Münchberger Gneismasse und Fichtelgebirge – Übersicht

Lage der Exkursionsgebiete und naturräumliche Gliederung

Die Exkursionsgebiete Münchberger Gneismasse und Fichtelgebirge liegen im Bundesland Bayern, Regierungsbezirk Oberfranken und in der Großregion „Deutsche Mittelgebirgsschwelle“ im Thüringisch-Fränkischem Mittelgebirge und gehören dort zu der naturräumlichen Gliederung Münchberger Hochfläche und Fichtelgebirge (Abb.a.). Die Landschaft ist Teil der geographischen Groß­landschaft Frankenwald, Fichtelgebirge und Vogtland. Die Wasserscheide Main/ Saale teilt das Gebiet in zwei weitere Teillandschaften. Östlich der Wasserscheide liegen das Einzugsgebiet der Sächsischen Saale und eine hügelige Hochfläche. Westlich liegen das Einzugsgebiet des Mains und die tiefeingeschnittenen Kerb- und Sohlentäler mit einer ausgeprägten Mittelgebirgslandschaft.

Abb.a Lage des Exkursionsgebietes Münchberger Gneismasse und Fichtelgebirge (Ehrhardt Et Al, 2017)

Die Münchberger Hochfläche ist eine wenig reliefierte und wenig von Tälern zerteilte Grundgebirgshochfläche mit weiten und flachen Mulden zwischen niedrigen Kuppen und einer mittleren Höhe von 600 m ü NN (LfU, 2013a). Das Fichtelgebirge zeigt dagegen eine ausgeprägte Mittelgebirgslandschaft mit einem stark bewegten Relief. Die höchsten Erhebungen sind der Schneeberg mit 1.051 m und der Ochsenkopf (1.024 m). Die Höhenlage reicht von 400 bis 1.000 m ü NN (LfU, 2013a).

Klima im Exkursionsgebiet

In der Münchberger Hochfläche herrscht ein feucht kühles Mittelgebirgsklima mit Niederschlägen von 850 – 950 mm pro Jahr, nach Osten bis auf 750 mm abhnehmend und einer kühlen Jahresmitteltemperatur von 6 – 7 °C, bedingt durch Exposition und trockenkalte Nordostwinde im Frühjahr und Winter (LfU, 2013a).

Das Fichtelgebirge stellt zusammen mit dem Oberpfäler Wald eine Klimascheide dar, die den Übergang zwischen maritimer (atlantischer) und kontinentaler Prägung bildet (Peterek & Zech, 2011). Das Klima im Fichtelgebirge ist durch eine deutliche West-Ost Zonierung gekennzeichnet. Am westlichen Steilaufstieg beträgt die Niederschlagsmenge knapp 1.000 mm (LfU, 2013B), in Bischofsgrün wird ein langjähriges Niederschlagsmittel von 1215 mm in den Jahren von 1981 – 2010 erreicht (DWD, 2017). Es liegt ein raues, kühles Klima mit einer mittleren Jahrestemperatur von ca. 6 °C vor (LfU, 2013B).

Vegetation und Nutzung in Sachsen

Der Regierungsbezirk Oberfranken (Bayern) der Exkursionspunkte in der Münchberger Gneismasse und des Fichtelgebirges hatte 2015 einen Anteil von ca. 43,1 % landwirtschafltich genutzter Flächen, 41,3 % Waldfläche und 12,0 % Siedlungs- und Verkehrsfläche (Statistische Ämter des Bundes und Länder, 2017).

