Löss, einschließlich tertiäres Material)
  • Aluvium oder „Aluvialböden“ (holozäne Sedimente der Talauen, Niederungen und Küste)
  • Löss oder „Lössböden“
  • Verwitterungsmaterial oder „Verwitterungsböden“ paläozoischer und mesozoischer Gesteine
  • Vg grobes, steiniges Verwitterungsmaterial (oder „Gesteinsböden“) paläozoischer und mesozoischer Gesteine

Sieben Zustandsstufen

Damit wurde der Entwicklungsgrad der Böden vom Rohboden über eine Stufe höchster Leistungsfähigkeit bis zur Ausbildung eines Podsols erfasst. Bei der Einordnung in die betreffende Zustandsstufe spielt die Tiefe des Wurzelraums und der Ackerkrume eine wesentliche Rolle. Es werden 7 Zustandsstufen unterschieden, wobei die Stufe 1 durch den günstigsten, die Stufe 7 durch den ungünstigsten Zustand, also die geringste Entwicklung oder stärkste Verarmung gekennzeichnet ist.

Nach diesen Kriterien wurde mit Hilfe des Ackerschätzungsrahmens die jeweils zutreffende Reinertragsverhältniszahl aus der Spanne von 7 (ertragschwächster) – 100 (ertragreichster Boden) bestimmt. Der so ermittelten Bodenzahl wurde durch Zu- oder Abschläge wegen weiterer abweichender natürlicher Ertragsbedingungen (z.B. ungünstige Reliefverhältnisse, starker Bodenwechsel = „Verschießen” des Bodens) die Ackerzahl zugeordnet. Die Klassenflächen (Bodenflächen, die nach den genannten Kriterien gleichartig und auf den Bodenschätzungskarten als solche ausgegrenzt sind), setzen sich aus folgenden Symbolen zusammen (Beispiel):

sL D 3 65/60
Durchschnittsbodenart bis 1 m unter Flurgeol. EntstehungsartZustandsstufeBodenzahlAckerzahl
= sandiger Lehmboden= Diluvialboden= 3= 65= 60
BodenklasseWertzahlen

Methodik der Bodenschätzung auf dem Grünland

Bei der Schätzung des natürlichen Grünlands wurden, abweichend gegenüber dem Ackerland, folgende Kriterien zur Schätzung herangezogen:

5 Bodenarten:

  • S (Sand)
  • IS (lehmiger Sand)
  • L (Lehm)
  • T (Ton)
  • Mo (Moor)

3 Zustandsstufen (oder auch Bodenstufen genannt):

Es werden nur die Stufen I, II und III ausgewiesen (Zusammenfassung gegenüber den Ackerstandorten)

3 Klimastufen (nach durchschnittlicher Jahrestemperatur in Grad Celsius):

  • a = 8 Grad und mehr
  • b = 7,9 – 7,0 Grad
  • c = 6,9 – 5,7 Grad
  • d = 5,6 Grad und darunter

5 Wasserstufen (Wasserverhältnisse)

  • 1 symbolisiert frisch (die beste Wasserstufe) und
  • 5 als nass bis sumpfig oder sehr trocken (die schlechtesten Wasserverhältnisse)

Mit Hilfe des Grünlandschätzungsrahmens wird nach den genannten Kriterien die Grünlandgrundzahl von 7 bis 88 ermittelt und unter Berücksichtigung weiterer abweichender Ertragsbedingungen durch Zu- oder Abschläge die Grünlandzahl bestimmt. Als Beispiel für das Klassenzeichen der Flächen des natürlichen Grünlands wird angeführt:

L II b 1 65160
Durchschnittsbodenart bis 1 m unter FlurBodenstufeKlimastufeWasserstufeGrünlandgrundzahlGrünlandzahl
Lehmboden= IIb = 7; 9-7 Grad im Jahresmittel= 1 frisch= 65= 60
BodenklasseWertzahlen

Der Spitzenbetrieb der Bodenschätzung

Der Spitzenbetrieb der Bodenschätzung mit dem Reichshundertsatz 100 lag bei seiner Auswahl im Landesfinanzamtsbereich Magdeburg. Damals gehörte die Gemeinde Eickendorf zum Kreis Calbe/Saale, heute zum Kreis Schönebeck.

Eickendorf liegt ca. 7 km südwestlich von Schönebeck. Die Auswahl des Spitzenbetriebes Haberhauffe/Jäger (Eigentümerin war die Witwe Else Haberhauffe, bewirtschaftet wurde der Betrieb von der Familie Willy Jäger) in Eickendorf erfolgte bereits Ende der zwanziger Jahre, da er im fruchtbarsten Bodengebiet Deutschlands, der Magdeburger Börde, lag, und hier die besten (ertragreichsten) Böden, die Schwarzerden aus Löß, verbreitet sind. Außerdem war der Hof Haberhauffe/Jäger damals eine Musterwirtschaft und gilt heute noch als der von der Bodenschätzung bestbewertete Bauernhof Deutschlands.

Der landwirtschaftliche Betrieb umfasste eine Gesamtfläche von 22,88 ha; 22,6 ha wurden in 4 Flächeneinheiten als Acker genutzt, die in einem Radius von 1 km um das Gehöft lagen. Diese günstige innere Verkehrslage war auch für die Auswahl des Betriebes als Spitzenbetrieb der Bodenschätzung mit ausschlaggebend. Hinzu kamen befestigte Landstraßen und der Bahnanschluss an der Strecke Magdeburg – Sangerhausen – Erfurt als Merkmale einer guten äußeren Verkehrslage.

