Steinbruch bei Aumühle

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Bettendorf

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Goldburghausen

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Wengenhausen

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Burgfelsen Wallerstein

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Nördlinger Ries – Übersicht

Das Nördlinger Ries ist ein schüsselförmig eingesenktes, kreisförmiges Kraterbecken im Süddeutschen Stufenland und liegt im Zentrum des Städtedreiecks München-Nürnberg-Stuttgart an der Grenze der Bundesländer Bayern und Baden-Württem­berg.

Abb. 106: Lage des Exkursionsgebiets Nördliner Ries (EHRHARDT ET AL., 2017).

Dieses relativ flache und weitgehend waldfreie Becken besitzt einen Durchmesser von etwa 20-24 km und wird von einem hohen und bewaldeten Kraterrand umschlossen. Dieser erreicht im Süden und im Osten Höhen von 100-200 m sowie 60-100 m im Norden und im Westen, was das Nördlinger Ries von der umgebenden Landschafts­morphologie deutlich abhebt. Insgesamt beträgt die Fläche des Nördlinger Rieses 348 km², die Höhenlage des Beckens befindet sich zwischen 405 m und 440 m und ist relativ eben (BfN, 2012). Im Randbereich des Beckens liegt die namens­gebende Kreisstadt Nörd­lingen, annähernd im Zentrum die Ortschaft Pfäff­lingen. Die Niederungen der Flüsse Eger und Wörnitz und ihre zahlreichen Nebenbäch gliedern die Riesebene.

Ein Großteil des Exkursionsgebietes Nördlinger Ries liegt im Bundesland Bayern in der Grenzreigion zwischen den Regierungsbezirken Schwaben, Mittelfranken und Oberbayern und Landkreis Donau-Ries, der Baden-Würtembergische Teil liegt im Ostalbkreis. Es ist Teil der Großregion „Süddeutsches Stufenland“ und gehört dort zu der naturräumlichen Gliederung Schwäbisches Keuper-Lias-Land. Es liegt im Grenzgebiet zwischen Schwäbischer Alb und Fränkischer Alb. Das Nördlinger Ries zählt zur Kulturlandschaft Ries (LfU, 2011B).

 

Die geschützte, eingesenkte Lage bewirkt eine relative Klimagunst in Richung eines sommerwarmen kontinentalen Beckenklimas (LfU, 2011b). Das Klima in Pfäfflingen, dem Zentrum des Kraterbeckens, ist warm und gemäßigt. Der mittlere Jahresniederschlag beträgt dort 723 mm, bei einer mittleren Jahres­temperatur von 8,3 °C. Zu den trockensten Monaten gehören Februar und März mit Niederschlagshöhen von jeweils 43 mm sowie der Oktober als Herbstmonat mit 49 mm. Der niederschlagsstärkste Monat ist mit 91 mm der Juni.

