Jungmoränenlandschaft Raum Bad Tölz und Nördliche Kalkalpen – Übersicht

Die Exkursionsgebiete Alpenvorland der Kalkalpen im Raum Bad Tölz liegt im Bundesland Bayern im Regierungsbezirk Oberbayern und Landkreis Bad Tölz, Wolfratshausen. Es ist Teil der Großregion „Deutsches Alpenvorland“ und gehört dort zu der naturräumlichen Gliederung Subalpines Jungmoränenland, genauer zur Naturraum-Haupteinheit Voralpen Moor- und Hügelland und der Naturraum-Einheit Ammer-Loisach Hügelland (BfN, 2010; LfU, 2018). Die würmeiszeitlichen End- und Grundmoränen des Isarvorlandgletschers haben im Oberlauf der Isar eine stark reliefierte Landschaft geschaffen, die etwa bis 900 m ü.NN ansteigt. Nach der kulturlandschaftlichen Gliederung wird es zur Landschaft Pfaffenwinkel gestellt und orientiert sich an der Lage und dem Einflussbereich der bedeutenden zwölf Klöster u.a. das Kloster Benediktbeuern und Kirchen zwischen Lech, Ammersee, Starnbergersee und Gebirge (LfU, 2013c). Zwischen den Kuppen und Moränenwällen liegen zahlreiche Seebecken, die häufig ganz oder teilweise vermoort oder verlandet sind. So befindet sich am Rande des Klosters Benediktbeuern das Loisach-Kochelsee-Moor im Einflussbereich der Loisach.

Abb. 72: Lage des Exkursionsgebiets Alpenvorland der Kalkalpen, Raum Bad Tölz (EHRHARDT ET AL., 2017).

Die Höhenlage und die Stauwirkung der nahen Alpen bedingen ein kühles und feuchtes Klima. Etwas 40 km westlich vom Exkursionspunkt Klostergarten Benediktbeuern liegt eines von zwölf Klimareferenzstationen, die Station Hohenpeißenberg (977 m NN), des Deutschen Wetter Dienstes im gleichen Naturraum (DWD, 2000). Die Jahresmitteltemperatur betrug in den Jahren 1981-2010 7,9 °C und die mittlere Niederschlagssumme 1180 mm. Auf dem Hohenpeißenberg herrschen deutliche wärmere Bedingungen und niedrigere Niederschläge als auf anderen Bergen Deutschlands vergleichbarer Höhe (Fricke, 1997). Ein wesentlicher Grund hierfür sind die Föhnlagen im Lee der Alpen.

Die unterschiedlichen Höhenlagen mit Hügeln und Senken bestimmen den Landschaftscharakter. Aufgrund der kleinräumig stark wechselnden Standorte, ergibt sich eine enge Verzahnung von Trocken- und Feuchtstandorten. Charakteristisch sind kleine abflusslose Toteislöcher mit unterschiedlichen Verlandungsstadien und einer Vielzahl einzelner Moore (BfN, 2012). Das Gebiet zählt zu den moorreichsten Gebieten in ganz Mitteleuropa (LfU, 2013c). In dem Gebiet hat sich ein hoher Waldanteil von ca. 55 % im Landkreis Bad Tölz, Wolfratshausen erhalten (Statistische Ämter des Bundes und Länder, 2017), dieser wird durch einen hohen Laubwaldanteil bestimmt. Die landwirtschaftlich genutzten Flächen (ca. 30 %) sind häufig sehr kleinstrukturiert. Im südlichen Teil der Landschaft dominiert auf feuchten Böden die Grünlandnutzung, begünstigt durch hohe Niederschläge. Im südlichen Teil dominiert Ackerbau. Aus den naturräumlichen Gegebenheiten hat sich die Struktur der Besiedlung angepasst. Es überwiegen Streusiedlungen, Weiler und Einödbauernhöfe auf den Kuppen und Hängen der Grundmoränen (LfU, 2013c).

Das Auffälligste am Pfaffenwinkel ist die enorme Dichte an Kirchen, (ehemaliger) Klöster und Wallfahrtsorte hohen Alters z.B. das Kloster Benediktbeuern aus dem Jahr ca. 730. Vor der Rodungs- und Besiedlungswelle durch die Klostergründungen herrschten fest begrenzte, gemeinschaftliche Viehweiden vor. Die Beweidung von Laubwäldern führte zu einer zunehmenden Auflichtung und schließlich zu einer Ausbildung von parkartigen Landschaften und die Kalkmagerrasen werden nur noch von einzelnen Hutebäumen überbestanden, diese Landschaft nennt man Hardtlandschaften. Die Klöster verliehen dann als Grundherren den bäuerlichen Höfen gemeinschaftliche Nutzungsberechtigungen von Wald, Weide, Wasser und Weg, die als Allmende bezeichnet wird. Im Pfaffenwinkel wurden überwiegend Rinder und Pferde gehalten. Mit der Agrarreform um ca. 1750, die auf die steigende Bevölkerungszahl und zunehmenden Nutzungsdruck reagierte, führte zu der weitgehenden Aufteilung der Allmende und Überführung in Privatbesitz verbunden mit großflächigen Moorentwässerung und verstärktem Torfabbau.