Die Münchberger Hochfläche besitzt im Gegensatz zum Fichtelgebirge jedoch nur einen geringen Waldanteil und vielfach Fichtenmonokultur durch Aufforstung von ehemaligen Weideflächen (Hutungen) (LfU, 2013a). Auf Bergrücken und Kuppen finden sich Reste von Laubwäldern und ursprünglichen Mischwäldern aus Tanne, Buche, Eiche und Kiefer. Eine planmäßige Besiedlung der Landschaft erfolgte zur Zeit der hochmittelalterlichen Rodungsperiode. In dieser Zeit wurde die Hochfläche fast flächendeckend entwaldet und landwirtschaftlich nutzbar gemacht. Die heutige Kulturlandschaft stellt eine weite, intensiv genutzte Agrarlandschaft dar, die von Waldresten durchsetzt ist. Wälder haben sich als Reste einstiger Bestockung auf Hügelkuppen und entlang der Gewässer und Weiher erhalten. Als charakteristische Landnutzungsformen haben Ackerbau und Viehwirtschaft eine hohe Bedeutung. Das flache Relief und die mäßig ertragreichen Böden begünstigen den Landbau. Bedingt durch das raue Klima wurden und werden vor allem Kartoffeln, Roggen und auf den besseren Böden auch Weizen und Gerste angebaut. Viehwirtschaft (traditionell auch viel Ziegen- und Schafhaltung) fand auf den für den Ackerbau ungeeigneten Flächen statt (LfU, 2013a). Für die Vielfalt der Arten und Lebensräume sind die Diabas- und Serpentinfelsen, die Hutungswälder z.b. bei Haidberg bedeutsam. Die Serpentinstandorte am Haidberg sind ein Natura 2000 Gebiet (eine offizielle Bezeichnung für ein Netz von Schutzgebieten, das innerhalb der Europäischen Union nach den Maßgaben der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie errichtet wird). Sein Zweck ist der länderübergreifende Schutz gefährdeter, wildlebender, heimischer Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume. Am Haidberg hat sich ein artenreicher montaner Borstengrasrasen ausgebildet (LfU, 2015a). Insgesamt ist die Vegetation der Münchberger Gneismasse sehr artenarm. Natürlicherweise kämen beerkrautreiche Fichten-Tannwälder und Mischwälder mit Buchen und Eichen vor, außerdem Hochmoore und Schwarzerlenbrüche.

Das Fichtelgebirge ist durch dichte Wälder mit kleinflächig offenen Bereichen der Felsen, Moore und Feuchtgebiete charakterisiert (LfU, 2013B). Nur wenige Siedlungen durchbrechen die weithin geschlossene Waldlandschaft. Charakteristisch für die Kulturlandschaft im Hohen Fichtelgebirge sind Waldwiesen und rundliche Rodungsinseln (z.B. Bischofsgrün), die als Relikte der früheren Nutzungs- und Rodungstätigkeit erhalten geblieben sind. Für die Ausprägung der heute sichtbaren Kulturlandschaft waren die reichen Bodenschätze und der Waldreichtum der Region von entscheidender Bedeutung. Rohstoffe wie Erz (Gold, Silber, Zinn, Eisen), Werkstein (Granit, Diabas, Proterobas), Bergkristall (Weißenstadt) und Tone wurden bis ins Mittelalter und zeitweise auch noch bis ins 20. Jahrhundert in weiten Teilen der Region gefördert. Als typische Kulturlandschaftselemente finden sich noch Steinbrücke, Tongruben und Bergwerksrelikte in Form von Pingen und Stollen in der heutigen Kulturlandschaft. Gekoppelt an die Rohstoffvorkommen und rege Abbautätigkeit hat sich damals eine ausgeprägte weiterverarbeitende Industrie wie z.B. Glasmanufakturen, Metallverarbeitungsbetriebe sowie Porzellanmanufakturen gebildet. Der Waldreichtum war aufgrund des hohen Energiebedarfs entscheidend für die Entwicklung, der auf Rohstoffen gestützten Industrien.