Aufgrund der naturräumlichen Vorzüge zählt das Ries zu den sehr alten Kulturlandschaften. Die ältesten Siedlungsspuren in Kalksteinhöhlen der randlichen Höhenzüge reichen bis in die Mittelsteinzeit zurück (LfU, 2011b). Ab der jüngeren Steinzeit vor rund 6.000 Jahren siedeln Ackerbauern im Ries. Seit dieser Zeit ist das Ries dauerhaft kultiviert und besiedelt. Die südliche Rieshälfte wurde wegen des kleinteiligeren Relifs für die Siedlungen bevorzugt. Der Norden wurde erst während der Römerzeit verstärkt unter Nutzung genommen. Im Ries gibt es viele Spuren römischer Besiedlung wie auf Römerstraßenrelikte. Der Landschaftsname Ries geht auf die römische Provinzbezeichnung Raetia zurück. Der Name blieb erhalten, da hier die ersten Berührungen verbunden mit heftigen Kämpfen germanischer Volksgruppen mit den Römern stattfanden. Zahlreiche Ortsnamen auf –ingen und –heim sind Anzeichen, dass das Ries im Zuge der alemanischen Landnahme früh in Besitz genommen wurde. Im 13 Jhd. Bauten das schwäbische Herrschergeschlecht der Staufer verstärkt Burgen für staufische Kaiser und Könige mit der Reichsburg Harburg von 1150. In dem Zusammenhang wurde Nördlingen wurden zur Freien Reichstadt erhoben als territorialpolitische Konkurrenz zum Grafen von Oettingen. Um 1800 glich die politische Landschaft um Nördlingen einem Territorienmosaik aus fürstlichen, gräflichen, reichstädtischen, klösterlichen und ritterlichen Hoheitsgebieten. Zudem entstand eine konfessionelle Zersplitterung. Die Trennlinie zwischen katholischen und protestantischem Terrain verlief mitunter innerhalb der Siedlungen. Nördlingen bildet das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum im Ries. Die Stadt lag im Kreuz mittelalterlicher Handelswege und war nach Frankfurt bedeutende Handelsmetropole, verlor aber im 19. Jahrhundert durch die Grenzziehung Bayern und Württemberg seine verkehrsgünstige Lage und geriet in eine Randsituation verbunden mit wirtschaftlicher Stagnation.

Durch die lange Nutzungsration und günstigen Voraussetzungen für die Landwirtschaft wurde der Wald im Ries auf die Randhöhen zurückgedrängt. Im gesamten Landkreis Donau-Ries, welcher die drei Gebiete Ries, Jura sowie das Donau-Lechgebiet umfasst, nimmt die Land- und Forstwirtschaft über 80 % der Gesamtfläche in Anspruch. Dabei entfallen etwa ein Drittel dieser Nutzflächen auf die forstwirtschaftliche Nutzung auf dem Kraterrand und ca. zwei Drittel auf die Landwirtschaft in der Riesebene, in der die Flächen zu annähernd 80 % als Ackerland und zu 20 % als Grünland be­wirtschaftet werden. Die auf dem Ackerland angebauten Kulturpflanzen bestehen zu 40 % aus Getreide, zu 23 % aus Silomais sowie zu 4 % aus Zuckerrüben. In geringeren Mengen erfolgt ebenso der Anbau von Körnermais (3,0 %), Feldfutter (2,5 %) sowie Kartoffeln und Ölfrüchten (je 2,0 %). Durch die spezifische Anbauflächenkombination bietet die offene Agrarlandschaft einen Lebensraum für die vom Aussterben bedrohte Wiesenweihe. Der Ruf des Nördlinger Rieses als „zweite Kornkammer Bayerns“ (Kavasch, 1991) impliziert sehr gute Standortfaktoren für die landwirtschaftliche Nutzung. Dies ist insbesondere auf den im Westen des Rieskraters abgelagerten, fruchtbaren Löss zurückzuführen. In der traditionellen Landwirtschaft war auch die Viehhaltung von Bedeutung. Grünlandgebiete finden sich auf den Überschwemmungsgebieten der Flüsse und in Niederungen bei hoch anstehendem Grundwasser. Die mageren und feuchten Mähwiesen und ihre Streuwiesen-Vorkommen sind Lebensraum der größten Wiesenbrüter-Population in Bayern mit z.B. dem Großen Brachvogel, Wachtelkönig und Kiebitz. Die Pfäfflinger Wiesen beherbergen zudem das landesweit größte Vorkommen von Brenndolden-Auenwiesen. Trockenrasen und Wachholderheiden an den Hängen sind landschaftsbildprägende Relikte der historischen Wanderschäferrei im Ries. Die traditionelle Schafbeweidung der Flächen hilft die hohe Artenvielfalt von z.B. seltenen Pflanzen- und Schmetterlingsarten hier zu erhalten.

