Braunkohleabbau im Muskauer Faltenbogen der Nieder- und Oberlausitz

Lage der Exkursionspunkte 8 und 9

Abb. 28: Lage der Exkursionspunkte 8 Felixsee und 9 Tagebau Nochten im Muskauer Faltenbogen (EHRHARDT ET AL., 2017). UTM 33U Koordinaten von 8: E: 468813.98 N: 5717737.589, 9 E: 473759.78 N: 5704080.25

8. Felixsee Bodenbildung aus Kippböden, Elsterzeitlichen Sedimenten und Braunkohle des Tertiär Neogens im Bereich der ehemaligen Kohlegrube „Felix“

Die Entstehung des Muskauer Faltenbogens erfolgt vor 450 000 Jahren in der Elstereiszeit. Dabei hat der etwa 500 m mächtige Muskauer Gletscher seinen Untergrund zu einer Stauchendmoräne geformt (Abb. 19,22). Vor dem Gletscher sind die Ton-, Sand- und Braunkohleschichten des Tertiär Miozäns in Form von Schuppen nach vorn und oben aufgepresst worden. Die Druckeinwirkung des Gletschers reichte bis knapp 300 m unter seine Sohle und hat die Gesteinsschichten deformiert. Die Deformation des Untergrundes vor einem Gletscher nennt man glazialtektonische Schuppen. Nach Einebnung der Oberfläche erschien die Braunkohle an der Erdoberfläche und begann dort zu verwittern. Die Oxidation ist mit einem Volumenverlust verbunden und es senkte sich die Oberfläche über dem Kohleflöz ein. Diese abflusslosen Senken mit feuchten Böden bezeichnet man als Gieser. Regenwasser spülte feines Bodenmaterial und organisches Material in den Gieser hinein und es bildeten sich örtlich Stauwasserschichten und es kam zur Torfbildung. Diese Torfe haben eine bestimmte Pollenzusammensetzung, die eine Vegetations- und Klimarekonstruktion ermöglichen (Abb. 23). Noch heute senken sich die Gieser ab. Der Kohleflöz unter dem Gieser ist nach Osten geneigt (Abb. 24). Der Felixsee ist der rekultivierte Tagebau der Braunkohlegrube Felix, die im Wesentlichen im Untertagebau arbeitete (Abb. 24). Die Grube Felix am Exkursionspunkt 8 Felixsee wurde von 1851 bis 1930 betrieben.

Abb. 29: Geologischer Schnitt durch den Tagebau der Grube Felix aus KUPETZ & KUPETZ (2009).
a) Natürliche Situation vor 1914. Unmittelbar unter der Erdoberfläche liegt das etwa 10 m mächtige Braunkohleflöz.

Entstehung einer Geländesenke durch Oxidation und Volumenverlust der Braunkohle. Moorbildung „Drogiske-Luch“.
b) Tagebau 1914-1919. 1910 geologische Erkundung, Grundwasserabsenkung, Abbau.
Heutiger Zustand: Nach Kohleabbau, Grundwasseranstieg und Entstehung des Felixsees

Abb. 30: Lage der Endmoräne und des Gieseraufschlusses Exkursionpunkt 8 Felixsee im Muskauer Faltenbogen (Stelltafel am Standort).

Abb. 31: Geologischer Querschnitt des Giesers am Exkursionpunkt 8 Felixsee im Muskauer Faltenbogen aus KUPETZ & KUPETZ (2009).

Abb. 32: Pollendiagramm des Torfes am Giesers des Exkursionpunktes 8 Felixsee. SB Subatlantikum, ÄSA, Älteres Subatlantikum, JSA, Jüngeres Subatlantikum von Strahl (2006) unveröffentlicht aus KUPETZ & KUPETZ (2009).

Analysedaten des Profils a am Standort Felixsee aus dem Jahr 2017:

  • Standort: Felixsee Profil a (links in der Grube)
  • Beprobung: 29.07.2017
  • Koordinaten: UTM 33U E: 468813.98 N: 5717737.589
TiefepHLeitf.CgesNgesC/NGlühverlust
cmCaCl2µS/cm% %
0-44,857,21,400,0817,53,16
4-905,08,70,050,015,00,00
II90-1004,016,60,260,038,71,74
100-1503,868,32,90,1322,39,94
150-2303,63013,60,1524,010,74
III230+3,256354,710,7374,986,81

Analysedaten des Profils b am Standort Felixsee aus dem Jahr 2017:

  • Standort: Felixsee Profil b (rechts in der Grube)
  • Beprobung: 29.07.2017
  • Koordinaten: UTM 33U E: 468813.98 N: 5717737.589
TiefeBodenartfUmUgUfSffSgfSmSgSTonSchluffSand
cmKA 5%
0-4Ss1,271,933,219,4723,4632,9345,8610,593,726,4189,99
4-90Ss0,450,001,203,8528,2332,0865,170,101,001,6597,35
II90-100St24,003,651,472,8418,1921,0256,990,2512,619,1278,27
100-150Tu216,4222,014,14,981,136,112,510,1048,7442,538,72
150-230Tu317,4428,037,022,040,212,250,100,0045,1552,492,36
III230+n.b.n.b.n.b.n.b.n.b.n.b.n.b.n.b.n.b.n.b.n.b.n.b.