Die intensive Waldnutzung, vor allem die Köhlerei führte zu einem sehr raschen Waldschwund und Holzmangel, so dass bereits im 16. Jhd. eine Waldordnung erlassen wurde. Die ursprüngliche Vegetation war geprägt durch die Vorherrschaft der Buche (Fagus sylvatica) und eine fast vollständig geschlossene Walddecke (Peterek & Zech, 2011). Heute bildet der Fichtenforst die neue „natürliche Vegetation“, denn eine Rückkehr zum Laubwald ist durch die tiefgreifenden Veränderungen des Bodens nicht ohne weiteres möglich. Es entsteht der Eindruck von nordischen, borealen Nadelwäldern mit ausgedehnten Beständen an Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus), Preiselbeeren (Vaccinium idaea), Rippenfarn (Blechnum spicant) und Drahtschmiele (Deschampsia flexuosa) im Unterwuchs. Ab etwa 700 m tritt das Wollige Reitgras (Calamagrostis villosa) oftmals in Massenbeständen auf, eine stark deckende verjüngungshemmende Grasart. Es fehlen viele im Westen Deutschlands vorkommende ozeanische Arten (Zech et al., 1991).

Bedingt durch das raue Klima und die ungünstigen Bodenverhältnisse war eine landwirtschaftliche Nutzung nur eingeschränkt möglich. Ackerbaulich genutzt wurden trockenere Hügellagen. Anbaukulturen waren anspruchslose Gemüse- und Getreidearten wie Kohl, Rüben, Kartoffeln, Hafer und Gerste. Heute gewinnt der Anbau an Energiepflanzen, besonders Raps und Mais, an Bedeutung. Das Fichtelgebirge stellt eine traditionelle Erholungslandschaft dar. Die vermittelnde Lage des Fichtelgebirges zwischen den angrenzenden Gebirgszügen und Naturräumen bedingt einige hohe natürliche Vernetzungsfunktion und Biodiversität. Das Fichtelgebirge ist Teil des Naturparks Fichtelgebirge und umfasst fünf FFH-Gebiete (Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden und dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitaten) dienen).

Überblick Geologie im Gebiet der Münchberger Gneismasse und Fichtelgebirge

Die Münchberger Gneismasse und das Fichtelgebirge sind samt ihrer Umrahmung Teile des paläozoischen Sockels Oberbayerns, der im Westen an der Störungszone der Fränkischen Linie gegenüber dem mesozoischen Vorland herausgehoben ist (Spies, 1991, Abb. 60, Abb. 61). Das Fichtelgebirge und die Münchberger Gneismasse sind Teil der Varzisziden und in der variszischen Orogenese, als Resultat aus der Kollision von kleineren Mikrokontinenten mit dem Kontinent Laurussia und dem nachfolgenden Zusammenschluss nahezu aller Kontinentalplatten zum Großkontinent Pangäa, im Devon und Karbon entstanden. Die Varisziden ziehen sich in einem bis zu 2.000 km breiten Gürtel durch Europa. Eine Zone mit hochmetamorphen Gesteinen (Interniden) bildet das Zentralgebiet des variszischen Gebirges. In der Spätphase der orogenen Entwicklung entstanden durch Aufschmelzen der durch die Orogenese verdickten kontinentalen Krusten große Mengen granitischer Schmelzen, die heute in den Gebieten der zentralen Zone aufgeschlossen sind. Die Kossmat’sche (1927) Gliederung der mitteleuropäischen Varisziden in Rhonoherzynikum, Saxothuringikum und Moldanubikum ist noch gültig und wurde um die Mitteldeutsche Kristallinzone ergänzt (Meschede, 2015). Die Modellvorstellung für die Entwicklung des variszischen Gebirges ist dagegen noch uneinheitlich. Das Saxothurinigkums ist hauptsächlich im Thüringisch-Vogtländischen Schiefergebirge, im Fichtelgebirge und Erzgebirge vertreten. Es ist sehr heterogen zusammengesetzt und besteht aus Gesteinen des späten Proterozoikums bis zum Unterkarbon, die in der Regel stark verfaltet und verschiefert und z.T. metamorph überprägt sind. Bei der variszischen Kollision kam es zu Deckenüberschiebungen von Einheiten aus dem Moldanubikum auf das Saxothurinigkum. Eine solche Decke ist die Münchberger Gneismasse, die eigentlich zum Moldanubikum gehört, heute jedoch allochthon auf dem Saxothuringikum liegt. Die Münchberger Gneismasse ist allseitig von Störungen umgeben und liegt mit ihren z.T. hochmetamorphen kristallinen Serien auf wenig bis nicht metamorphen Gesteinseinheiten des Saxothuringikums (Abb. 61).