Die Waldfläche des Landkreises Donau-Ries macht mit über 33.000 ha ca. 26 % der Gesamtfläche aus. Sie setzt sich zu 60 % aus Privatwäldern sowie zu je 20 % aus Körperschafts- und Staatswäldern zusammen. Etwa zwei Drittel der Wälder werden dabei durch Nadelbäume (Fichten, Tannen, Douglasien, sowie Kiefern und Lärchen) gebildet, während die restlichen Flächen mit Laubbäumen wie Eichen und Buchen bewachsen sind (AELF Nörd­lin­gen). Neben der Nutzung der Wälder als Quelle für die Holzindustrie erfüllen die Waldflächen gemäß den Waldfunktionsplänen zahlrei­che zusätzliche Funktionen. Eine besondere Bedeutung wird den Wäldern im Landkreis Donau-Ries dabei für Funktionen wie z.B. den Lebensraum für die Biologische Vielfalt (38 %), den Wasserschutz (18 %), den Immissions- sowie den Lärm- und Klimaschutz (7 %) oder den Bodenschutz (7 %) beigemessen (Bayerische Forstverwaltung, 2013). Zum Zwecke des Bodenschutzes soll die Bodenerosion an gefährdeten Standorten durch Erhaltung und Mehrung der Waldflächen vermindert werden.

Neben der landwirtschaftlichen Nutzung des Rieskraters und seiner Umgebung ist eben­so die Nutzung der anstehenden Gesteine von großer, wirtschaftlicher Bedeu­tung, was anhand der zahlreichen Steinbrüche deutlich wird. Sowohl der Suevit als auch die Bunte Breccie stellen in diesem Zusammenhang wichtige Bodenschätze dar, und wurden bereits seit der Römerzeit als Bausteine abgebaut und genutzt. Ein aus diesen Gesteinen erbautes Bauwerk ist die Nördlinger St.-Georgs-Kirche mit ihrem 90 m hohen Turm im Zentrum der Kreisstadt. Aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung (hoher SiO2– und Glasgehalt, sowie relativ geringe Gesamtalkaligehalte) wird der Suevit auch als Zuschlagsstoff zur Herstellung von hydraulischem Zement verwendet. Diesem verleiht der Suevit eine höhere chemische Beständigkeit gegen Verwitterungseinflüsse (Pösges & Schieber, 2009).

Das Nördlinger Ries ist bedingt durch seine Entstehungsgeschichte und Ausprägung eine in Deutschland einzigartige geologische Landschaft. In seinem heutigen Zustand gilt das Nördlinger Ries als der am besten erhaltene Großkrater der Erde. Die Entstehung des Kraters wird bereits seit etwa 200 Jahren erforscht und wurde lange Zeit auf vulkanische Aktivitäten zurückgeführt. Erst zu Anfang der 60-er Jahre konnte anhand mineralogischer Untersuchungen durch Shoemaker und Chao nachgewiesen werden, dass das Ries durch den Einschlag eines Asteroiden vor ca. 14,6 Mio. Jahren im Miozän des Tertiärs entstanden ist (Pösges & Schieber, 2009). Dabei traf ein etwa 1,5 km großer Asteroid mit einer Geschwindigkeit von 15-40 km pro Sekunde auf die Erde und bohrte sich weit über einen Kilometer tief in die Erdkruste (Meschede, 2015). Durch den Einschlag, bei dem das Nördlinger Ries als ein Impaktkrater mit einem Durchmesser von 24 km entstand, wurden sogar Teile des kristallinen Grundgebirges, das unter einer Sedimentabdeckung von 400 m liegt, herausgeschleudert. In einem Umkreis von 100 km um das Einschlagszentrum wurde alles Leben ausgelöscht und die Landschaft mehrere 100 km verwüstet. Gleichzeitig mit dem Nördlinger Ries entstand das 40 km entfernte Steinheimer Becken durch einen kleineren Satelliten des Nördlinger Asteroiden. Durch den Asteroideneinschlag wurde die Erdkruste mitsamt dem Asteroiden extrem verdichtet, so dass das Gestein im Bereich des Aufschlages aufgrund des hohen Druckes und der extremen Temperatur von bis zu 30.000 °C schmolz und sofort danach vollständig verdampfte (Meschede, 2015).