Abb. 33: Exkursionspunkt 8 Felixsee Landschaft Mischwald mit Wurmfarn, Heidelbeere, Drahtschmiele, Rasen-Schmiele, Brombeere (Fiencke, 2018)

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Abb. 34: Exkursionspunkt 8A Felixsee Normregosol aus Hangsand über Deckton und Braunkohle,  Foto: Fiecke, 2018
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tagebau Nochten

Lage der Exkursionspunkte 8 und 9

Abb. 28: Lage der Exkursionspunkte 8 Felixsee und 9 Tagebau Nochten im Muskauer Faltenbogen (EHRHARDT ET AL., 2017). UTM 33U Koordinaten von 8: E: 468813.98 N: 5717737.589, 9 E: 473759.78 N: 5704080.25

9. Tagebau Nochten: Braunkohle und Rekultivierung

Abb. 35: Schematische Karte Tagebau Nochten am Exkursionpunkt 9 (VATTENFALL, 2012).

Der Exkursionspunkt 9 Tagebau Nochten liegt am nördlichen Rand der Lagerstätte Nochten der LEAG (seit Dezember 2016), südwestlich von Weißwasser im Lausitzer Braunkohlegebiet (Abb. 30, 31). Erster Halt ist das Kommunikations- und Naturschutzzentrum Weißwasser „Turm am Schweren Berg“ mit angegliedertem Aussichtsturm. Der Turm bietet einen Blick über die aktive Tagebau- und Tagebaurekultivierungslandschaft. Hier wird das 2. Lausitzer Flöz abgebaut. Es liegt in 65 bis maximal 100 Metern Tiefe und ist durchschnittlich 12 Meter mächtig. Seit 2006 wird zudem in Nochten das 1. Lausitzer Flöz abgebaut, dieser war im Niederlausitzer Braunkohlenbezirk um die Jahrhundertwende der Hauptbauhorizont. Es liegt in 20 bis etwa 40 Metern Tiefe und ist durchschnittlich 3 Meter mächtig. Der Tagebau Nochten fördert jährlich etwa 19 Mio. t Rohbraunkohle (Vattenfall, 2012). Die Vorlaufzeit bis zur Aufnahme der Kohleförderung betrug in Nochten 20 Jahre. 1953 wurde mit der Kohleexploration durch Bohrungen begonnen. Die Grundwasserabsenkung begann 1960. Von 1968 bis 1973 wurde die Aufschlussfigur mit einem Volumen von ca. 74 Mio. m3 Aufschlussabraum gebaggert und die Förderung der Rohbraunkohle ab 1973 aufgenommen. Seitdem mussten einige Dörfer dem Tagebau weichen. Ob die im Westen angrenzenden Dörfer umgesiedelt werden müssen, ist weiterhin unklar. Heute werden im Lausitzer Braunkohlerevier fünf Tagebaue betrieben, die 2006 ca. 60 Mio. t Rohbraunkohle lieferten. Entsprechend des Braunkohleplans hat der Tagebau eine Laufzeit bis etwa 2050 beantragt (Kupetz & Kupetz, 2009).

Abb. 36: Nordöstlicher Ausschnitt aus einer rohstoffgeologischen Übersichtskarte von Sachsen (LfULG, 2001).

Abb. 37: Tertiärschichtenfolge der Niederlausitz am Beispiel des Raumes Welzow-Spremberg (Wagenbreth u. Steiner, 1990).

Braunkohlemoore und Flözbildung

Vor etwa 17 Millionen Jahren im Mittelmiozän im Gebiet der Lausitz ein weiträumiges Sumpfgebiet gebildet, welches vom Meer mehrfach überflutet wurde. Aufgrund der Moorentstehung in Regionen der Meeresküsten spricht man von einer paralischen Fazies. Eine normale moorfazielle Abfolge umfasst abhängig vom Nährstoffangebot und den Standortbedingungen koniferen- bzw. angio­spermen­betonte Waldmoore an der Basis, die von Riedmoor- und Kiefern-Waldmoor-Kohlen überlagert werden und mit einem Schirmtannen-Hochmoor endet. Unter Luftabschluss bildeten sich aus den pflanzlichen Resten große Torfmassen, die durch die Auflast nachfolgend abgelagerter mächtiger Tone und Sande in Braunkohle umgewandelt wurden. Durch Wiederholung der Prozesse entstanden Flözkomplexe, von denen vor allem das 2. Lausitzer Flötz große wirtschaftliche Bedeutung erlangte (Abb. 32). Diese Kohletypen weisen unter­schiedliche Qualitätseigenschaften auf. Die Braunkohle in Nochten hat einen Heizwert von ca. 8.750 kJ kJ-1, einen Wassergehalt von 55,5 %, einen Schwefelgehalt von 0,5 % und einen Aschgehalt von 5,0 % (Vattenfall, 2012).