Im Bereich des Saxothoringikums werden zwei sedimentäre Faziesräume unterschieden, die sich auf die gesamte paläozoische Abfolge vom Kambrium bis zum Unterkarbon beziehen. Nach der sedimentären Fazies, der Verteilung magmatischer Gesteine, sowie nach der tektonischen Prägung und Metamorphose werden, die Thüringer Faziesreihe (im Frankenwald und Fichtelgebirge) und die Bayrische Faziesreihe (im südlichen Frankenwald und im westlichen Vogtland) unterschieden. Die Thüringische Fazies fasst eine mehrere Tausend Meter mächtige Abfolge von zunächst flachmarinen und später tiefermarinen Abladerungen zusammen und ist im Saxothuringikum weit verbreitet. Die Bayerische Fazies ist mit etwas gröberen klastischen Sedimenten insgesamt etwas küstennäher anzusiedeln als die Thüringische Fazies und beschränkt sich auf die Umrandung der Münchberger Gneismasse.

Abb. 60 Geologische Übersichtskarte des Sächsisch-Thüringschen und Nordbayrischen Grundgebirges. Z.M.T  Zone von Tischrenreuth Mähring nach Walter (1995).

Abb. 61 Schematischer Profilschnitt durch das Saxothüringikum entlang einer Linie durch das Fichtelgebirge und den Thüringer Wald Meschede (2015)

Geologie Münchberger Gneismasse

Die Münchberger Gneismasse mit ihrer metarmorphen Umrandung stellt eine Besonderheit dar, die sich von Hof in Oberfranken ungefähr 30 km nach Südwesten erstreckt und ringsrum von Gesteinen des Saxothuringikums umgeben ist (Abb. 29, 31). Die variszische Orogenese wurde entsprechend dem Ort der ersten Erforschung nach dem lateinischen Namen der Stadt Hof (Curia variscorum) genannt. Die Münchberger Gneismasse wird als metamorphe Einheit, ein tektonischer Deckenstapel, auf den deutlich geringer metamorphen Gesteinen, angesehen. Der Metamorphosegrad des Gneises nimmt in der Münchberger Decke von unten nach oben zu. Die metamorphe Umrandung besteht vor allem aus Phylliten und Prasiniten (grünschieferfaziell überprägte hochdruckmethamorphe Basalte) (Meschede, 2015). Noch etwas höher metamorphe, ordovizische Metasedimente und Amphibolite bilden die Randamphibolite, die von den höchsten metamorphen Einheiten mit präkambrischen und kambrischen Orthogneis und hochdruckmethamorphen Glimmerschiefern, Eklogiten und Granat-Amphiboliten überlagert werden. Die metamorphe Überprägung erfolgte im Devon und Unterkarbon (Abb. 62).