Tab. 3 Ergebnisse der Bodenschätzung für den Spitzenbetrieb Haberhauffe/Jäger (1935)

Parzelle Nr.Größe in ha Klassenzeichen der Reichsbodenschätzung
19,5440L1Lö97/101L1Lö100/102
260,0080L1Lö100/102 
400,0080L1Lö100/102
547/541,6504L1Lö97/101
171/231,8746L1Lö98/102
172/233,0625L1Lö98/102
238/240,0800L1Lö98/102
239/243,4740L1Lö98/100L1Lö98/102
135/242,9380L1Lö98/100L1Lö98/102
186/1020,2020Hofraum 
114/230,0386Feldscheune 
Summe22,8801 

Tab. 4 Die Reichsmusterstücke des Spitzenbetriebes

Im Spitzenbetrieb liegen 3 Reichsmusterstücke, die nachfolgend aufgeführt werden (Lage siehe Skizze des Spitzenbetriebes):

Musterstück-Nr.ParzelleGröße (a)Seehöhe (m)Jahresniederschlag (mm)Jahreswärme (°C)BodengefügeKlassenzeichen
M82547/5462804809hmiL 3 hmiL 3 kaLöL1Lö 100/104
M831122724809hmiL 3 hmiL 5-6 kaLöL1Lö 100/104
M84171/2350824809h-h miL 3 h-h miL 2 kaLöL1Lö 95/99

Angaben der Bodenschätzung von 1935

Anbauverhältnis bis 1945

  • 30% Getreide, bes. Winterweizen und Sommergerste
  • 20% Zuckerrüben
  • 12% Luzerne und Feldfutter
  • 8 % Kartoffeln, bes. Frühkartoffeln
  • 30% Gemüse, bes. Frühgemüse, wie Steckzwiebeln, frühe Möhren und Kohlrabi als Bündelware, getopfter Frühweiß- und Wirsingkohl, Pflückerbsen, grüne Bohnen, Spinat und Petersilie, sowie 2 ha Zwiebelsamen (mit eigener Trocknungsanlage)
  • Kein Grünland! Der hohe Stallmistbedarf (hoher Hackfruchtanteil) wurde durch Zukauf von Pferdemist von der Trabrennbahn Berlin gedeckt. 

Viehbesatz bis 1945

  • 4 Pferde
  • 4 Kühe
  • 6 Mastbullen
  • Schweine und Hühner nur zur Eigenversorgung

Ernteerträge bis 1945

  • 48 — 52 dt/ha Winterweizen
  • 200 dt/ha Frühkartoffeln (Ernte ab Mitte Juni)
  • 400 — 480 dt/ha Zuckerrüben

Abb. 12: Museum Bodenschätzung

Tab. 5 Geschichte des Bauernhofes Haberhauffe/Jäger — Eickendorf

19. JahrhundertNutzung des Gehöfts als Fuhrunternehmen. Besitzer war der Großonkel von E. Haberhauffe (geb. Wiegand). Er fuhr mit dem Pferdewagen bis nach Paris, um Handelsware zu holen.
1880Else Wiegand geboren; 1904 Heirat — Else Haberhauffe
1900-1904Ausbau des Gehöfts als landwirtschaftlicher Betrieb; Bewirtschaftung von 17,5 ha durch Familie Haberhauffe
1916Else Haberhauffe verwitwet; sie war Eigentümerin des Hofes bis 1938
1925Landwirt Willy Jäger (geb. 1900) heiratete die Tochter der Familie Haberhauffe, Elsbeth Haberhauffe. Die Familie Jäger bewirtschaftete nun den Hof. Der landwirtschaftliche Betrieb entwickelte sich unter der Leitung von Willy Jäger zu einer Musterwirtschaft.
1925, 1928, 1931, 1935:Der landwirtschaftliche Betrieb der Witwe E. Haberhauffe wurde im Rahmen der Einheitsbewertung bei den Hauptfeststellungen am 1. Januar in den genannten Jahren als „Reichsspitzenbetrieb” mit der höchsten Verhältniszahl 100 bewertet, nicht zuletzt wegen der hervorragenden Qualität der Böden.
1928Auswahl des Betriebes der Witwe E. Haberhauffe vom Bewertungsbeirat für Ackerland als Vergleichsbetrieb, „bei dem die neben der Bodenbeschaffenheit mitwirkenden Faktoren nicht allzu weit vom Mittel entfernt liegen” (ROTHKEGEL/HERZOG 1928).
1932Zukauf von 5 ha Ackerland
1934Schätzung der drei Musterstücke des Reichsspitzenbetriebes
1935Zupachtung von 5 ha Ackerland von einer Domäne
1935Durchführung der Bodenschätzung in Eickendorf (Verabschiedung des Bodenschätzungsgesetzes am 16. Oktober 1934)
1938Else Haberhauffe verstorben; E. Jäger (geb. Haberhauffe) wurde Eigentümerin des Gehöfts (bis 1978)
1945Als Folge der Bodenreform mussten 5 ha Pachtland abgegeben werden.
1946Staatliche Pflichtbeauflagung des Betriebes mit pflanzlichen und tierischen Produkten.
1947Willy Jäger im Internierungslager Mühlberg/Elbe gestorben
1953März: Zwangsaufgabe des landwirtschaftlichen Betriebes, da „Großbauern” (ab 20 ha) nicht „kreditwürdig” waren. Bewirtschaftung der Flächen durch den Örtlichen Landwirtschaftsbetrieb Eickendorf.
ab 1954Bewirtschaftung der Flächen durch die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Eickendorf, später Biere
1978E. Jäger (geb. Haberhauffe) gestorben, Eigentümer des Hofes wurde Willy Jäger (geb. 1931)
1990Verpachtung der landwirtschaftlichen Nutzflächen an die Landwirtschaftliche Produktivgenossenschaft Bördeland e. G., Biere
199215. Mai: Enthüllung der Erinnerungstafel „Bodenschätzung”; Beginn des Ausbaus des ehemaligen Pferdestalls als kleines Museum „Bodenschätzung”
199314. Dezember: Eröffnung des Museums „Bodenschätzung” im Gehöft Haberhauffe/Jäger
Exkursionspunkt 2 Acker Eickendorf Abgeernteter Rapsacker, Foto: Dr. C. Fiencke(2018)
Exkursionspunkt 2 Acker Eickendorf Normtschernosem aus Löss, Foto: Dr. C. Fiencke (2018)

