Muskauer Faltenbogen – Übersicht

Lage des Muskauer Faltenbogens

Die beiden Exkursionspunkte 8 Felixsee und 9 Tagebau Nochten im Gebiet Muskauer Faltenbogen liegen in den Bundesländern Brandenburg (Landkreis Spree/Neiße) und Sachsen (Landkreis Görlitz) im östlichen Norddeutschen Tiefland (Abb.16). Der Muskauer Faltenbogen erstreckt sich beiderseits der einen Abschnitt der deutsch-polnischen Grenze bildenden Lausitzer Neiße in Form eines Hufeisens von Döbern (Brandenburg) im Nordwesten über Weißwasser/Oberlausitz und Bad Muskau (beide in Sachsen) im Süden bis zum polnischen Trzebiel im Nordosten. Seine höchste Erhebung ist der westlich von Döbern befindliche Hohe Berg (184 m ü. HN) (Abb. 17). Seinen Namen hat der Faltenbogen durch seine Entstehung im Pleistozän, durch Gletscher wurden Sand- und Braunkohleschichten auf mehr als 40 km Länge zu einem kleinräumigen Faltenbogen, der rezent als flachwelliger Hügelzug erhalten und weltweit nahezu einmalig ist.

Lage der Exkursionsgebiete im Muskauer Falkenbogen

Abb. 21: Lage der Exkursionsgebiete im Muskauer Falkenbogen (EHRHARDT ET AL., 2017)

Abb. 22: Lage der Endmoränenlandschaft Muskauer Faltenbogen in Sachsen, Brandenburg und in Polen mit eingezeichnetem Exkursionsgebiet im Raum Felixsee (Geopark Muskauer Faltenbogen, 2016).

Naturräumliche Gliederung des Exkursionsgebietes

Der Muskauer Faltenbogen zählt zur Großregion „norddeutsches Tiefland“ und der naturräumlichen Haupteinheit Ostdeutsche Platten- und Heideland (Meynen & Schmithüsen, 1953–1962). Das Gebiet schließt sich direkt östlich an das Gebiet der Lössbörden an. Der Exkursionspunkt 8 Felixsee liegt im Naturraum Lausitzer Heideland welcher zur Niederlausitz gehört und der Exkursionspunkt 9 Tagebau Nochten im Oberlausitzer Heide- und Teichland und der Muskauer Heide.

Klima im Muskauer Faltenbogen

Das Klima in dem nahegelegenen Cottbus ist warm und gemäßigt. Die mittleren jährlichen Niederschlagssummen lagen in Cottbus in den Jahren von 1887 bis 2017 durchschnittlich bei 566 mm (DWD, 2017) und Cottbus gehört daher zum niederschlagsbenachteiligten Gebiet Deutschlands (Leibnitz-Institut für Länderkunde, 2003). Die Jahresmitteltemperatur lag in Cottbus in diesen Jahren bei 9,6 °C (DWD, 2017) und gilt als subkontinental (Leibnitz-Institut für Länderkunde, 2003).

Vegetation und Nutzung im Muskauer Faltenbogen

(Text stark gekürzt aus Hofmann & Pommer, 2005).

Die potentielle natürliche Vegetation in Brandenburg wären unterschiedliche Waldvegetationstypen.

Im Exkursionsgebiet Muskauer Faltenbogen mit geringen Niederschlagsmengen verliert die Rotbuche ihre waldgestaltende Kraft und Hainbuche, Winter-Linde, Stiel- und Trauben-Eiche beigemischt mit Wildobstbäumen sowie Wald-Kiefer bestimmen das Wald-Bildungspotential. Diese Wälder fallen in die Kartierungseinheit Kiefer-Traubeneichenwälder und Kieferwälder (Hofmann & Pommer, 2005, Abb. 23).

Abb. 23: Potentielle natürliche Vegetation auf der heutigen Waldfläche Brandenburgs (HOFMANN & POMMER, 2005).