Während Trias, Jura und Kreide war das nordostbayrische Grundgebirge zumindest zeitweise Sedimentationsraum (Spies, 1991). Die meoszoischen Gesteine wurden durch die schrittweise Hebung des Grundgebirges östlich der Fränkischen Line später vollständig abgetragen. Die Hebung war bereits in der Oberkreide aktiv und setzte sich im Jungtertiär fort. Anders als im Fichtelgebirge sind keine tertiären Sedimente vorhanden. Als Zeugen dieser Zeit sind jedoch die intensiven und z.T. sehr tiefreichenden Verwitterungsbildungen (Saprolith) auf den paläozoischen Gesteinen erhalten. Zahlreiche Bohrungen belegen Saprolithe von 20 – 40 m Mächtigkeit. Die Zeit der intensiv tropisch-subtropischen Verwitterung lag vor dem Miozän. Die erhaltenen Verebnungsflächenreste entstammen einer altpliozänen Einebnung. Spätteritäre und pleistozäne Abtragungen haben das alte Verwitterungsprofil geköpft, so dass nur geringmächtige Relikte erhalten sind. Tertiäre Verwitterungsrelikte sind östlich der Wasserscheide Main/Saale zu finden, da das Entwässerungssystem des Mains ein deutlich größeres Gefälle aufweist und somit erosionsbegünstigt ist. Daher finden sich im Einzugsgebiet des Mains tief, bis in das unverwitterte Gestein eingeschnittene Flussläufe und eine typische Mittelgebirgslandschaft und im Osten eher eine flachwellige Landschaft.

Abb. 62 Geologische Übersichtskarte der Münchberger Gneismasse und der angrenzenden Regionen (Meschede, 2015) mit Lage der Exkursionspunkte rot= Zell, gelb=Schweinsbacher Sattel

Geologie Fichtelgebirge

Das Fichtelgebirge gehört als westlicher Teil der Böhmischen Masse dem variszischen Grundgebirge an und ist aus verschiedengradig metamorphen, überwiegend paläozoischen ??? aufgebaut. Die ältesten anstehenden Gesteine des Fichtelgebirges werden heute ins jüngere Präkambrium (vor etwa 750 – 800 Mio. Jahren) gestellt. Zu dieser Zeit war das Gebiet von Meer bedeckt. Flüsse transportierten Abtragungsmaterial aus heute nicht mehr vorhandenen umliegenden Gebirgen vor die Küsten, wo es sich in Form von Ton- und Sandschichten ablagerte. In einer Zeit geringer Meerestiefe kamen zwischendurch auch Kalke zur Ablagerung. Aufgrund regionaler Vergleich werden die Sedimentgesteine mit der Thüringischen Fazies korreliert (Meschede, 2015). An der Wende Präkambrium – Kambrium (ca. 570 Mio. Jahre) wurden die Schichten verfaltet und als neues Gebirge aus dem Meer herausgehoben. Durch die hohen Drücke und Temperaturen während der Gebirgsbildung, vor allem der späteren Hauptge­birgs­bildung im Oberkarbon, wurden die Gesteine metamorphisiert, d.h. in ihrem Stoffbe­stand und Gefüge verändert. So entstanden aus Tonen Phyllite und Glimmerschiefer, aus Sanden Quarzite und aus den Kalken der Wunsiedler Marmor. Dieses Gebirge wurde durch Abtragungstätigkeit (Erosion) eingeebnet und sank im Kambrium wieder unter den Meeresspiegel ab. Im Oberkarbon (vor 285 Mio. Jahren) wurde das Gebiet sowie fast alle mitteleuropäischen Mittelgebirge im Zuge der variszischen Gebirgsbildung (Orogenese) verfaltet und vermutlich als Hochgebirge herausgehoben. Dabei wurde das Fichtelgebirge von der Münchberger Gneismasse überfahren, die heute als Decke auf dem Saxothuringikum liegt. Mit der Gebirgsbildung drangen im Fichtelgebirge in mehreren Schüben glutflüssige Schmelzen von unten in den Faltenbau ein und erstarrten tief unter der damaligen Erdoberfläche zu den heutigen Graniten. Dabei kam es am Kontakt zum Nebengestein durch die große Hitze zu Mineralumwandlungen (= Kontaktmetamorphosen). Pegmatische Restschmelzen erfüllten die Spalten im abgekühlten Granit und führten zu herrlich ausgebildeten Mineralstufen. Mit der Heraushebung des Gebirges begann gleichzeitig die Abtragung und langsame Einebnung. Vermutlich im Rotliegenden (vor ca. 260 Mio. Jahren) traten erneut einzelne vulkanische Aktivitäten auf, jedoch beruhigte sich die Erdkruste zusehends. Wahrscheinlich ist das Fichtelgebirge seit der Trias (vor 225 Mio. Jahren), von einigen möglichen kurzzeitigen Meeresüberflutungen abgesehen, bis heute Festland geblieben. Im Jungtertiär (vor 2 – 26 Mio. Jahren) setzte wiederum eine Zeit tektonischer Unruhen ein, in die auch die Endphase der Alpenbildung fällt. Vermutlich im oberen Miozän (vor ca. 10 Mio. Jahren) brachen Basaltschmelzen vor allem in der nördlichen Oberpfalz zur Erdoberfläche durch und erstarrten in Schloten und Deckenergüssen. Das heutige Landschaftsbild entstand erst im Jung-Pliozän (vor ca. 5 Mio. Jahren). Damals hoben sich Frankenwald, Münchberger Gneismasse, Fichtelgebirge und der nördliche Oberpfälzer Wald entlang der fränkischen Linie, einer schon früh entstandenen Verwerfungslinie, heraus. Diese Hebungen verursachten eine Zunahme der Erosionstätigkeit; die Flüsse schnitten sich tief in das schon verebnete Gebirge ein und schufen so die heutigen Oberflächenformen.