Mitteldeutsches Trockengebiet Raum Halle

Lage der Exkursionspunkte 3,4,5 und 6

Abb. 13: Lage der Exkursionpunkte 3 bis 6 im mitteldeutschen Trockengebiet Raum Halle (Ehrhardt et al., 2017). Koordinaten von 3: UTM 32U E: 706499.47 N: 5720300.26, 4: UTM 32U E: 703845.87 N: 5719855.67, 5: E: 705229.38 N: 5713293.6, 6: UTM 33U E: 293683.08 N: 5709978.78

3. Küttener Holz: Bodenbildung aus lösshaltigem Substrat mit Tonverlagerung unter Stauwassereinfluss im Forst

  • Standort: Forstfläche Küttener Holz
  • Beprobung: 25.07.12, östlich vom Petersberg
  • Koordinaten: UTM 32U E: 706499.47 N: 5720300.26

Tabelle 6: Analyseergebnisse der Beprobung aus dem Jahr 2012:

TiefepHpHLeitf. CgesCanorgCorgNgesC/NKAKCaMgKNa
cmCaCl2H2OµS/cm% mmolc/kg
0-53,744,2290,504,25 4,250,3014,267,4525,032,302,870,68
5-453,634,1763,500,97 0,970,0812,147,9012,321,511,320,71
45-803,704,2562,000,47 0,470,059,463,7122,062,531,970,73
II80-1103,924,27442,000,18 0,180,036,0131,66135,2721,333,661,24
110-1404,664,96536,000,18 0,180,036,0101,49166,1521,792,871,51
III>1406,637,70154,201,020,840,180,029,057,52464,4316,262,150,85
TiefeBSBodenartfUmUgUfSffSgfSmSgSTonSchluffSand
cm%KA 5%
0-545,79Ut310,7027,9237,881,961,603,564,100,6815,1476,508,34
5-4533,12Ut36,3728,6341,392,951,384,333,290,5315,4876,398,15
45-8042,85Ut45,1129,1538,651,691,272,962,830,2821,0172,916,07
II80-110122,66Ls46,738,178,4812,8111,4924,3022,094,6425,6223,3851,03
110-140189,51Ls42,828,6910,0113,1412,4125,5522,704,9325,2721,5253,18
III>140840,89Ls45,319,5011,3112,3211,8824,2023,335,3520,9826,1252,88
TiefeDL KDL POx. FeOx. MnDith. FeDith. MnGlühver.
cmmg/kg%
0-5120,5013,475641,72677,0814724,21248,418,25
5-4569,505,454627,98420,009702,05972,642,35
45-8096,004,153623,40262,3513576,71459,331,90
II80-110160,003,591285,60242,2010572,16416,831,75
110-140128,507,871039,36102,0011758,71109,921,55
III>140100,500,98645,62103,1917564,83147,731,60
  • Standort: Forstfläche Küttener Holz
  • Beprobung: 26.07.17, östlich vom Petersberg
  • Koordinaten: UTM 32U E: 706499.47 N: 5720300.26
TiefepHLeitf.CgesCanorgCorgNgesC/NGlühver
cmCaCl2µS/cm% %
0-83,51123,39n.b.3,390,2513,67,2
8-543,61440,61n.b.0,610,078,72,3
54-803,62940,33n.b.0,330,056,62,0
80-1103,93540,27n.b.0,270,046,82,3
110-1404,37960,24n.b.0,240,046,01,7
140+5,78970,27n.b.0,270,039,01,7

Abb. 14a: Profil im Küttener Holz (Foto Fiencke, 2017).

Abb. 14b:  Küttener Holz Landschaft

Zum Download des Exkursionsbogens

4. Porphyr – Steinbruch am Petersberg

Der Porphyrbruch am Petersberg (Firma: Mitteldeutsche Baustoffe GmBh Petersberger Quarzporphyr) ist ein Aufschluss in subvulkanischem Rhyolith des Unterrotliegenden des Perm. Der Petersberger Porphyr ist in zwei Varianten aufgeschlossen:

  1. Hellroter Porphyr mit vielen, relativ großen Einsprenglingen von Kalifeldspat (rötlich), Quarz und Plagioklas (grünlich alteriert), der zum Unteren Halleschen Porphyrkörper gehört.
  2. Der Obere Hallesche Porphyr: Er ist ein subaerischer Vulkanit ähnlicher Zusammensetzung, jedoch mit deutlich kleineren Einsprenglingen. Im Steinbruch Petersberg sind die Auswirkungen von Alteration und Verwitterung nebeneinander beobachtbar. Auf den steinbruchnahen Flächen finden sich Syroseme, Ranker und anthropogene Böden aus Porphyrschutt über Porphyr, Braunerden aus Löss unter Trockenrasen.