Die wichtigsten Prozesse zur Entstehung des Nördlinger Rieses werden nachfolgend in sechs Abbildungen 70- 75 dargestellt.

Abb.106: 35 ms vor dem Einschlag: Mit einer kosmischen Geschwindigkeit von etwa 20 km/s nähert sich ein ca. 1000 m großer Gesteinsasteroid mit seinem Trabanten der Albrandlandschaft. Der Anflug erfolgt wahrscheinlich in einem < 90° Winkel zur Erd­ober­fläche. Bereits vor dem Einschlag verursacht die Luftreibung hohe Temperaturen in der direkten Umgebung.

Abb.107: 10 ms nach dem Einschlag: Die enorme kinetische Energie wird beim Aufschlag zum Teil in thermische Energie umgewandelt. Durch die Temperaturen von 10.000-30.000°C verdampft und schmilzt ein Teil des Asteroiden und der Oberflächengesteine schlagartig. Die Gesteinsschmelze wird radial vom Einschlagspunkt weggeschleudert und erstarrt in der Luft zu Glas.

Abb.108: 60 ms nach dem Einschlag: Beginn der Kraterbildung. Der Asteroid durchdringt das mesozoische Deckgebirge vollständig und wird dabei stark komprimiert. Das durchdrungene Material wird in einem Auswurfkegel mit einer Geschwindigkeit von etwa 5 km/s ballistisch nach außen geschleudert. Eine Druckfront breitet sich immer tiefer in das kristalline Grundgebirge aus, verändert es und führt zur Bildung von Hochdruckmineralen wie Coesit, Stishovit und Diamant.

Abb.109: 10 s nach dem Einschlag: Ein etwa 4.500 m tiefer Primärkrater entsteht, an dessen Grund Gesteinstrümmer und -schmelzen das zerbrochene Grundgebirge bedecken. Der Auswurfkegel wächst nach außen in die Breite und schleudert die Bunten Trümmermassen bis zu 50 km weit, wo sie als Auswurfdecken abgelagert werden. Aus dem Krater steigt eine pyroklastische Glutwolke aus verdampften, geschmolzenen und zerbrochenen Gesteinen bis etwa 100 km in die Höhe.

Abb.110: 1 min nach dem Einschlag: Der Krater kollabiert. Während es an den steilen Kraterflanken zu randlichen Abschiebungen und Absenkungen kommt, die sich nach außen fortbewegen und den ursprünglichen Kraterrand immer undeutlicher werden lassen, erfolgt in der Kratermitte eine zentrale Aufwölbung, die zunächst einen instabilen Zentralberg formt. Ebenso beginnt die Glutwolke zu kollabieren.

Abb.111: 10 min nach dem Einschlag: Der Kollaps des Zentralbergs führt zu den letzten Ausgleichs­bewegungen im Krater und lässt diesen immer flacher werden. Das entstandene flache Kraterbecken wird zudem mit dem Rückfall-Suevit verfüllt, welcher sich aus dem herabfallenden Rückfallmaterial der Glutwolke zusammensetzt. Die endgültige Kraterstruktur besteht nun aus zwei Ringen, dem inneren Kraterring aus Grundgebirgs-Blöcken und dem äußeren Kraterrand aus Bunten Trümmermassen auf Deckgebirge.

