Zittauer Gebirge – Übersicht

Abb. 41: Naturräumliche Gliederung der Oberlausitz mit eingezeichneten Exkursionsgebieten: Exkursionspunkt 9 Tagebau Nochten und das Exkursionsgebiet Zittauer Gebirge, rote Punkte (BWK, 2016). Gelb eingezeichnet ist in etwa die Schnittlinie des geologischen Profils aus Abb.16

Das Zittauer Gebirge, das kleinste Mittelgebirge Deutschlands, liegt im Bundesland Sachsen in der naturräumlichen Gliederung Oberlausitz (Abb. 15). Das Gebirge liegt im äußersten Südosten von Ostdeutschland im Dreiländereck. Im Süden grenzt es an Tschechien und im Osten an Polen. Das Zittauer Gebirge ist seit 1958 Landschaftsschutzgebiet. Dieses Gebiet wurde 2007 auf das ca. 133 km2 große Schutzgebiet Naturpark „Zittauer Gebirge“ ausgeweitet.

In diesem Gebiet kreuzen sich jahrhundertealte bedeutende Handelswege („via regia“, Salzstraße), wovon vor allem die Städte von Görlitz bis Zittau profitierten. Im 6. und 7. Jahrhundert wurde das Gebiet vom slawischen Volksstamm der „Sorben“ besiedelt, die deutsche Besiedlung begann erst um 923. Z.T. tritt die sorbisch/deutsche Zweisprachigkeit auch noch heute an Orts- und Straßenschildern auf. Tausend Umgebindehäuser in der Oberlausitz, Polen und Tschechien bilden das größte Gebiet einer einmaligen Volksarchitektur in Europa, die noch aus der Blütezeit der Tuchmacherei und Leinenweberei im 17. und 18. Jahrhundert stammen.

Das Zittauer Gebirge nimmt mit rund 50 km2 eine relativ kleine Fläche ein und bildet den Nordostrand des Böhmischen Massivs. Es hebt sich mit ca. 300 400 m über dem vorgelagertem Zittauer Becken als bewaldeter Gebirgszug ab. Über die Höhen des Gebirges verlaufen die Staatsgrenze zu Tschechien und die Wasserscheide zwischen Nordsee und Ostsee. Die Lausche, der höchste Berg des Zittauer Gebirges, ist mit 793 m der höchste Berg östlich der Elbe. Die bedeutendsten Flüsse sind die in drei verschiedenen Quellen entspringende Spree und als Grenzfluss die Lausitzer Neiße. Das Zittauer Gebirge fällt in die Schutzzone I des Naturparks Zittauer Gebirge mit besonders empflindlichen Landschaftsteilen, die möglichst ihrer natürlichen Eigenentwicklung überlassen bleiben oder naturnah bewirtschaftet werden (Büchner & Scholz, 2011).

Im Zittauer Gebirge herscht ein Gebirgsklima mit Juli-Mitteltemperaturen um 16 °C und Januar-Mitteltemperaturen unter 0 °C (Leibnitz-Institut für Länderkunde, 2003). Die Jahresdurchschnittstemperatur nimmt vom Tiefland mit Werten von 8,5 bis 9 °C zum Kamm des Zittauergebirges mit Werten um 5 °C ab und der Niederschlag steigt von 660 nm im Tiefland auf 900 bis 1000 mm im Jahresdurchschnitt in den Höhenlagen an. Das Klima im Gebirge ist submontan und entspricht in etwa der Höhenstufe 700 1000 in den Alpen. Die Die Schneedeckenhäufigkeit beträgt im Tiefland etwa 30 bis 40 Tage im Jahr und nimmt je 100 m Höhendifferenz um etwa 10 Tage zu. Am Kamm des Zittauer Gebirges treten 60 80 Nebeltage im Jahr auf (Flemming, 2005). Eine Besonderheit des Klimas in der südöstlichen Oberlausitz ist das häufige Auftreten des „Böhmischen Windes“, ein stark böiger Wind aus Richtung Ostsüdost bis Südsüdwest. Das stark gegliederte Relief verursacht große Klimaunterschiede auf kleinstem Raum.