Kennzeichnung des Porphyrs am Petersberg

Die Vulkanite im halleschen Vulkangebiet gliedern sich in saure und basische Anteile. Die sauren Vulkanite, die Quarzporhyre oder Rhyolithe, überwiegen an Mächtigkeit, Ausdehnung und Menge. Die basischen Vulkanite, die Porphyrite oder Andesite, sind auf den Raum zwischen Löbejün – Plötz-Ostrau und den Petersberg beschränkt. Die vulkanischen Gesteine entstanden im Verlaufe von acht Ausbruchsperioden von denen drei im Stefan und fünf im Rotliegenden (Autun) erfolgten. Die Gliederung der Vulkanite nach Ausbruchsperioden entspricht am besten den vulkanologischen Gegebenheiten. Die durch die vulkanischen Prozesse geförderten Laven entstammen wahrscheinlich einem Schmelzherd. Es entwickelten sich nacheinander folgende Gesteine:

Tabelle 7: Ausbruchsperioden, Gesteinsarten und Vorkommen der Vulkanite des halleschen Vulkanit­komplexes (nach Schwab, 1974):

AlterAusbruchs-periodeNameGesteinsartVorkommen
Unterrot-liegendes8.Obere Hallesche Porphyre (Petersberger und Wettiner Porphyr)Qurzporphyre (Rhyolithe)Klausberge (11-15) Giebichenstein (5-10) Kröllwitz (40-50), Petersberg, Wettin
7.Steinmühlenporphyr, Obere PorphyriteQuarzporphyr Porphyrit (Latit)Steinmühle (57), Krosigk-Kaltenmark
6.Untere Hallesche Porphyre (Landsberger und Löbejüner Porphyr)Quarzporphyre (Rhyolithe)Galgenberg (36-41) Weineck-Ufer (1) Hohenthurm, Landsberg Brachwitz (63, 64),Löbejün
5.Mittlere PorphyritePorphyrite (Andesite)Bohrungen bei Plötz
4.Schwerzer PorphyreQurzporphyre (Rhyolithe)Steinbruch Schwerz
Stefan3.Schlettauer PorphyrQurzporphyr (Rhyolith)Steinbruch Schlettau
2.Untere PorphyritePorphyrite AndesiteBohrungen bei Plötz und Ostrau
1.Wieskauer PorphyrPorphyr (Quarzlatit)Steinbruch Wieskau

Die Laven erreichten auf mächtigen Spalten die Erdoberfläche (Obere Hallesche Porphyre) oder sie erstarrten noch kurz vor dem Durchbruch zur Oberfläche in der Tiefe (Untere Hallesche Porphyre). Man bezeichnet deshalb die Unteren Halleschen Porphyre auch als subvulkanische Gesteine. Der Unterschied in der Genese der beiden Porphyre drückt sich vor allem auch in der verschiedenen Ausbildung der Gesteine aus. So führte die allmähliche Erstarrung der subvulkanischen Landsberger und Löbejüner Porphyre zur Ausbildung großkristalliner Porphyre. Im Stadtgebiet sind sie am Galgenberg und am Heinrich-Heine-Felsen beobachtbar. Die raschere Erkaltung der an der Erdoberfläche kristallisierten Lava der Oberen Halleschen Porphyre, zu denen die Porphyre des Petersberges, von Niemberg und Quetz, Wettin sowie die Porphyrfelsen von Giebichenstein, Klausberge, Reilsberg, Kröllwitz und Lettin gehören, gestattete lediglich die Ausbildung kleinkristalliner Gesteine. Der petrographische Aufbau porphyrischer Gesteine wird durch das Auftreten von Einsprenglingen und einer Grundmasse gekennzeichnet. Unter Einsprenglingen versteht man Einzelkristalle, die in der oft mit bloßem Auge dicht erscheinenden Grundmasse liegen. Die oben geschilderten Unterschiede der beiden Halleschen Porphyre drücken sich am besten in dem Verhältnis von Einsprenglingen und Grundmasse aus. So ist in den subvulkanischen und großkristallinen Unteren Halleschen Porphyren die Grundmasse körnig ausgebildet, d.h. man erkennt bereits mit der Lupe, dass auch die Grundmasse aus kleinen Kristallen besteht. Es handelt sich bei den Einsprenglingen vor allem um Quarz und Feldspat. Da die Grundmasse sehr dem Aufbau granitischer Gesteine gleicht, spricht man von einer mikrogranitischen Grundmasse. Im Gegensatz hierzu erscheint die Grundmasse der kleinen kristallinen Oberen Halleschen Porphyre dicht, auch bei einer Betrachtung mit einer Lupe. Man muss schon das Mikroskop zu Hilfe nehmen, will man den Aufbau dieser sogenannten granophyrischen Grundmasse erkennen. Auch in diesen Porphyren sind die Grundmasse und die Einsprenglinge vorwiegend aus Feldspat und Quarz zusammen­gesetzt. Nachstehend wird die Zusammensetzung einiger wichtiger Porphyrtypen aus dem halle­schen Stadtgebiet mitgeteilt.