Die Bewaldung Brandenburgs nach der Eiszeit begann vor ca. 14.000 Jahren. Seit dieser Zeit ist die Wald-Kiefer (Pinus sylvestris) Bestandteil und anfangs auch Bestandsbildner der natürlichen Vegetation und die heutigen als natürlich anzusehenden Laubbaumarten waren erst sehr viel später waldbildend. Ein bedeutender Wandel im Vegetationsbild der Nacheiszeit geschah vor ca. 1.600 Jahren. Durch eine höhere Feuchtigkeit breiteten sich Rotbuchen (Fagus sylvatica) im Norden und Westen und die Hainbuche (Carpinus betulus) im Mittel- und Ostteil in die damaligen Kiefer-Eichenwälder Brandenburgs aus. In der Lausitz trat ebenso die Fichte (Picea abies) auf. Im Mittelalter kam es zu großen Waldrodungen und stärkerer Besiedlung sowie der Umgestaltung des natürlichen Wasserhaushaltes z.B. Mühlenanstau und Entwässerung hydromorpher Naturräume. Vor 200 Jahren begann die forstliche Bewirtschaftung der noch vorhandenen Wälder und die durch Laubbäume zurückgedrängte Kiefer wurde in den Wäldern wieder vorherrschend und macht heute ca. 80 % der brandenburgischen Waldfläche aus.

Die Standortsbedingungen haben in dem Exkursionsgebiet starke anthropogene Veränderungen erfahren. Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurde das Gebiet durch Fremdeinträge wie basische Flugaschen und Schwefelverbindungen über die Luft beeinflusst. Vegetationskundliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Fremdeinträge in den Kiefernwäldern gravierende Veränderungen im Vegetationsbild und meist anspruchsvollere, mit Stickstoffzeigern angereicherte Vegetationsuntereinheiten erzeugten und haben so potentiale für Kiefer-Eichenwälder statt den reinen Kieferwäldern geschaffen.

Im Süden Brandenburgs wurden die Landschaften durch Bergbau stark beeinflusst. Auf den jungen Kippsubstraten herrschen humus- und nährstoffarme Rohböden vor. Initiale Stadien der Vegetation auf den Rohböden reichen über die Ausbildung von Silbergras (Corynephorus canescens), Echtem Schafschwingel (Festuca ovina) bis zur Sandrohr (Calamagrostis epigejos). Als initialen Gehölze treten Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Sand-Birke (Betula pendula), Aspe (Populus tremula), Robinie (Robinia pseudacacia), Stiel-Eiche (Quercus robur) und Ginster-Arten (Genista spec., Cytisus scorparius) auf.

Der Landkreis Spree-Neiße (Brandenburg) des Exkursionspunktes 8 Felixsee hatte 2015 einen hohen Waldanteil von 45,2 % gefolgt von landwirtschaftlich genutzten Flächen von 35,2 % und 9,7 % Verkehrs und Siedlungsfläche. Im Landkreis Görlitz (Sachsen) des Exkursionspunktes 9 Tagebau Nochten überwiegte dagegen 2015 der Anteil der landwirtschaftlich genutzten Flächen von 44,9 % gegenüber Wald (35,8 %) und hatte 12,1 % Siedlungs- und Verkehrsfläche (Statistische Ämter des Bundes und Länder, 2017).

Kultur- und Industriegeschichte Muskauer Faltenbogen

(Text aus Geopark Muskauer Faltenbogen. 2017)

Nach geologisch bedingter jahrhundertelanger Gewinnung von Ton zur Ziegelgewinnung und Sand für die Glasindustrie wurde im 19. und 20. Jahrhundert im Gebiet des Muskauer Faltenbogens Braunkohle abgebaut. So war z.B. die Stadt Weißwasser vor 100 Jahren in der ganzen Welt als Glasmacherstadt bekannt. Der Braunkohlegewinnung kam jedoch eine besondere Bedeutung zu. Seit 1843 begann die Geschichte des Braunkohleabbaus in diesem Gebiet. Grund war der steigende Brennstoffbedarf der Tuchfabriken, Glaswerke und Ziegeleien in der Region. Der Abbau erfolgte im Tief- und Tagebau. Während der 130-jährigen Geschichte gab es im Bereich des Muskauer Faltenbogens über sechzig Gruben und Abbaufelder. Ende der 1950er Jahre wurde aus ökonomischen Gründen der Tiefbau und Ender der 1960er Jahre auch der Braunkohletagebau der Region Döbern. In der Döberner Region gab es in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts vier Brikettfarbiken und drei Kraftwerke. Bedingt durch die Lage der abgebauten Flöze haben sich nach Endes des Bergbaus in den Restlöchern nördlich und östlich von Weißwasser auffallend langegestreckte Seen wie z.B. der Felixsee gebildet (Abb. 18). Die Grube am Felixsee (nahe Exkursionspunkt 8: Felixsee) war von 18511930 in Betrieb.