Zusammengefasst beginnt die altpaläozoische Stratigraphie mit einer Folge von Quarziten und quarzitisch gebänderten Glimmerschiefern. Darüber liegen Chlorit-Albit-Phyllite, abge­löst durch eine Phyllit-Grauwacken-Folge. Den Abschluss der kambrischen Serie bilden wieder Quarzite, quarzitisch gebänderte Phyllite und Grauwacken. Neben diesen Meta­mor­phiten finden sich im Fichtelgebirgsraum Granite und lokal begrenzt Basalte, die durch ter­tiären Vulkanismus gefördert wurden. Im Tertiär kam es unter tropischen Klimabe­dingungen zur Ausbildung einer Rumpfflächenlandschaft mit Inselbergen und tiefgründiger kaolinitischer Verwitterung. Geomorphologisch wurde das Fichtelgebirgsrelief schließlich im Quartär durch solifluidalen Bodenabtrag und Zertalung geprägt. Dabei erodieren die mächtigen tropischen Verwitterungsdecken zum größten Teil. Nur einzelne Kaolinitlager zeugen heute noch von der tropoiden Verwitterungsgeschichte (Zech et al., 1991).

Böden der Münchberger Gneismasse und des Fichtelgebirges

Auf der Münchberger Hochfläche treten periglaziale Deckschichten als Ausgangssubtrate der Böden auf. Diese weisen beiderseits der Wasserscheide deutliche Unterschiede in der Ausbildung auf (Spies, 1991). Östlich der Wasserscheide sind nur die Kuppen, Rücken und Oberhangbereiche ausschließlich mit einer 36 m mächtigen Hauptlage bedeckt. Ihre Bodenart ist von der Art der Ausgangsgesteine und der Intensität der Vorverwitterung abhängig. Es treten alle Übergänge von lösslehmhaltigem Schutt bis skelettfreien Feinerdesubstraten auf, die bei entsprechender Unterlage vom schwach schluffigen Sand bis lehmigem Schluff oder schluffigem Lehm reichen. Auf den Mittelhängen sind verdichtete, stauende Fließerden unter der Hauptlage weit verbreitet und eine Mittel- und Basislage zu erkennen. Im Unterhang- und Talbodenbereich werden die Fließerden mächtiger und es finden sich z.T. kolluviale Sedimente über den Fließerden. Westlich der Wasserscheide sind verdichtete Fließerden weniger verbreitet. Meist treten sehr skelettreiche Fließschutte auf, deren Grobkomponenten deutlich in Hangrichtung oberflächen-parallel eingeregelt sind. So treten skelettreiche Hauptlagen auf, die erst im Mittel- bis Unterhangbereich von meist feinerdearmen, kaum verdichteten Basisschutten unterlagert werden. Meist ist unterhalb der Hauptlage nur eine geringmächtige lösslehmhaltige Übergangslage zur Basislage vorhanden.