Unterer Hallescher Porphyr

Vorkommen und Aufschlüsse: Steinbrüche und Felsen am Galgenberg, Heinrich-Heine-Park, Kulturpark Peißnitz, Saaletal zwischen Lettin und Brachwitz.

Verbreitung: Die Unteren Halleschen Porphyre nehmen große Areale zwischen Brachwitz, Gimritz und Löbejün (= Löbejüner Porphyr) sowie Halle, Hohenthurm und Landsberg (= Landsberger Porphyr) ein.

Mächtigkeiten: Bei Sennewitz mit 870 m und bei Gimritz mit 600 m nicht durchbohrt.

Gesteinsbeschreibung: Nach der Färbung der feinkörnigen mikrogranitischen Grundmasse kann man rötlichbraune und grauviolette Gesteine unterscheiden. Die Einsprenglinge bestehen aus bis 3 cm langen fleischfarbenen Orthoklasen (Kalifeldspat) und bis 5 mm langen grünlichweißen Plagioklasen (Kalk-Natron-Feldspat) sowie rundlichen, grauglän­zenden Quarzen mit Durchmessern bis zu 4 mm. Glimmerschüppchen (Biotit) sind selten. Grundmasse (66 %) und Einsprenglinge (34 %) verhalten sich wie bei allen Halleschen Porphyren ungefähr wie 2:1. Der Einsprenglingsanteil verteilt sich zu etwa 27% Quarz, 40 % Orthoklas, 27 % Plagioklas und 6 % Biotit.

Entstehung: subvulkanischer Stock. An den steilen Flanken sind schwache Kontakter­scheinungen zu beobachten, z.B. in Reichhardts Garten.

Besondere Minerale: Fluorit, Kalzit, Chlorit, Eisenglanz, Albit u.a. Werksteine, polierte Platten für Innenverkleidung. Früher häufig zu Pflastersteinen verarbeitet. Gegenwärtig ist der Abbau auf die Umgebung von Löbejün konzentriert.

Oberer Hallescher Porphyr

Vorkommen und Aufschlüsse: Steinbrüche und Felsen im Saaletal zwischen Giebichenstein (5 – 7), Amtsgarten (8 – 10) und Amselgrund (48 – 50), sowie zwischen den Trothaer Felsen (12 – 15) und den Kröllwitzer Höhen (44 – 47), Lettin und Brachwitz (58 – 60).

Verbreitung: Die Oberen Halleschen Porphyre besitzen ihre Hauptverbreitung zwischen Halle, dem Petersberg, Oppinz, Niemberg und Brachstedt (Petersberger Porphyr); in der Umgebung von Wettin (Wettinger Porphyr) und bei Quetz (Quetzer Porphyr).

Mächtigkeiten: Bei Halle ist der Petersberger Porphyr nur sehr gering mächtig (10 – 50 m). Nach Norden nimmt die Mächtigkeit schnell zu: Sennewitz 65 m, Brachwitz 70 m, Teicha 570 m, Petersberg 300 m, Brachstedt 400 – 500 m.

Petrographische Charakterisierung des Petersberger Porphyrs

Die Farbe der dichten granophyrischen Grundmasse ist violett bis rötlich graubraun. Die Einsprenglinge bestehen aus blassrötlichem bis fleischrotem Kalifeldspat (3 – 5 mm lang), trübweißem Plagioklasen sowie dunkelbraun bis schwarz erscheinenden, fettglänzenden Quarzen (2 mm Durchmesser), Einschlüsse von Sandsteinen und Schiefertonlinsen sind nicht selten. Häufig kann man erbsen- bis eigroße Hohlräume beobachten, die mit Mineralien gefüllt waren, die heute herausgewittert sind. Diese ehemaligen Gasblasen stehen mit der vulkanischen Natur der Porphyre in Zusammenhang. Die Einsprenglinge Verteilen sich zu rund 40 % Quarz, 30 % Orthoklas, 24 % Plagioklas und 6 % Biotit. Das Verhältnis Einsprenglinge zu Grundmasse ist 1:2.

Abb. 14c: Petersberg-Landschaft

anker

5. Halle-Trotha: Bodenbildung aus anthropogenem Substrat in ehemaliger Tongrube

Abb. 15: Lage und Satellitenbild des Exkursionspunktes 5: Halle-Trotha sowie Angabe über die Mächtigkeit der Ascheaufspülungen aus Jahn et al. (2017).

Sachsen-Anhalt und speziell die Regionen Halle/Saale und Bitterfeld zählen zu den älteren industriellen Regionen Deutschlands. Über mehr als ein Jahrhundert war die Region sehr stark durch den Braunkohletagebau und die chemische Industrie beeinflusst. Etwa 52 Mio. Tonnen Kraftwerksasche wurden während der letzten 100 Jahre in der Region Bitterfeld produziert (Neumeister et al., 1991). Allein 1989 fielen in der Tagebauregion Halle-Leipzig 4,9 Mio. Tonnen Kessel- und Flugasche an. Hierdurch sind in Sachsen-Anhalt heute ca. 6.000 ha von Asche-Depositionen bedeckt. Wesentlich größere Areale sind durch Flugasche beeinflusst. Insbesondere während der letzten Jahre der DDR verschlechterte sich die Qualität der verbrannten Braunkohle (Aschegehalte bis zu 30 – 40 %) und der Anfall an Asche stieg an. Die Braunkohleasche wurde weitgehend in Restlöchern der Tagebaue deponiert, entweder trocken durch Verkippung oder durch Verspülung. Ab 1990 gingen die Braunkohlenverbrennungen und der Ascheanfall stark zurück, so dass die meisten Deponien nicht mehr in Betrieb sind. Sowie die Deponien nicht abgedeckt sind, unterliegen sie nun der Verwitterung und Bodenbildung.