Geologie Muskauer Faltenbogen

Der Faltenbogen bei Bad Muskau ist eine hufeisenförmige Hügelkette, bestehend aus Sand- und Kiesschichten (Abb. 19). Die Entstehung des Muskauer Faltenbogens wird stratigraphisch unterschiedlich erklärt, als: 1. Stauchendmoräne der Elsterzeit, 2. Saalezeitlich glazigen deformiertes Strukturelement der Elsterzeit oder 3. Östliche Fortsetzung des Saalezeitlichen Lausitzer Grenzwalls. Der Muskauer Faltenbogen entstand wahrscheinlich im Ergebnis mehrere Eisvorstöße und in einem polygenetischen Bildungsprozess (Kupetz & Kupetz, 2009; Franke, 2017). Nach der ersten Entstehungstheorie erreichte während des zweiten Vorstoßes der Elster-Eiszeit vor etwa 450.000 Jahren erreichte eine im Verhältnis zur Inlandeismasse der Elster-Eiszeit kleine Eiszunge, etwa 20 km breit, 20 km lang und 500 m mächtig, das Gebiet des heutigen Faltenbogens. Sie stieß dabei schneller als der Rest nach Süden vor. Nach der 1. Entstehungstheorie ist der Muskauer Faltenbogen die am besten untersuchte Stauchendmoräne im nördlichen Mitteleuropa und gilt in der geologischen Fachliteratur als eines der weltweit wesentlichen Beispiele glazialtektonischer Großdeformation.

Ihr Druck verformte und stauchte den Untergrund und presste die verschiedenen tertiären Schichten, u.a. Tone, Sande und Braunkohle, in Form von Falten und Schuppen aus der Erdtiefe an die Oberfläche (Abb.19). Durch die stauchende Wirkung des Muskauer Gletschers wurden die Schichten des Untergrundes gefaltet und verschuppt. Die Braunkohle begann an der Erdoberfläche unter dem Einfluss von Luftsauerstoff und Bodenfeuchtigkeit unter Volumenverlust zu verwittern. Durch diesen Prozess bildet die Erdoberfläche über der verwitternden Braunkohle parallel verlaufenden Senken von 3 m bis 5 m, maximal 20 m Tiefe, 10 m bis 30 m Breite und bis zu mehreren Kilometern Länge, sogenannte Gieser, auf langen Strecken abflusslose Gräben, die entweder mit stehendem Wasser gefüllt oder häufig auch vertorft sind. Auf deutscher Seite ist die gesamte Fläche seit 2003 und trägt seit 2016 den UNESCO Global Geopark Titel (Geopark Geopark Muskauer Faltenbogen. 2017).

Abb.24: Schema der glazigenen Schuppentektonik im Muskauer Faltenbogen. MFH = Miozäner Flözhorizont, PT = Prätertiär (Kupetz, 1996).

Abb. 25: Position bedeutender Eisrandlagen des Pleistozäns in Ostdeutschland (FRANKE, 2017).

Abb. 26: Geologisch-geomorphologische Übersichtskarte mit Exkursionspunkt 8 Felixsee (CEPEK ET AL., 1994).

Böden im Muskauer Faltenbogen

Den größten Flächenanteil haben im Muskauer Faltenbogen terrestrische Bodenbildungen aus pleistozänen Moränen und Schmelzwassersanden.

Weil sandige und schwach lehmige Böden in Brandenburg dominieren trägt das Land das Synonym „Märkische Streusandbüchse“. Ertragsschwache, zu Austrocknung neigende Sandböden treten großflächig dort auf, wo Schmelzwässer Sande hinterlassen haben oder ältere Moränenplatten Decksande tragen, wie in der Niederlausitz. Häufig kommen in diesen Gebieten Dünen vor, die während der Kaltzeiten oder wegen zu starker Waldrodung im Mittelalter gebildet wurden.

Leitbodentypen der periglaziären Oberflächen sind Braunerde, Bänderbraunerde, Fahlerde bzw. Parabraunerde und Pararendzina und Podsole. Bei extraperiglaziären Überformungen sind diese Böden gekappt und durch junge Decken begraben, dort treten Regsole, eisenarme Podsole und Kolluvisole auf. Bei Dünenfeldern sind es Braunerde – Podsole, eisenreiche Podsole und Regosole. Im Muskauer Faltenbogen liegen die durchschnittlichen Ackerzahlen niedrig zwischen 20 und 30 Bodenpunkten, an der Neiße etwas darüber, in den Dünengebieten auch darunter. Fast der gesamte Raum hat eine geringe oder sehr geringe natürliche Bodenfruchtbarkeit und zählt zu den ertragsärmsten in Brandenburgs und Sachsen (Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landschaftsökologischer Steckbrief 30, 31; 2013).