Das Zittauer Gebirge soll als ökologisch wertvoller, reich strukturierter Lebensraum verschiedener seltener oder vom Aussterben bedrohter Arten und als bevorzugtes Urlaubs- und Erholungsgebiet der Region erhalten und entwickelt werden. Fast die gesamte Fläche des Zittauer Gebirges ist Landschaftsschutzgebiet und wird forstwirtschaftlich genutzt. Es dominieren mit 85 % die Nadelhölzer Fichte (58 %), Lärche (13 %) und Kiefer (10 %), denen verschiedene Laubbaumarten wie Birke (6 %), Rot-Buche (3 %) Stiel-Eiche (2 %) und Nadelholz-Ersatzbaumarten (Murray-Kiefer, Japanische Lärche, Stech-Fichte) beigemischt sind. Die Vielfalt der Waldstandorte ist auf Grund der unterschiedlichen geologischen Verhältnisse und ausgeprägten Höhendifferenzen sehr groß und umfasst alle Nährkraftstufen (Büchner & Scholz, 2011). Kräftige Standorte finden sich über Basalt und Phonolith (10 % Flächenanteil) mit Waldmeister-Buchenwäldern, ziemlich arme und arme Standorte treten auf den flächgründigen und exponierten Sandsteinstandorten (15 20 % Flächenanteil) mit Kiefer-Felswäldern mit Bergheiden auf. Dabei lässt sich eine deutliche Zonierung mit wachsender Höhenlage z.B. an der Lausche (791 m) erkennen. Bis in etwa 650 m Höhe ist ein krautreicher Buchenwald ausgebildet, der im Anschluss bis über 700 m farnreich wird. Ab 750 m Höhe tragen Oberhang und Gipfel Buchenwälder, in denen Waldreitgras und wolliges Reitgras als montane Arten auftreten.

Der Anteil der landwirtschaftlich genutzten Flächen liegt im Zittauer Gebirge bei ca. 20 % (Büchner & Scholz, 2011). In den höheren Lagen mit schwierigen Standortverhältnissen haben Feldfutterbau und Dauergrünland Bedeutung. Die Grünlandzahlen liegen zwischen 25 35 Bodenpunkten. Die Bodenverhältnisse und das bewegte Relief bedingen eine erhebliche Erosionsgefährdung.

Das Grundgebirge im Gebiet des Naturparks Zittauer Gebirge wird vom Lausitzer Granodiorit-/Granitmassiv gebildet (Abb. 16). Es ist eines der größten Granitmassive in Europa und entstand durch das mehrfache Eindringen granitischer Magmen in die Erdkruste überwiegend an der Wende Proterozoikum/Frühpaläozoikum (Biotitgranodiorite, Zweiglimmergranodiorite) sowie im tieferem Ordovizium (Rumburger Granit) und Oberkarbon (Granite von Königshain und Stolpen) (Büchner & Scholz, 2011). Das Lausitzer Granitmassiv bildet den geologischen Untergrund und formt auch viele der Hügel und Berge der Oberlausitz. Einige Hügel und Berge enthalten basaltische Gesteine, sie sind Überbleibsel vulkanischer Aktivitäten des späten Tertiärs und des Quartärs (Abb. 16). Im Lausitzer Bergland in der Grenzregion zu Tschechien erreichen die Granit­berge Höhen von mehr als 500 m.

Abb. 42: Blockstreifen aus der Nieder- und Oberlausitz mit Zittauer Gebirge. Lausitzer Granit und Sandsteinformationen nach Wagenbreth und Steiner (1990).

Nach einer langen Hebungs- und Abtragungszeit war der Kern des Oberlausitzer Granitgebietes in der Zeit der Oberen Kreide eine Insel, die der weiteren Abtragung unterlag (Abb. 18, 1). Der dadurch entstandene, oft geröllführende Sand lagerte sich am Rand eines flachen Meeres im heutigen Zittauer Gebirge, in Nordböhmen und in der Elbtalzone in Form der mehrere hundert Meter mächtigen kreidezeitlichen Sandsteinschichten vereinzelt mit Ton- und Kalkschlämmen auf dem granitischen Untergrund ab. Sie verfestigten sich durch diagenetische Prozesse zu Sandsteinen, Kalksandsteinen und Tonmergel. Durch Verwitterung und Erosion entstanden aus den Sandsteinen des unteren Mittelturon Felsformationen, die heute besonders in Umgebung von Oybin und Jonsdorf erhalten sind, z.B. Oybinfelsen oder Kelchstein auf dem Weg nach Lückendorf. Die besonders am Oybinfelsen deutliche hori­zon­tale Schichtung und vertikale Klüf­tung des Gesteins bezeich­net man hier wie im Elbsand­steingebirge als Quader­sand­stein. Eine Ausnahme bildet das Gebiet um Lückendorf. Die hier anstehenden, weichen, leicht verwitternden Kalksandsteine und Tonmergel des oberen Mittelturons bilden die mit Lösslehm bedeckte Lückendorfer Sandsteinverebnung.