Bei diesem Standort handelt es sich um eine ehemalige Tongrube (Kaolingrube), welche in den Jahren 1976 bis 1982 mit Kessel- und Flugasche aus dem benachbarten Heizwerk Trotha durch Aufspülung verfüllt wurde. Das Kraftwerk war bis 1993 in Betrieb. 1990 wurden neue Filtertechniken eingesetzt und Braunkohle höherer Qualität verwendet, was die Staubemissionen von 2.000 t ha-1 (1989) auf 1.000 t ha-1 (1990) und die SO2-Emission von 17.000 t auf 13.500 senkte (Jahn et al., 2017). Die Wasser/Asche-Suspension wurde über eine Pipeline vom Kraftwerk zur Deponie gepumpt. Nach der Deposition wurde das freiwerdende Wasser zur Wiederverwendung im Spülvorgang zurückgepumpt. Die ehemalige Kaolingrube wurde durch einen Damm erhöht, so dass eine Deposition bis auf 92 m ü. NN und bis zu 15 m Mächtigkeit möglich wurde. Das Volumen der verspülten Asche beträgt ca. 1,6 Mio. m3 und die Fläche 7 ha. Nach einer Periode der Drainage und Setzung wurde die Oberfläche mit einer Latex – Bitumen – Mixtur stabilisiert und eine Grasmischung (Rotschwingel, Rauer Schwingel) sollte eine Umweltbelastung durch mögliche Ascheverwehung verhindern.

Profilbeschreibung aus Jahn et al., 2017 (Profilaufnahme 20.10.1999)
yeAh0-20 cmsehr stark kohlehaltiger Us, schwarz (N 2/0), Koharentgefüge, stark carbonathaltig, extrem stark durchwurzelt, thixotrop, Sandbänder (wenige Millimeter mächtig, schwarz (10 YR 1.7/1), Einzelkorngefüge, carbonatfrei)
yelCv120-71 cmstark kohlehaltiger Uu, schwarz und dunkelgrau (N 2/0, N 3/0), Polyeder bis Rissgefüge, carbonatreich, stark durchwurzelt, in Rissen extrem stark durchwurzelt, viele feine Bänder (unterschiedlich carbonathaltig), thixotrop, weiße Schicht an Grenze zum liegenden (2 mm mächtig), Risse z.T. mit Material aus dem obersten Horizont verfüllt
yelCv271-120 cmsehr stark kohlehaltiger Us, dunkelgrau und grau (N 3/0, N 4/0), Koharent- bis Prismengefüge, schwach carbonathaltig, keine Wurzeln, Sandband mit höherem Carbonatgehalt
Bemerkung: Das Profil besteht aus zahlreichen Lagen bis 100 cm Tiefe. Zwölf Lagen wurden beprobt und analysiert. Zur Vereinfachung werden die Daten im Folgenden für vier Tiefenabschnitte unter Berücksichtigung der Mächtigkeit und Lagerungsdichte aggregiert.
  • Standort: Deponiefläche, Sukzession Halle Trotha
  • Beprobung: 20.10.99, nördlich Halle
  • Koordinaten: UTM 32U E: 705229.38 N: 5713293.6

Tabelle 8: Analysedaten Profil Halle-Trotha aus Jahn et al., 2017 von der Probenahme 20.10.1999:

TiefeHorizontBod. artKorngrößenverteilung, Gips-frei
gSmSfSgUmUfUTUSOMCaCO3Gips
cm%
0-10yeAh1Su293829127422376643,20,2
10-20yeAh2Uu0,421136301468013271319,2
20-71yelCv1Uu336243619880121714,721,3
71-100yelCv2Us371433271157025263,515,7
TiefeDichtePorungKohlestoff-Verbindungen
LdPdLKnWKTWCtCanorgCorgNtC/N
cmg cm-3Vol.-%g kg-1
0-100,421,9119,148,115,93286,13223,9282
10-200,42,5626,542,218,215315,61371,9670
20-710,382,3223,142,31910117,4841,0481
71-1000,392,21n.d.n.d.n.d.1493,41461,37107
TiefeOxide
FedFeoAloSioMnoFeo/dSio/AloAlo+½Fe0P-Sorb.
cmg kg-1%
0-1013,410,523,817,30,340,780,722991
10-2013,79,433,327,30,650,690,823898
20-7112,3834,828,90,490,650,833999
71-10011,36,930,525,70,270,610,843598
TiefepHCECpotBSECNminDoppellaktat
CaCl2    KP
cm mmolc kg-1%mS cm-1mg kg-1mg kg-1
0-106,86841000,821,28,4277
10-207,66571001,767,4112
20-71841710029,77,4180
71-10083601002,26,225,2235
TiefeSchwermetall-Gehalte (Königswasser)
PbCuZnCrNiCdV
cmmg kg-1
0-1013,172,456,466,433,45192
10-20n.d.n.d.n.d.n.d.n.d.n.d.n.d.
20-714366,1104,969,1322,2227
71-10011,772,342,7707,75,1186
  • Standort: Deponiefläche, Sukzession Halle Trotha
  • Beprobung: 26.07.17, nördlich Halle
  • Koordinaten: UTM 32U E: 705229.38 N: 5713293.6
TiefepHLeitf.CgesCanorgCorgNgesC/NGlühver
cmCaCl2µS/cm% %
0-106,320621,67n.b.n.b.0,4647,135,5
10-306,7164714,44n.b.n.b.0,2655,524,2
30-617,3196414,90n.b.n.b.0,2657,326,0
61-987,3195712,84n.b.n.b.0,1967,621,2
98-1087,2154416,77n.b.n.b.0,2469,925,0
108-1257,2145018,13n.b.n.b.0,2475,526,0
125-1407,3138010,84n.b.n.b.0,1572,319,1
140+7,3138114,93n.b.n.b.0,1978,621,6