Die zentralen Teile des Faltenbogens am Exkursionspunkt 8 Felixsee beherbergen schwach lehmige Standorte, die entweder trockenere podsolierte oder pseudovergleyte Braunerden tragen. Diese Braunerden und ihre Übergangsformen kommen auf 30 % der Fläche vor (Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landschaftsökologischer Steckbrief 30, 31; 2013). Sie zeichnen sich durch geringe nutzbare Feldkapazitäten, hohe Sickerwasserraten und geringe bis mittlere natürliche Fruchtbarkeit aus. Auch sie sind bei landwirtschaftlicher Nutzung stark auswaschungs- und winderosionsgefährdet: Im Bereich des Felixsees dominieren Regosole und Lockersyroseme aus Kippsand sowie podsolige Braunerden und Podsol-Braunerden überwiegend aus Sand über Schmelzwassersand. Die Bodentypen am Felixsee sind nachfolgend in der Abb. 22 im Ausschnitt einer Bodenübersichtskarte dargestellt.

Die Muskauer Heide, dem Gebiet am Exkursionspunkt 9 Tagebau Nochten, ist zwischen dem Tagebau Nochten und der Neiße mit sehr armen und trockenen Sandböden ausgestattet. Die Dünen bestehen aus Mittel- und Feinsanden. Auf ihnen haben sich großflächig Podsole (49,4 %) entwickelt, denen hohe Infiltrationsraten, minimale nutzbare Feldkapazitäten und sehr geringe Fruchtbarkeiten eigen sind (Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landschaftsökologischer Steckbrief 32, Jahr??). Diese Böden sind nur für die forstliche Nutzung geeignet. Die Podso­lierungs­tendenzen wurden durch die historische Streunutzung (Verwendung der Nadelstreu für die Viehhaltung) noch beschleunigt.

Zwischen dem Dünengebiet, dem Tagebau Nochten und der Stadt Weißwasser senkt sich das Gelände bis auf Grundwasserniveau, weshalb sich verbreitet Niedermoore (4,5 %) und Gleyböden entwickelt haben. Dieses Gebiet zwischen Weißkeißel, Weißwasser und Mühlrose beherbergt wertvolle Moortypen und Nassböden, die durch die Tagebau­entwicklung gefährdet sind. Infolge des hoch anstehenden Grundwassers ist die landwirtschaftliche Nutzung auf wenige Grünlandflächen beschränkt.

Abb. 27: Übersichtskarte der Bodentypen im Exkursionsraum Felixsee (LBGR, 2016).

Tabelle 15 (Erklärungen zu Abb. 27: Übersichtskarte der Bodentypen im Exkursionsraum Felixsee (LBGR, 2016)

Braunkohleabbau im Muskauer Faltenbogen der Nieder- und Oberlausitz

Lage der Exkursionspunkte 8 und 9

Abb. 28: Lage der Exkursionspunkte 8 Felixsee und 9 Tagebau Nochten im Muskauer Faltenbogen (EHRHARDT ET AL., 2017). UTM 33U Koordinaten von 8: E: 468813.98 N: 5717737.589, 9 E: 473759.78 N: 5704080.25

8. Felixsee Bodenbildung aus Kippböden, Elsterzeitlichen Sedimenten und Braunkohle des Tertiär Neogens im Bereich der ehemaligen Kohlegrube „Felix“