Abb. 43: Die Entstehung der Oberlausitz und des Zittauer Beckens (Wagenbreth u. Steiner, 1990).

Die Entstehung der Obrlausitz und des Zittauer Beckens:

  1. Obere Kreidezeit: Sandsteinschichten im Meer neben der Lausitzer Granitinsel
  2. gegen Ende der Oberen Kreidezeit: an der Lausitzer Überschiebung wird der Granit über den Sandstein emporgepresst
  3. Untermiozän: Nach der Abtragung des Gebietes zu einer Ebene ergießen sich Basalt- und Phono­lithlaven über die flache Landschaft; die vulka­nischen Kuppen sind heute als folgende Berge er­hal­ten:

über Sandstein:

  • H Hochwald
  • J Jonsberg
  • B Buchberg
  • L Lausche

im Granitgebiet:

  1. Butterhübel bei Olbersdorf
  2. Steinbusch
  3. Bocherberg
  4. Steinberg
  5. Breitenberg bei Hainewalde
  6. Finkenhübel
  7. Hutberg (6 u. 7 bei Großschönau)
  8. Wiedeberg
  9. Lindeberg (8 u. 9 bei Spitzkunnersdorf),
  10.  Scheibenberg bei Hainewalde
  11.  Spitzberg bei Spitzkunnersdorf

Miozän bis Gegenwart: Das Zittauer Becken sinkt im Miozän ein, es bilden sich Braunkohleflöze; das (relativ) aufge­stiegene Sandsteingebiet wird von Tälern zerschnitten und zum Zittauer Gebirge geformt

Gegen Ende der Kreide­zeit entstand, wie im Elbtal­gebiet, auch hier die Lausi­t­zer Über­schiebung, indem an einer Stö­rungs­zone der Granit der Nord­scholle einige hundert Meter auf den Sandstein der südli­chen Scholle aufgescho­ben wurde (Abb. 18, 2). Diese geologische Störung ist im Elbtal von Meißen bis Pirna und im Elbsand­steingebirge sichtbar. Dabei wurden die Sandstein­schich­ten rand­lich aufgebo­gen, wie man heute noch im Oybintal südlich von Oybin-Niederdorf be­ob­achten kann. Dabei lässt sich für das Gebiet in Tschechien bei Jeschken eine Heraushebung von mindestens 1000 m nachweisen, während auf deutschem Gebiet im Raum Dresden die Sprunghöhe der Kreidebasis bei ca. 500 m liegt (Franke, 2017). Zum Ende der Kreidezeit und in den ersten Zeitabschnitten des Tertiärs wurde die Landschaft von der Abtragung eingeebnet. Die Lausitzer Überschiebung war damals land­schaftlich nicht mehr bemerkbar.

Im Tertiär Mio­zän setzte hier in Analogie zu dem südlich benachbarten Böhmischen Mittelgebirge ein starker Basaltvulkanismus ein, der lokale Quellkuppen und weitgestreckte Deckenergüsse und Schichten vulkanischer Asche (zu Tuff verfestigt) entstehen ließ, auch Zittauer Eruptivkomplex genannt (Abb. 18, 3). Oft kam es durch die im Vergleich zu den umgebenden Gesteinen höheren Verwitterungsbeständigkeit des Basalts zur Reliefumkehr. Diese vulkanischen Gesteine wurden an vielen Stellen noch von nur wenig jüngeren Phonolithvulkanen durchschlagen, die im Sandsteingebiet auch den Hochwald und die Lausche bildeten, die höchsten Berge der Oberlausitz. Der Vulkanismus veränderte durch Hitzeeinwirkung lokal das umgebende Gestein, so entstand ein glasiger, poröser, gehärteter Sandstein, der im Gebiet von Jonsdorf zur Mühlsteingewinnung genutzt wurde. Zudem tritt dort auch säulen aus durch Hitzeeinwirkung gefrittetem Sandstein auf.

Wenig später und durch die Basalt- und Phonolitheruptionen sicher kausal bedingt, hob sich das Zittauer Gebirge, während sich das nördlich angrenzende Zittauer Granit-Becken einsenkte (Abb. 18, 4; Abb. 17). Dieses erfolgte z.T. entlang einer Linie, die von der älteren Lausitzer Überschiebung abweicht, so dass hier Granite noch in höherer Lage zu finden sind. Heute erhebt sich das Zittauer Gebirge etwa an dieser Linie in einer Höhenlage von ca. 350 m über NN um 200 – 300 m über das Vorland. Im sumpfigen, zeitweise überschwemmten Senkungsgebiet des Zittauer Beckens lagerten sich im Tertiär verschiedene Sedimente, vor allem Ton und Sande ab, und es entstand aus der sich dort ansiedelnden Sumpfflora die mächtige Braunkohle. Die daraus entstandenen Braunkohleflöze wurden bis 1992 bei Olbersdorf im Tagebau abgebaut.