Abb. 16a: Profil am Exkursionspunkt 5 Halle-Trotha (Foto Fiencke, 2017)

Abb. 16b: Halle Trotha Landschaft 

anker

6. Zöberitz Bodenbildung aus Sandlöss über saalezeitlichen Schmelzwassersanden

Der Exkursionspunkt 6 liegt bei Zöberitz auf einem ehemaligen Acker. Der Standort wird seit 1976 von der Universität Halle-Wittenberg als Versuchsfläche u.a. zur Erforschung der Sukzession von Pflanzengesellschaften genutzt (Trefflich & Klotz, 1990) und wird aktuell vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschungszentrum Halle (UFZ) betreut.

  • Standort: Sukzessionsfläche Zöberitz
  • Beprobung: 15.07.15, nordwestlich von Halle
  • Koordinaten: UTM 33U E: 293683.08 N: 5709978.78

Tabelle 9: Analyseergebnisse der Beprobung am Profil Zöberitz aus dem Jahr 2015. Koordinaten: UTM 33U E: 293683.08 N: 5709978.78.:

TiefepHLeitf.CgesCanorgCorgNgesC/NKAKCaMgKNa
cmCaCl2µS/cm% mmolc/kg
0-105,171021,990,091,900,1910,097,58107,889,153,100,09
10-305,63601,220,091,130,129,495,63110,186,681,950,14
40-556,47560,660,040,620,16,2115,72140,649,152,050,35
55-757,241340,320,050,270,064,590,56148,568,631,570,26
II75-907,731001,311,120,190,044,7518,12382,366,350,520,16
III90-1207,8550,480,400,080,024,06,17288,084,810,510,19
120 +7,86480,470,490,020,021,05,28271,963,000,070,09
TiefeBSBodenartfUmUgUfSffSgfSmSgSTonSchluffSand
cm%KA 5%
0-10123Slu4,8817,5726,239,028,8417,8515,862,8914,7248,6836,60
10-30124Slu5,1717,9725,469,744,8914,6217,552,2816,9448,6134,45
40-55132Lu5,4519,4026,755,665,4911,1512,391,4823,3751,6125,03
55-75176Uls9,9419,1828,425,994,6910,6817,361,2613,1657,5429,30
II75-902149Su24,263,7914,063,498,8212,3156,194,564,8322,1173,06
III90-1204758Ss2,720,860,003,7910,8914,6784,022,620,000,31101,31
120 +5207Ss3,800,001,584,0314,1618,1975,126,090,003,4699,39
TiefeDL KDL P
cmmg/kg
0-107238,29
10-304036,29
40-55283,11
55-75306,37
II75-901,57,64
III90-120412,90
120 +<158,00
Exkursionspunkt 6 Zöberitz Braunerde Tschernosem, Foto: Dr. C. Fiencke

 Abb. 17:  Zöberitz Landschaft Sukzessionsfläche

Mittelsächsisches Lösshügelland Raum Meißen

Lage des Exkursionspunktes 7

Abb. 18: Lage von Exkursionspunkt 7 Kaolingrube bei Seilitz westlich von Raum Meißen (Ehrhardt et al., 2017). UTM Koordinaten 33U E: 388271.14 N: 5671671.55

 7. Kaolingrube bei Seilitz: Boden­bildung aus Lösslehm mit Tonverlagerung und Lösskindl

Die Böden liegen im Randbereich des aktiven Kaolin-Tagebaus der Sibelco Deutschland GmbH, westlich von Meißen. Durch subtropische Verwitterung wurde während des Tertiär der anstehende Rhyolith des Unter­perms tiefgründig chemisch verwittert und saprolitisiert (kaolinisiert).

Kaolin ist ein rein weißes Gemisch aus Kaolinit und natürliche Beimengungen von Quarz, Muskovit und/oder Magnetit, es kann aber durch Fe-Oxide gelblich bis rotbraun verfärbt sein. Es hat viel Namen wie Porzellanton, Porzellanerde oder weiße Tonerde, sowie lokale Namen z.B. „Seilitzer Erde“. Im englischen Sprachraum wird Kaolin als China Clay bezeichnet.

Abb. 19: Schematischer Aufbau von Kaolinit (Pfeiffer).