Die Entstehung des Muskauer Faltenbogens erfolgt vor 450 000 Jahren in der Elstereiszeit. Dabei hat der etwa 500 m mächtige Muskauer Gletscher seinen Untergrund zu einer Stauchendmoräne geformt (Abb. 19,22). Vor dem Gletscher sind die Ton-, Sand- und Braunkohleschichten des Tertiär Miozäns in Form von Schuppen nach vorn und oben aufgepresst worden. Die Druckeinwirkung des Gletschers reichte bis knapp 300 m unter seine Sohle und hat die Gesteinsschichten deformiert. Die Deformation des Untergrundes vor einem Gletscher nennt man glazialtektonische Schuppen. Nach Einebnung der Oberfläche erschien die Braunkohle an der Erdoberfläche und begann dort zu verwittern. Die Oxidation ist mit einem Volumenverlust verbunden und es senkte sich die Oberfläche über dem Kohleflöz ein. Diese abflusslosen Senken mit feuchten Böden bezeichnet man als Gieser. Regenwasser spülte feines Bodenmaterial und organisches Material in den Gieser hinein und es bildeten sich örtlich Stauwasserschichten und es kam zur Torfbildung. Diese Torfe haben eine bestimmte Pollenzusammensetzung, die eine Vegetations- und Klimarekonstruktion ermöglichen (Abb. 23). Noch heute senken sich die Gieser ab. Der Kohleflöz unter dem Gieser ist nach Osten geneigt (Abb. 24). Der Felixsee ist der rekultivierte Tagebau der Braunkohlegrube Felix, die im Wesentlichen im Untertagebau arbeitete (Abb. 24). Die Grube Felix am Exkursionspunkt 8 Felixsee wurde von 1851 bis 1930 betrieben.

Abb. 29: Geologischer Schnitt durch den Tagebau der Grube Felix aus KUPETZ & KUPETZ (2009).
a) Natürliche Situation vor 1914. Unmittelbar unter der Erdoberfläche liegt das etwa 10 m mächtige Braunkohleflöz.

Entstehung einer Geländesenke durch Oxidation und Volumenverlust der Braunkohle. Moorbildung „Drogiske-Luch“.
b) Tagebau 1914-1919. 1910 geologische Erkundung, Grundwasserabsenkung, Abbau.
Heutiger Zustand: Nach Kohleabbau, Grundwasseranstieg und Entstehung des Felixsees

Abb. 30: Lage der Endmoräne und des Gieseraufschlusses Exkursionpunkt 8 Felixsee im Muskauer Faltenbogen (Stelltafel am Standort).

Abb. 31: Geologischer Querschnitt des Giesers am Exkursionpunkt 8 Felixsee im Muskauer Faltenbogen aus KUPETZ & KUPETZ (2009).

Abb. 32: Pollendiagramm des Torfes am Giesers des Exkursionpunktes 8 Felixsee. SB Subatlantikum, ÄSA, Älteres Subatlantikum, JSA, Jüngeres Subatlantikum von Strahl (2006) unveröffentlicht aus KUPETZ & KUPETZ (2009).

Analysedaten des Profils a am Standort Felixsee aus dem Jahr 2017:

  • Standort: Felixsee Profil a (links in der Grube)
  • Beprobung: 29.07.2017
  • Koordinaten: UTM 33U E: 468813.98 N: 5717737.589
TiefepHLeitf.CgesNgesC/NGlühverlust
cmCaCl2µS/cm% %
0-44,857,21,400,0817,53,16
4-905,08,70,050,015,00,00
II90-1004,016,60,260,038,71,74
100-1503,868,32,90,1322,39,94
150-2303,63013,60,1524,010,74
III230+3,256354,710,7374,986,81

Analysedaten des Profils b am Standort Felixsee aus dem Jahr 2017:

  • Standort: Felixsee Profil b (rechts in der Grube)
  • Beprobung: 29.07.2017
  • Koordinaten: UTM 33U E: 468813.98 N: 5717737.589
TiefeBodenartfUmUgUfSffSgfSmSgSTonSchluffSand
cmKA 5%
0-4Ss1,271,933,219,4723,4632,9345,8610,593,726,4189,99
4-90Ss0,450,001,203,8528,2332,0865,170,101,001,6597,35
II90-100St24,003,651,472,8418,1921,0256,990,2512,619,1278,27
100-150Tu216,4222,014,14,981,136,112,510,1048,7442,538,72
150-230Tu317,4428,037,022,040,212,250,100,0045,1552,492,36
III230+n.b.n.b.n.b.n.b.n.b.n.b.n.b.n.b.n.b.n.b.n.b.n.b.