Während der Elsterkaltzzeit wurde das Zittauer Gebirge vom Inlandeis errreicht und stellenweise überschritten, wobei die Höhen über 440 m NN eisfrei blieben (Büchner & Scholz, 2011). In den Beckenlandschaften des Gebirgsvorlandes hinterließen Eis und Schmelzwasser mächtige Ablagerungen wie Geschiebelehme verwitterter Grundmoränen, Schmelzwasserkiese und -sande. Die späteren Eisvorstöße der Saale- und Weichselkaltzeit erreichten nur den nördlichen Rand des Gebiets, beeinflussten es jedoch durch die Ablagerung von Löss. Intensive Frostverwitterung, die die heute an einigen Basalt- und Phonolithbergen anzutreffenden Blockhalden entstehen ließ und durch den Prozess der Solifluktion, der nebem dem Bodenmaterial auch Gesteinsblöcke kilometerweit ins Tal transportierte. Durch die Verwitterung und Erosion wurde die Oberfläche der ehemals tertiären Deckenauflagen aus Basalt, Basalttuff und Phonolith in einer Reliefumkehr neu geformt und die Hänge sind von einer mächtigen Decke aus lehmigen Verwitterungsschutt überzogen. Jüngste Abtragungsvorgänge haben die Hochscholle des Sandsteins so zertalt, dass dabei die schroffen Formen des Zittauer Gebirges entstanden. Im Vorland schnitten sich die Flüsse und die Bäche wesentlich weniger tief ein.

Abb. 44: Die Basalt- und Phonolithberge der Oberlausitz; schwarz = Basalt, schraffiert = Phonolith, gestrichelte Linie = Lausitzer Überschiebung, punktiert = Zittauer Tertiärbecken, n. Wagenbreth u. Steiner (1990).

In den Bergbereichen dominieren ca. 0,4 bis 2 m mächtige Gesteinsverwitterungsdecken die durch kaltzeitliche Verwitterungs- und Umlagerungsprozesse entstanden sind. Sie sind in der Regel zweigeteilt. Der untere, skelttreiche Teil der Decken ist deutlich vom Liegenden beeinflusst, er ist über Granit durch Granitgrus und -blöcke, über Basalt durch Basaltschutt und über Schotterkörper durch Sande und Kiese angereichert.

Über dem Kreidesandstein herrschen sehr arme Böden mit geringer Basensättigung vor, die je nach Exposition als Podsol, Podsolranker oder podsolige Braunerde ausgebildet sind (Büchner & Scholz, 2011). In den Felsgebieten und an Steilhängen kommen lokal auch Ranker auf Sandsteinschutt und Felshumusböden vor. Diese Böden zeichnen sich durch eine hohe Versickerungsrate, geringe nutzbare Feldkapazitäten und geringe natürliche Bodenfruchtbarkeit aus. An den Phonolithkegeln haben sich mäßig nährstoffversorgte Braunerden mit mittlerer Basensättigung aus Hanglehm ausgebildet.

Daneben treten bei granitischen Ausgangsteinen Braunede-Podsole auf. An den Mittelhängen setzt der Lösseinfluss ein, so dass sich in dem feinerdereichem Ausgangsmaterial Parabraunerden entwickeln konnten. Durch Hangwasser und Staunässe bedingt, treten an den Unterhängen vor allem hydromorphe Böden auf, z.T. bestehen Übergänge zum Löss bzw. zum Solifluktionslöss.

Auf Decklöss sowie im Zittauer Becken mit mächtigeren Lössablagerungen sind staunasse Böden ebenfalls weit verbreitet, vor allem durch den verdichteten, tonreichen Untergrund. Bei geringmächtigeren Lössablagerungen auf den Sand- und Kiesterrassen sind vernässungsfreie Böden wie Braunerde-Podsole vorherrschend. In den Auen lagern 0,5 1,0 m mächtige Auenlehme auf grundwasserführenden Sanden und Kiesen, so dass Böden mit Grundwassereinfluss im Untergrund typisch sind (Büchner & Scholz, 2011).