Im Gebiet der Münchberger Hochfläche sind vorwiegend Braunerden anzutreffen. In stärker geneigtem Gelände sind mittel- bis flachgründige Braunerden typisch, die unter Nadelwald podsoliert sind. Sorptives Vermögen und Feuchtespeicherung sind gering ausgebildet. In den Tälern kann es durch erhöhte Schluff- und Tonfraktionen und einhergehender Bindigkeit zur Pseudovergleyung und Staunässe kommen. Aufgrund der stärkeren Bindigkeit dieser Böden ist eine höhere Filterkapazität vorhanden (Grüneberger & Ziesel, 2014). Da vor allem in den Metabasiten und Serpentiniten der Münchberger Masse hohe Gehalte an Nickel (< 8.000 mg/kg), Chrom und Kobald aufweisen, treten in den daraus entstandenen Böden hohe Gehalte an Schwermetallen auf (StMUGV & ISB).

Die Böden des Fichtelgebirges entstanden hauptsächlich aus den Gesteinen Phyllit, Granit und Gneis. Daraus entwickelten sich in den tieferen Lagen vorwiegend nährstoffarme Braunerden und in den Hochlagen Podsole. Neben Übergangsformen zwischen diesen beiden Typen kommen kleinstandörtlich auch hydromorphe Böden vor. Aufgrund solifluidaler Prozesse im Quartär weisen die Bodenprofile häufig eine typische Schichtung mit deutlich hangparallel eingeregeltem Skelett im unteren Profilteil auf, die als Durchwurzelungshindernis und Wasserstauer wirken. Auf tertiären Basalten entstanden nährstoffreiche, produktive Braunerden, die ebenfalls zum Teil hydromorphe Merkmale aufweisen. Infolge der hohen Niederschläge kommt es an geomorphologisch geeigneten Stellen wie Sätteln und Mulden auch zu natürlicher Moorbildung. Allerdings sind die Moore heute weitgehend entwässert und abgetorft. Das am besten erhaltene Hochmoor ist trotz vieler Veränderungen das Fichtelseemoor in einer 45 ha großen Mulde des Sattels zwischen Ochsenknopf und Schneeberg. Aus Sicht der forstlichen Standortkunde werden drei Hauptgruppen der Bodenbildung unterschieden: Lockerböden (steinig, grusige Lehme aus Granit; steinig, schluffige Lehme aus Schiefer), Böden mit verfestigtem Untergrund (Fließerden) und Wasser­über­schuss­böden (Hanggleye, Anmoorgleye und Moore). Aufgrund der knappen Basenversorgung der nicht aus Basalten hervorgegangenen Böden, insbesondere verstärkt durch den bis in die 1990er Jahre starken atmogenen Säureeintrag, ist die Mg-Versorgung der Waldbäume häufig mangelhaft. Auf den armen Hochlagenstandorten waren insbesondere Vergilbungssymptome an den älteren Fichtennadeln als charakteristisches Symptom des Mg-Mangels großflächig verbreitet. Diese Störungen führten zum Absterben ganzer Bestände, speziell in den Hochlagen. Die N-, P- und K-Versorgung der Waldböden ist in der Regel ausreichend, z. T. üppig. Das gilt mit Ausnahme von Zn im Allgemeinen auch für die Versorgung von Spurenelementen. Mit dem Ziel der Verbesserung der Nährstoffversorgung wurden im Zuge der Restablilisierungsmaßnahmen der geschädigten Fichtelgebirgswälder in den 1980er und 1990er Jahren umfangreiche Düngungs- und Kalkungsmaßnahmen durchgeführt. Die ackerbauliche Nutzung der im allgemeinen erstragsarmen Böden beschränkt sich auf den Anbau von Sommerfrüchten (Sommergerste, Kartoffeln) (Zech et al., 2011).