Abb. 33: Exkursionspunkt 8 Felixsee Landschaft Mischwald mit Wurmfarn, Heidelbeere, Drahtschmiele, Rasen-Schmiele, Brombeere (Fiencke, 2018)

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Abb. 34: Exkursionspunkt 8A Felixsee Normregosol aus Hangsand über Deckton und Braunkohle,  Foto: Fiecke, 2018
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tagebau Nochten

Lage der Exkursionspunkte 8 und 9

Abb. 28: Lage der Exkursionspunkte 8 Felixsee und 9 Tagebau Nochten im Muskauer Faltenbogen (EHRHARDT ET AL., 2017). UTM 33U Koordinaten von 8: E: 468813.98 N: 5717737.589, 9 E: 473759.78 N: 5704080.25

9. Tagebau Nochten: Braunkohle und Rekultivierung

Abb. 35: Schematische Karte Tagebau Nochten am Exkursionpunkt 9 (VATTENFALL, 2012).

Der Exkursionspunkt 9 Tagebau Nochten liegt am nördlichen Rand der Lagerstätte Nochten der LEAG (seit Dezember 2016), südwestlich von Weißwasser im Lausitzer Braunkohlegebiet (Abb. 30, 31). Erster Halt ist das Kommunikations- und Naturschutzzentrum Weißwasser „Turm am Schweren Berg“ mit angegliedertem Aussichtsturm. Der Turm bietet einen Blick über die aktive Tagebau- und Tagebaurekultivierungslandschaft. Hier wird das 2. Lausitzer Flöz abgebaut. Es liegt in 65 bis maximal 100 Metern Tiefe und ist durchschnittlich 12 Meter mächtig. Seit 2006 wird zudem in Nochten das 1. Lausitzer Flöz abgebaut, dieser war im Niederlausitzer Braunkohlenbezirk um die Jahrhundertwende der Hauptbauhorizont. Es liegt in 20 bis etwa 40 Metern Tiefe und ist durchschnittlich 3 Meter mächtig. Der Tagebau Nochten fördert jährlich etwa 19 Mio. t Rohbraunkohle (Vattenfall, 2012). Die Vorlaufzeit bis zur Aufnahme der Kohleförderung betrug in Nochten 20 Jahre. 1953 wurde mit der Kohleexploration durch Bohrungen begonnen. Die Grundwasserabsenkung begann 1960. Von 1968 bis 1973 wurde die Aufschlussfigur mit einem Volumen von ca. 74 Mio. m3 Aufschlussabraum gebaggert und die Förderung der Rohbraunkohle ab 1973 aufgenommen. Seitdem mussten einige Dörfer dem Tagebau weichen. Ob die im Westen angrenzenden Dörfer umgesiedelt werden müssen, ist weiterhin unklar. Heute werden im Lausitzer Braunkohlerevier fünf Tagebaue betrieben, die 2006 ca. 60 Mio. t Rohbraunkohle lieferten. Entsprechend des Braunkohleplans hat der Tagebau eine Laufzeit bis etwa 2050 beantragt (Kupetz & Kupetz, 2009).

Abb. 36: Nordöstlicher Ausschnitt aus einer rohstoffgeologischen Übersichtskarte von Sachsen (LfULG, 2001).

Abb. 37: Tertiärschichtenfolge der Niederlausitz am Beispiel des Raumes Welzow-Spremberg (Wagenbreth u. Steiner, 1990).

Braunkohlemoore und Flözbildung

Vor etwa 17 Millionen Jahren im Mittelmiozän im Gebiet der Lausitz ein weiträumiges Sumpfgebiet gebildet, welches vom Meer mehrfach überflutet wurde. Aufgrund der Moorentstehung in Regionen der Meeresküsten spricht man von einer paralischen Fazies. Eine normale moorfazielle Abfolge umfasst abhängig vom Nährstoffangebot und den Standortbedingungen koniferen- bzw. angio­spermen­betonte Waldmoore an der Basis, die von Riedmoor- und Kiefern-Waldmoor-Kohlen überlagert werden und mit einem Schirmtannen-Hochmoor endet. Unter Luftabschluss bildeten sich aus den pflanzlichen Resten große Torfmassen, die durch die Auflast nachfolgend abgelagerter mächtiger Tone und Sande in Braunkohle umgewandelt wurden. Durch Wiederholung der Prozesse entstanden Flözkomplexe, von denen vor allem das 2. Lausitzer Flötz große wirtschaftliche Bedeutung erlangte (Abb. 32). Diese Kohletypen weisen unter­schiedliche Qualitätseigenschaften auf. Die Braunkohle in Nochten hat einen Heizwert von ca. 8.750 kJ kJ-1, einen Wassergehalt von 55,5 %, einen Schwefelgehalt von 0,5 % und einen Aschgehalt von 5,0 % (Vattenfall, 2012).