Der Hauptbestandteil von Kaolin ist das Tonmineral Kaolinit. Kaolinit ist ein 1:1 Tonmineral (Zweischicht – Tonmineral, Abb. 14). Es hat nur eine Tetraederschicht und eine Oktaederschicht ohne Zwischenschichtung. Seine chemische Zusammensetzung entspricht einem Aluminiumsilikathydrat der Formel: Al2Si2O5(OH)4. Das Mineral wird durch hydrothermale Verwitterung von Alkalifeldspäten und feldspatreichen Ausgangsgesteinen (z.B. Granite und Rhyolithe) gebildet. Zwischen den Schichten kann kein Wasser eindringen und es ist nicht quellfähig. Diese Eigenschaft sorgt dafür, dass man Kaolin so gut für die Porzellanherstellung nutzen kann. Wobei ein möglichst hoher und reiner Kaolinit – Anteil nicht das einzige Kriterium ist; auch ein hoher Weißheitsgrad muss vorliegen, also sollten möglichst wenige bis keine Fe-Oxide beigemengt sein. Einer der bekanntesten Hersteller für Porzellan ist die Fa. „Meißener Porzellan“. Kaolin wird aber auch in der Papierherstellung (Füllstoff und Aufheller) und in der Kosmetik (Puder) verwendet, sowie in der Farben- und Kunststoffindustrie.

In Deutschland findet man Lagerstätten nahe Dresden, Kemmlitz, Zettlitz in Sachsen und Hirschau in der Oberpfalz. Die bedeutendste Lagerstätte für Meißener Porzellan­herstellung wurde nur wenige Kilometer von Meißen in Seilitz im Jahren 1764 durch Zufall von einem Bauern beim Pflügen entdeckt. Die Kaolin – Schicht in Seilitz ist zuweilen 25 m mächtig und der Weisheitsgrad ist bis heute allen anderen Fundorten überlegen. Selbst heute noch wird der Seilitzer – Tagebau betrieben mit Fördermengen von ca. 200 Tonnen Rohkaolin pro Jahr. Die Arbeit wird von zwei Bergleuten ausgeführt. Seilitz gehört zu den ältesten, noch im Betrieb befindlichen, aber auch kleinsten Kaolin – Abbaugruben Europas.

  • Standort: Rand der Kaolin-Abbaufläche der Fa. Sibelco Deutschland GmbH, Seilitz
  • Beprobung: 26.07.2012
  • Koordinaten: 33U E: 388271.14 N: 5671671.55

Tabelle 9: Analyseergebnisse der Beprobung an der Kaolingrube bei Seilitz aus dem Jahr 2012:

TiefepHpHLeitf. CgesCanorgNgesKAKCaMgKNa
cmCaCl2H2OµS/cm%mmolc/kg
0-56,517,17134,901,270,020,14111,90158,6217,883,861,03
5-376,467,06109,000,980,020,11105,32146,0514,784,790,89
37-545,645,9490,000,73 0,0982,1396,8913,732,601,04
54-746,166,5160,000,59 0,08123,35155,0725,353,691,27
74-1126,336,74146,000,360,010,05104,52128,2624,823,011,24
II>1127,578,01151,001,441,260,0245,71451,8020,381,820,96
TiefeBSBodenartfUmUgUfSffSgfSmSgSTonSchluffSand
cm%KA 5%
0-5162,10Ut45,6521,7350,121,620,301,920,880,5119,1677,503,31
5-37158,10Ut44,9223,8950,000,550,340,890,820,3819,0778,812,09
37-54139,11Ut46,9819,4152,401,470,211,680,620,2818,6378,792,58
54-74150,29Ut47,3819,4446,161,100,171,270,270,1725,3272,981,71
74-112150,52Ut42,6823,2851,801,630,201,830,370,0319,9777,762,23
II>1121039,0Ut45,0324,2954,022,260,172,430,030,0714,1783,342,53
TiefeDL KDL POx. FeOx. MnDith. FeDith. MnGlühver.
cmmg/kg%
0-5167,5025,023716,76567,7514947,47645,973,30
5-37145,5028,943804,75584,4614640,26610,472,65
37-54118,508,813185,02587,9913505,27603,862,20
54-74157,5013,473858,74535,5719179,58594,832,25
74-112137,0012,723589,38566,2816801,61626,521,80
II>11284,001,163265,89287,6711540,04346,361,30
  • Standort: Rand der Kaolin-Abbaufläche der Fa. Sibelco Deutschland GmbH, Seilitz
  • Beprobung: 27.07.2017
  • Koordinaten: 33U E: 388271.14 N: 5671671.55
TiefepHLeitf. CgesCanorgCorgNgesC/NKAKCaMgKNa
cmCaCl2µS/ cm % mmolc/kg
0-206,31922,190,082,110,2010,6146,41177,1029,724,540,30
20-456,21080,890,010,880,118,090,9695,9217,721,850,35
45-805,8740,490,000,490,077,097,0693,7521,132,090,46
80-1306,26260,440,020,420,067,085,29134,3633,901,760,90
II130-1706,44981,281,220,060,032,045,53405,9929,261,300,70
TiefeBSDL KDL POx. FeOx. MnDith. FeDith. MnGlühverlust
cm%mg/kg%
0-20144,5794,557,571345,58327,477393,95367,305,76
20-45126,8532,514,401243,64340,937023,46372,742,92
45-80120,9832,5< 101204,22287,678534,38340,462,46
80-130200,3931,512,881206,02285,577102,24263,901,94
II130-170960,3218,5< 1011176,35197,915168,05194,881,26
Abb. 20a: Exkursionspunkt 7 Seilitz Flach pseudovergleyte Normparabraunerde aus Lösslehm (Foto Fiencke, 2018)
Abb. 20b: Exkursionspunkt 7 Seilitz Landschaft Kaolinabbau (Foto: Fiencke, 2018)