Die würmeiszeitlichen Grundmoränen des Isargletschers bestimmen das Relief der voralpinen Hügel- und Moorlandschaft (LfU, 2013c). Zwischen Kuppen und Moränenwällen liegen zahlreiche kleine Seebecken, die häufig ganz oder teilweise vermoort bzw. verlandet sind. Nur an wenigen Stellen heben sich tertiäre Molasseschichten heraus, die sich zu langen, von Westen nach Osten streichenden, harten Schichtrippen aufgefaltete haben (Faltenmolasse). Zu diesen den Alpen vorgelagerten Einzelerhebungen gehört der Hohepeißenberg. Am südlichen Rand des Pfaffenwinkels bilden die dicht bewaldeten, runden Gipfel und Rücken der Flyschzone einen breiten Saum vor den bayrischen Kalkvoralpen (Abb. 73). Flysch ist jedoch nur in wenigen Bereichen aufgeschlossen. Meist sind sie un­ter mächtigen pleistozänen Schotterdecken verborgen.

Abb.73: Geologische Übersicht von Oberbayern mit eingezeichnetem Exkursionsgebiet 16 im Alpenvorland im Ammer-Loisach-Hügelland.

Abb. 74 u. 75: Geologische Karte Landkreis Bad Tölz Wolfratshausen (Datengrundlage Geologische Karte von Bayern 1: 500.000) nach LfU (2016).

Die Gebiete der Voralpen wurden während der Eiszeiten stark überprägt, und teilweise von mächtigen Eisdecken bis 900 m ü. NHN. überlagert. Im Gletschervorland herrschte intensive Frostverwitterung und Solifluktion, was die Bildung von bis zu 4 m mächtigen Hangschuttdecken ermöglichte. Bis heute sind anhaltende Massenver­la­gerungen (Fließvor­gänge und Rutschungen) im Bereich der kalkig-mergeligen Ge­steins­serien bzw. ihrer Verwitterungsdecken charakteristisch (Langshausen et al., 2001). Im Bereich Exkursionspunktes 16 Klostergarten Benediktbeuern treten vorwiegend holozäne Ausgangsubstrate in Form von Auenablagerungen der Loisach und polygenetische Talfüllungen sowie Schwemmfächer und Schuttkegel aus Material der angrenzenden Flyschzone bzw. Kalkvoralpen auf (Abb. 74).

Über dem nach Süden abtauchenden vortertiären Untergrund liegen mehrere Deckenstapel der Kalkalpen: Allgäu-, Lechtal und Inntaldecke (Ab.75). Direkt an die Flyschzone grenzt die Stirnfront der Allgäu-Decke, diese bildet die Grenze des Kalkalpin zum Flysch (Abb. 64, 65). Die Randschuppenzone der Allgäu-Decke besteht aus kreidezeitlichen (Cenoman) Gesteinsserien aus Sandsteinen, Mergeln und Konglomerate (Abb. 64). Die Allgäu-Decke selbst, die das südwestlich angrenzende Ammer- und Estergebirge bildet, besteht überwiegend aus Hauptdolomit und Plattenkalk der Trias (Abb. 76). Die im Süden an das Kloster Benediktbeuern anschließende Kochler Berge wird mit der Benediktenwand (1801 m NN) dagegen aus Wettersteinkalk der triaschen Lechtal-Decke gebildet.

Abb. 76: Geologischer Schnitt durch die Nördlichen Kalkalpen und ihr Vorland vom Karwen­del­gebirge bis Wolfrats­hausen. – Nach Doben aus Erl. GÜK 500 (GLA 1981).Die flachliegenden tertiären Molasseschichten im Norden werden nach Süden hin durch die sich aufschiebenden alpinen Deck­en verfaltet. Über dem nach Süden abtauchenden vortertiären Untergrund liegen mehrere Deckenstapel der Kalkalpen (Allgäu- u. Lechtal-Decke sowie Inntal-Decke = Karwendel). Zwischen Faltenmolasse und Kalkalpen sind die schmalen Zonen der Helvetischen Kalke und der Flyschmergel einge­schuppt (Meyer & Schmidt-Kaler, 1997).

Im Hügelland hat sich abhängig vom jeweiligen Untergrund ein Mosaik an Böden herausgebildet. Auf den Grundmoränen, Seetonen und Molassegesteinen überwiegen schwere lehmige Kiesböden, während auf den Endmoränen und in den Talrinnen leichtere Sand-, Kies- und Schotterböden zu finden sind. In Folge des hohen Niederschlags und des verbreitet undurchlässigen Untergrundes sind in Mulden und Senken anmoorige Böden und Moorböden weit verbreitet (LfU, 2013c). Bedingt silikatreichen Ausgangsgesteine sind die Böden auf diesen Substraten durch Verbraunung, Verlehmung und Versauerung gekennzeichnet. Die weit­räumig entstandenen Braunerden sind stark versau­ert, weisen im tieferen Unter­boden jedoch erhöhte Basensättigungen auf. Neben den Braunerden kommen alle Varianten von Parabraunerden aus Geschiebe­lehmen/-mergeln über Kalkschottern vor, die häufig wegen der geringmächtigen Moränen­decken und ausgeprägter Erosion häufig stark degradiert sind. Bei zeitweiliger Wasser­sättigung spielen Vergleyung und Humusaufbau eine große Rolle für das Bodengefüge und für den Nährstoffhaushalt. Grund- und Stau­wasser­böden sind auf mergeligen Substraten weiträumig verbreitet, Pseudo­vergleyung tritt in der Regel auf tonreichen Böden auf (Ewald & Binner, 2006).