Nicht nur die Landschaftsmorphologie wurde durch den Asteroideneinschlag stark verändert, sondern auch die Stratigraphie in der Umgebung des Nördlinger Rieses. Als Reaktion auf den Aufprall wurden in einer ersten Phase große Mengen an Gesteinmaterial aus dem Krater herausgeschleudert. Blöcke bis zu Kilometergröße wurden verstellt und Gesteinsbruchstücke aus meso­zoischen Sedimentgesteinen und vorwiegend granitischem Grundgebirge wurden in einer Brekzie zusammengewürfelt, die heute als Bunte Trümmerbrekzie im Nördlinger Ries bekannt ist. Neben den Steinen des kristallinen Grundgebirges finden sich Gesteine der Trias-Rand-Fazies, Keuper, Lias, Dogger, Malm, teilweise Ober­kreide, unterschiedliche Tertiärstufen bis ins Mittelmiozän. Bunt ist sie vor allem wegen der farblich sehr unterschiedlichen Gesteine aus dem granitischen Grundgebirge, der Trias mit grauen Kalken, roten Tonen und Sandsteinen, dunklen Tonsteinen uns Schwarzen und Braunen Jura sowie hellen Kalken aus dem Weißen Jura. Zu der petrographischen Zusammensetzung trägt das kristalline Grundgebirge mit einem Anteil von etwa 5-10 % bei, während das sedimentäre Deckgebirge den größten Teil der Komponenten ausmacht. Die Größenordnungen der einzelnen Komponenten sind stark unterschiedlich und reichen von sehr feinem Gesteinsstaub bis zu zerrütteten und deformierten, jedoch weitgehend im Verband erhaltenen Komplexen von etwa einem Kilometer Größe.  Die Brekzien überlagern nun die zuvor an der Oberfläche anstehenden Sedimentgesteine weiträumig. Sie dominieren heute in der Umgebung des Einschlagskraters, welche sowohl den Kraterrand auf der Innenseite deutlich nachzeichnen als auch in der Fläche weiträumig abgelagert wurden. Insbesondere erfolgte der Auswurf der Bunten Trümmermassen nach Südosten, wo diese heute bis an der Donau noch an der Oberfläche anzutreffen sind.

Neben der Bunten Trümmerbrekzie wurden auch Jurassische Malmgesteine bei dem Einschlag herausgeworfen. So finden sich die sog. Reuterschen Blöcke noch bis zu 70 km vom Krater entfernt (Meschede, 2015). Sie schließen sich im Nordosten und im Süd­wes­ten bis an den Kraterrand an, mit kleineren fleckenhaften Überdeckungen durch die Bunten Trümmermassen. Im Süden sind die Malmgesteine nur als schmaler, fleckiger Streifen an der Außenseite des Kraterrandes aufgeschlossen, während sie im Norden und im Nordwesten nicht mehr vorkommen. Dort anstehend sind Gesteine des Doggers und der Lias, sowie des Keupers im Norden. Nach Nordosten hin erfolgt die Abfolge im Uhrzeigersinn von alt nach jung als Lias, Dogger und Malm. Als der Auswurfkegel nach außen wanderte wurden die Auswurfmassen über den Untergrund aus Kalken des Weißen Juras geschleift und hinterließen dabei an vielen Stellen in etwa radialstrahlig zum Kraterzentrum angeordnete Striemungen, die auch heute noch auf der Kalkoberfläche beobachtet werden können (Meschede, 2015). Zudem findet man vor allem im Steinheimer Becken Strahlenkalke (shatter cones). Sie sind durch die beim Impakt auftretenden Stoßwellen entstanden und stellen eine metamorphe Veränderung der Jurakalke dar.

Abb. 112: Profilquerschnitt durch das Nördlinger Ries und geologsiche Übersichtskarte des Nördlinger Rieses und des Steinheimer Beckens aus Meschede (2015).