Braunkohleabbau

Für den Abbau der Braunkohle wird zunächst das Vorfeld beräumt (1, Abb. 33) Dazu wird das Vorfeld freigeräumt und der Grundwasserspiegel abgesenkt. Im nächsten Schritt wird der Abraum gefördert (2, Abb. 33). Das Deckgebirge über den Flözen, der Abraum bestehend aus mächtigen Schichten aus Sand, Kies und Tonen wird dabei entfernt und mittels Bandanlagen zur bereits ausgekohlten Kippenseite des Tagebaus transportiert. Hier schüttet ein Absetzer mit dem Material das Relief der künftigen Bergbaufolgelandschaft. Der Abbau der Braunkohle erfolgt über einen Geräteverband (3, Abb. 33). Förderbänder transportieren den Rohstoff zu Verladestationen. Je nach Tagebau gelangt die Fracht mit Zügen in die Kraftwerke zur Energiegewinnung oder zum Veredlungsstandort Schwarze Pumpe zur Braunkohlebrikettierung. Parallel zum Braunkohleabbau erfolgt die Rekultivierung durch Aufschüttung und Grundwasserwiederanstieg. (4, Abb. 33).

Abb. 38: Schematische Darstellung des Braunkohleabbaus in Nochten (Stelltafel Vattenfall am Informationsstandort Schwerer Berg).

Renaturierung und Bergbaufolgelandschaft

Der mit der Nutzung der Braunkohle verbundene Eingriff eines Tagebaues in das naturräumliche Gefüge ist mit keiner der vorangegangenen Veränderungen vergleichbar. Die natürlichen Lebensgrundlagen wie Boden, Wasser und Vegetation sowie ihre Funktionen gehen, wenn auch nur zeitweise, so doch großflächig verloren. Zusätzlich entstehen durch die großräumige Grundwasserabsenkung auch Einflüsse auf den Naturhaushalt außerhalb des Abbaugebietes. Gleichzeitig liefert die postmontane Bergbaufolgelandschaft für die Entwicklung einer artenreichen Naturausstattung in einer überwiegenden Kulturlandschaft einzigartige Bedingungen. In den Braunkohlen- und Sanierungsplänen, als Teile der Regionalplanung, sind nach Abwägung aller Interessen auch die Ziele und Grundsätze der Wiedernutzbarmachung und zur Gestaltung der Bergbaufolgelandschaft definiert.

Bei der Wiedernutzbarmachung steht heute eine lausitztypische forstwirtschaftliche Rekultivierung eines Mischwaldes mit verschiedenen Kiefern- und Eichenarten im Vordergrund. Seit 1994 wurden auf dem Bergbaufolgeland Nochten mehr als zwölf Mio. Bäume gepflanzt sowie rund 120 km Wege und Straßen angelegt. Ziel ist die Schaffung von Voraussetzungen für die Entwicklung einer mehrfach nutzbaren Landschaft, die land- und forstwirtschaftlichen Betrieben ebenso Platz bietet wie dem Erholung suchenden Menschen und verdrängten Pflanzen- und Tierarten.

Nach der Kippenaufschüttung werden die Kippbodensubstrate kartiert und deren Standortverhältnisse festgestellt, sie dienen als Grundlage der standortgerechten Aufforstung (Abb. 34). Etwa 15 % der Nochtener Bergbaufolgelandschaft werden für den Naturschutz vorgehalten. Hierzu gehört die Schaffung des ca. 300 ha großen Hermannsdorfer See im südöstlichen Innenkippenbereich. Seit 2005 wird der Seeboden vorbereitet und Ende 2017 soll mit der ca. fünf bis sieben Jahre andauernden Flutung des 250 ha großen und maximal 25 m tiefen Sees begonnen werden.

Abb. 39: Forstliche Rekultivierung des Braunkohletagebaus Nochten am Exkursionspunkt 9 Tagebau Nochten. a) Kartierung der Kippsubstrate zur Bestimmung der Standortverhältnisse und b) Bepflanzungsplan. Graphik Vattenfall Europe Mining AG aus KUPETZ & KUPETZ (2009).

Abb. 40: Profil am Exkursionspunkt 9 Tagebau Nochten (Foto Fiencke, 2016).
 

 

Exkursionspunkt Nochten Braunkohlerekulivierungsfläche (Foto: Fiencke, 2018)