Braunkohleabbau

Für den Abbau der Braunkohle wird zunächst das Vorfeld beräumt (1, Abb. 33) Dazu wird das Vorfeld freigeräumt und der Grundwasserspiegel abgesenkt. Im nächsten Schritt wird der Abraum gefördert (2, Abb. 33). Das Deckgebirge über den Flözen, der Abraum bestehend aus mächtigen Schichten aus Sand, Kies und Tonen wird dabei entfernt und mittels Bandanlagen zur bereits ausgekohlten Kippenseite des Tagebaus transportiert. Hier schüttet ein Absetzer mit dem Material das Relief der künftigen Bergbaufolgelandschaft. Der Abbau der Braunkohle erfolgt über einen Geräteverband (3, Abb. 33). Förderbänder transportieren den Rohstoff zu Verladestationen. Je nach Tagebau gelangt die Fracht mit Zügen in die Kraftwerke zur Energiegewinnung oder zum Veredlungsstandort Schwarze Pumpe zur Braunkohlebrikettierung. Parallel zum Braunkohleabbau erfolgt die Rekultivierung durch Aufschüttung und Grundwasserwiederanstieg. (4, Abb. 33).

Abb. 38: Schematische Darstellung des Braunkohleabbaus in Nochten (Stelltafel Vattenfall am Informationsstandort Schwerer Berg).

Renaturierung und Bergbaufolgelandschaft

Der mit der Nutzung der Braunkohle verbundene Eingriff eines Tagebaues in das naturräumliche Gefüge ist mit keiner der vorangegangenen Veränderungen vergleichbar. Die natürlichen Lebensgrundlagen wie Boden, Wasser und Vegetation sowie ihre Funktionen gehen, wenn auch nur zeitweise, so doch großflächig verloren. Zusätzlich entstehen durch die großräumige Grundwasserabsenkung auch Einflüsse auf den Naturhaushalt außerhalb des Abbaugebietes. Gleichzeitig liefert die postmontane Bergbaufolgelandschaft für die Entwicklung einer artenreichen Naturausstattung in einer überwiegenden Kulturlandschaft einzigartige Bedingungen. In den Braunkohlen- und Sanierungsplänen, als Teile der Regionalplanung, sind nach Abwägung aller Interessen auch die Ziele und Grundsätze der Wiedernutzbarmachung und zur Gestaltung der Bergbaufolgelandschaft definiert.

Bei der Wiedernutzbarmachung steht heute eine lausitztypische forstwirtschaftliche Rekultivierung eines Mischwaldes mit verschiedenen Kiefern- und Eichenarten im Vordergrund. Seit 1994 wurden auf dem Bergbaufolgeland Nochten mehr als zwölf Mio. Bäume gepflanzt sowie rund 120 km Wege und Straßen angelegt. Ziel ist die Schaffung von Voraussetzungen für die Entwicklung einer mehrfach nutzbaren Landschaft, die land- und forstwirtschaftlichen Betrieben ebenso Platz bietet wie dem Erholung suchenden Menschen und verdrängten Pflanzen- und Tierarten.

Nach der Kippenaufschüttung werden die Kippbodensubstrate kartiert und deren Standortverhältnisse festgestellt, sie dienen als Grundlage der standortgerechten Aufforstung (Abb. 34). Etwa 15 % der Nochtener Bergbaufolgelandschaft werden für den Naturschutz vorgehalten. Hierzu gehört die Schaffung des ca. 300 ha großen Hermannsdorfer See im südöstlichen Innenkippenbereich. Seit 2005 wird der Seeboden vorbereitet und Ende 2017 soll mit der ca. fünf bis sieben Jahre andauernden Flutung des 250 ha großen und maximal 25 m tiefen Sees begonnen werden.

Abb. 39: Forstliche Rekultivierung des Braunkohletagebaus Nochten am Exkursionspunkt 9 Tagebau Nochten. a) Kartierung der Kippsubstrate zur Bestimmung der Standortverhältnisse und b) Bepflanzungsplan. Graphik Vattenfall Europe Mining AG aus KUPETZ & KUPETZ (2009).

Abb. 40: Profil am Exkursionspunkt 9 Tagebau Nochten (Foto Fiencke, 2016).
 

 

Exkursionspunkt Nochten Braunkohlerekulivierungsfläche (Foto: Fiencke, 2018)