Noch westlicher wurden Teile des geschmolzenen Gesteins aus dem inneren Bereich des Kraters unmittelbar nach dem Aufschlag transportiert. Mit hoher Geschwindigkeit wurde das noch flüssige Gesteinsmaterial vorwiegend in östliche Richtung herausgeschleudert und erstarrte während des Fluges zu Glaspartikeln. Diese werden nach ihrem Fundort im Bereich der oberen Moldau als Moldavite bezeichnet und werden heute noch in Entfernung bis zu 450 km vom Einschlagkrater gefunden (Meschede, 2015). Moldavite sind einige Zentimeter große, flaschengrüne Glaskörper und bestehen bis zu 85 % aus SiO2, bis zu 10 % aus Al2O3 und einigen Prozent Metalloxiden. Als Ausgangsgesteine der Moldavite diente Oberflächenmaterial aus tonigen Sanden des Tertiärs.

Ein Gestein, das im Wesentlichen aus zermahlenen Gesteinsresten, aufgeschmolzenem Impaktgals und hochdruckmodifizierten Mineralen sowie diaplektischem Glas (Glasentstehung ohne Flüssigphase) besteht wird als Suevit bezeichnet. Er hat im Nördlinger Ries seine Typuslokalität und wurde nach seinem Ursprungsort im Schwabenland (lat. suevia) benannt. Die Bezeichnung Suevit wird heute weltweit für Gesteine verwendet, die durch einen Asteroidenimpakt entstanden sind und deswegen eine ähnliche Zusammensetzung mit Hochdruckmineralen und diaplektischem Glas aufweisen (Meschede, 2015). Der Aufschlag eines großen Asteroiden auf der Erdoberfläche setzt, bedingt durch dessen hohe Geschwindigkeit, eine enorme Energie frei. Dabei entstehen sehr hohe Drucke und Temperaturen, welche auf die umgebenden Gesteine ihre Wirkung entfalten. Die sich mit Überschallgeschwindigkeit ausbreitende Stoßwelle durchdringt den Gesteinsuntergrund halbkugelschalenförmig und verändert diesen in radial abnehmender Stärke, da sich die Druck- und Temperatureinflüsse mit zunehmender Entfernung vom Einschlagspunkt schnell vermindern. Dieser Vorgang wird als Progressive Stoßwellenmetamorphose bezeichnet, die sich von einer durch stati­schen Druck ausgelösten Metamorphose grundlegend unterscheidet. Die jeweiligen Grade der Metamorphose werden nach Stöffler (1971, zitiert in Hüttner & Schmidt-Kaler, 2003) in sechs Stufen eingeteilt (Tab. 24), welche hauptsächlich durch mikro­sko­pi­sche Merkmale gekenn­zeichnet sind (Hüttner & Schmidt-Kaler, 2003). Bei der Stoßwellenmetamorphose wurden Quarze (Dichte 2,65 g cm-3) in Coesit (Dichte 3,01 g cm-3) und Stishovit (Dichte 4,30 g cm-3) und mikroskopisch kleine Diamanten umgewandelt. Stishovit kann nicht nur Gebirgsbildungsprozesse mit höchsten Metamorphosebedingungen entstehen und ist ein eindeutiger Nachweis für die Entstehung durch einen Impakt (Meschede, 2015).

Suevite weisen hierbei die Metamorphosestufen 0-4 gleichzeitig auf. Unterschieden wird der Suevit zudem noch nach seinem örtlichen Vorkommen in den Rückfall-Suevit und den Auswurf-Suevit. Der Rückfall-Suevit befindet sich im zentralen Kraterbereich, wo er mit einer Mächtigkeit von etwa 300 m die Hauptmasse des Suevits bildet. Im Gegensatz dazu tritt der Auswurf-Suevit in isolierten Vorkommen (bis 1 km²) in der Kraterrandzone und in den Riesrandhöhen auf.

Glashaltigen polymikte Kristallinbrekzien unterscheiden sich von Sueviten durch ihren Metamorphosegrad, sie weisen deutliche Merk­male der Stoßwellenmetamorphose der Stufen 0-2 auf. In den Fällen, in denen die Polymikten Kristallinbreccien teilweise Gläser beinhalten, bilden sie den Über­gang zum Suevit. Sie bestehen größtenteils aus dem Material des kristallinen Grundgebirges, dem jedoch nicht selten in geringen Mengen Deckgebirgsmaterial (Keuper, Lias, Dogger) beigemengt sein kann. Zusammengesetzt sind die Polymikten Kristallinbreccien aus einer feinkörnigen Grundmasse zerriebener Kristallingesteine, welche eckige bis kantengerundete Einsprenglinge aus größeren Kristallin­fragmenten unterschiedlicher Art beinhaltet.

Tab.26: Vereinfachte Einteilung der Stoßwellenmetamorphose nach Stöffler (1971).

Unmittelbar nach dem Ende der Auswurftätigkeit wurden die Kraterwände instablie und rutschten in den Krater, so dass am Ender der heute noch erhaltene Krater von 24 km Durchmesser entstand. Es bildete sich ein innerer kristalliner Ringwall, der im Wesentlichen aus stark brekziierten Gesteinen des Grundgebirges aufgebaut ist und durch die Rückfederung des Gesteins im Aufschlaggebiet entstand (Meschede, 2015). Danach füllte sich der mehrere hundert Meter tiefe Krater mit Wasser und wurde in den folgenden 2 Mio. Jahren mit Seesedimenten verfüllt. Ebenso bildeten sich durch das Aufstauen der Ur-Altmühl und Ur-Rezat ein See, der doppelt so groß wie der Bodensee war. Der Riessee war ein abflussloses Becken, in das mehrere Flüsse entwässerten. Durch Lösungsvorgänge und Abkühlungsprozesse der Gesteine, die 1.000 Jahre andauerten, bildete sich ein Salzsee mit einer individuenreichen, aber äußerst Artenarmen Fauna. Im Bereich des Kraterrandes und beim inneren Rinwall bildeten sich dolomitsche Grünalgenriffe (z.B. bei der Burg Wallerstein) und fossilienreiche Schneckenkalksande. In tieferen Bereichen bildeten sich Tone und Ölschiefer. Erst später, zum Ende der Verlandungsphase nach etwa 2 Mio. Jahren, änderten sich die Lebensbedingungen und ermöglichten eine Artenreiche Flora und Fauna, die sich u.a. in geringmächtigen Braunkohleflözen und fossilen Resten verschiedener Wirbeltierarten widerspiegelt (Meschede, 2015).

Die heute erkennbare Kraterform ist ein Produkt der Erosion seit dem jüngeren Tertiär und vor allem der Eiszeiten im Pleistozän. So wurde ein Großteil der tertiären Sedimente, die ursprünglich etwa 100 m höher als die heutige Ries-Ebene war, wieder abgetragen. Im Pleistozän wurde überwiegend Löss, der im westlichen Windschatten des Kraterrandes abgelagert zudem feine Sande im Ostries, Lehm (z.T. Lösslehm) und fluviatil umgelagerte Flugsande aus ehe­maligen Wanderdünen. Kleinflächig sind ebenso holozäne Sedimente vertreten wie die jungen Talfüllungen sowie Anmoore und Torfe.

 

Die Böden im Nördlinger Ries haben sich bedingt durch die Entstehung und die spätere Verfüllung des Ries­kraters auf unterschiedlichen Substraten entwickelt. Im Zentrum der Riesebene fand die Bodenbildung auf bindigen Substraten wie Lehmen und Tonen statt, es entwickelten sich daraus neben Braunerden auch Pelosol-Braunerden sowie Pelosol-Pseudogleye. In Überflutungsbereichen der Wör­nitz sind Auenböden und Gleye aus lehmigen bis tonigen Auensedimenten anzu­treffen, während östlich davon glaziale und postglaziale Schotter die Bildung von Braun- und Parabraunerden sowie von Rendzinen und Pararendzinen ermöglichten.

Abb.113: Bodenübersichtskarte Bayern mit Ausschnittsvergrößerung des Nördlinger Rieses (StMUGV, 2006).

Rieskratermuseum in Nördlingen

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